Nach der Präsidentschaftswahl kam es in der iranischen Hauptstadt Teheran zu Straßenschlachten (Foto: Reuters)
Nach schweren Ausschreitungen in Teheran sind nach einem Bericht des britischen Senders BBC bis zu 100 Oppositionsanhänger festgenommen worden. Wie der Sender berichtete, wird den Anhängern des Reformkandidaten Mir Hussein Mussawi vorgeworfen, für die gewaltsamen Proteste nach Bekanntgabe des Wahlsiegs von Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad verantwortlich zu sein. Auch der Bruder von Ex-Präsident Mohammed Chatami soll unter den Festgenommenen sein. Mussawi hat wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten beim zuständigen Wächterrat die Annullierung der Wahl beantragt.
Nach Vorwürfen des Wahlbetrugs waren enttäuschte Anhänger Mussawis in Teheran am Samstag aus Protest auf die Straße gegangen. Dabei kam es zu Krawallen und Straßenschlachten mit der Polizei, die Tränengas gegen die Steine werfenden Demonstranten einsetzte. Fahrzeuge, Mülltonnen und Reifen wurden in Brand gesteckt. Es gab mehrere Verletzte.
Die Festnahmen seien in der Nacht zum Sonntag erfolgt, berichtete die BBC. Mussawi selbst soll nicht unter den Festgenommenen sein. Der Reformkandidat hatte seine Anhänger aufgerufen, friedlich zu demonstrieren. Nach der offiziellen Verkündung seiner Niederlage forderte er die Annullierung des Urnengangs. Er habe einen entsprechenden Antrag beim für die Organisation des Urnengangs zuständigen Wächterrat gestellt, erklärte Mussawi. Als Grund für seine Forderung nannte er "Unregelmäßigkeiten".
Ahmadinedschad siegte deutlich
Die Präsidentschaftswahl am Freitag hatte Staatschef Ahmadinedschad nach offiziellen Angaben mit gut 62 Prozent der Stimmen klar gewonnen. Bei einer Rekordquote von 82 Prozent Wahlbeteiligung seien nur 33,75 Prozent auf den führenden Oppositionskandidaten Mussawi entfallen.
Italienisches Kamerateam geriet zwischen die Fronten
Bei den schweren Unruhen in Teheran ist auch ein Kameramann des dritten öffentlichen italienischen Fernsehens "RAI 3" von der Polizei verletzt worden. Wie italienische Medien berichteten, wurde der Kameramann von der Polizei mit Schlagstöcken am Rücken verletzt. Das Team sei am Samstag bei den Straßenschlachten zwischen Anhängern des reformorientierten Wahlverlierers Mir Hussein Mussawi und der Polizei zwischen die Fronten geraten. Die Beamten hätten die Aufnahmen beschlagnahmt, die das das Team von den Protesten gemacht hatte.