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Felsbrocken so groß wie ein Bus
12.02.2010, 19:18 Uhr
Ein riesiger Felsblock begräbt in Oberbayern ein Haus unter sich (Foto: dpa)Ein Familienvater und seine 18-jährige Tochter sind in Stein im oberbayerischen Landkreis Traunstein ums Leben gekommen, als tonnenschwere Felsbrocken auf ihr Haus stürzten. Die 40 Jahre alte Ehefrau und Mutter und der 16-jährige Sohn wurden am frühen Dienstagmorgen schwer verletzt aus den Trümmern des völlig zerstörten Gebäudes gerettet. Inzwischen sind beide außer Lebensgefahr, sie haben sogar gute Chancen auf Genesung.
Der haushohe Felsblock war am Montagabend kurz vor 20 Uhr unerwartet auf das Haus der vierköpfigen Familie gestürzt. "Die Familie hat alles verloren, was man sich vorstellen kann", sagte der Bürgermeister Franz Parzinger auf einer Pressekonferenz.
"Wo fangen wir an?"
Den Rettungskräften bot sich ein Trümmerfeld. "Es war ein brutales Bild", sagte der Kreisbrandrat Johann Gnadl. Den Rettern stellte sich zunächst die Frage "Wo fangen wir an?", so Gnadl. Sie versuchten zuerst Personen zu orten, was recht schnell gelang, da die Einsatzkräfte Stimmen hörten, sagte Gnadl. Die Frau und der Junge konnten gerettet werden.
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Gute Chancen auf Genesung
Besonders problematisch seien für die Verschütteten die eisigen Temperaturen und die stundenlange Zwangshaltung gewesen, da dies zur Zerstörung von Muskelgewebe führen könne, erklärte der leitende Notarzt Joaquin Kersting. Deshalb habe man sich auch für eine sehr vorsichtige und horizontale Rettung der Verletzten entschieden. Allerdings befanden sich die Frau und der Junge zum Erstaunen der Ärzte in einer recht guten Verfassung. Rupert Ketterl, ärztlicher Direktor des Klinikums Traunstein, geht davon aus, dass beide ihre bisherigen Aktivitäten nach der Genesung wieder aufnehmen könnten, sagte Ketterl.
Weichteil- und Wirbelsäulenverletzungen
Mittlerweile seien beide bereits operiert worden und müssten nicht mehr beatmet werden, sagte Ketterl. Sie haben vor allem Weichteil-, Quetsch- und Wirbelsäulenverletzungen sowie Knochenbrüche davongetragen. Am Mittag sollte ihnen zusammen mit Angehörigen und Psychologen die Nachricht vom Tod der beiden anderen Familienmitglieder mitgeteilt werden.
Opfer eingeklemmt
Für Vater und Tochter kam jede Hilfe zu spät. "Vermutlich waren beide sofort tot", sagte Polizeisprecher Franz Sommerauer. Als erstes wurde gegen 23.25 Uhr die Leiche des 45 Jahre alten Familienvaters geborgen. Knapp drei Stunden später zogen die Retter den leblosen Körper seiner 18-jährigen Tochter aus den Trümmern. Alle Personen hatten sich vermutlich in einem Raum nahe der Haustür aufgehalten. Nach der Bergung wurde die Unglücksstelle noch einmal mit einer Hundestaffel nach weiteren Verschütteten abgesucht.
Mit bloßen Händen gegraben
Die Rettungsversuche gestalteten sich extrem schwierig, weil der Hang über dem Haus weiter abzurutschen drohte. "Wir können kein schweres Räumgerät einsetzen und müssen uns buchstäblich mit den bloßen Händen vorarbeiten", erklärte der Sprecher vor Ort. Etwa 250 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Rotem Kreuz versuchten, nachts bei Minusgraden und Scheinwerferlicht an die unter den Trümmern verschüttete Familie heranzukommen. Weitere Nachbarhäuser waren vorsorglich evakuiert worden. Die Polizei will auf unabsehbare Zeit das Gelände um den Unglücksort abgesperrt lassen. Ein Autofahrer, der Zeuge des Unglücks geworden war, hatte die Polizei über den Felssturz informiert.
GrafikDer Unglücksort Stein an der Traun
ChronologieTödliche Felsabstürze
Kleinerer Brocken wiegt 250 Tonnen
Wie es zu dem verheerenden Unglück kam, ist unklar. Die zuständige Kriminalpolizei Traunstein und die Staatsanwaltschaft nahmen die Ermittlungen auf. Laut Andreas von Poschinger, Geologe beim Landesamt für Umwelt, sind bei dem Unglück mehrere tonnenschwere Brocken auf das Einfamilienhaus gefallen. Einer davon sei besonders groß gewesen, womöglich so groß wie ein Bus. Etliche kleinere Brocken waren ebenfalls herabgeprallt und hatten das Haus unter sich begraben. Wie von Poschinger erklärte, wiegt bereits einer der kleineren Brocken geschätzte 250 Tonnen. Bei dem abgebrochenen Gestein handelt es sich von Poschinger zufolge um eiszeitliche Ablagerungen. Diese werden Nagelfluh genannt und sind etwa 200.000 Jahre alt.
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Risse im Gestein
Zur Ursache des Gesteinsabsturzes wollte sich der Geologe nicht äußern. Die Untersuchungen werden nach seinen Angaben noch längere Zeit dauern. Am Unglücksort kursierten unterdessen Vermutungen, der Felsabsturz könne mit dem winterlichen Wetter zu tun haben. Es seien unter anderem Risse im Gestein festgestellt worden. Dazu sagte der Geologe allerdings, dies sei bei dieser Gesteinsart durchaus üblich.
Nachbarn hörten Schleifgeräusche
Das etwa 100 Jahre alte Haus der Familie war direkt an den Fels gebaut. Kurz vor 20 Uhr waren die Gesteinsmassen ins Rutschen geraten. Sie habe Schleifgeräusche gehört, sagte eine Frau, die mit ihrem Bruder und ihrer Schwägerin zwei Häuser weiter wohnt und die Nacht aus Sicherheitsgründen bei Verwandten verbringen musste. Am Morgen konnten die Bewohner in ihr Haus zurückkehren.
Quelle: t-online.de
, AFP
, dapd
, dpa