11.05.2011, 08:44 Uhr
Rainer Brüderle geht als Sieger aus dem FDP-Machtkampf hervor (Foto: dpa)
Rainer Brüderle hat es geschafft. Seit Wochen schon versuchte der designierte FDP-Chef Philipp Rösler den Wirtschaftsminister los zu werden. In der neuen, jungen FDP Röslers sollte der Polit-Dino Brüderle keine Rolle mehr spielen. Doch hartnäckig hat der Mann aus Rheinland-Pfalz den Putschversuchen seiner Parteikollegen standgehalten. Zwar muss er jetzt sein Amt als Wirtschaftsminister abgeben, doch belohnen ihn die Liberalen mit dem Spitzenposten in der Bundestagsfraktion.
Seit Tagen jongliert die FDP mit Posten und Ämtern, um aus der Krise zu kommen. Am Dienstag wird es offiziell. Die Fraktion kommt zusammen, um eine neue Spitze zu wählen und sich von ihrer Vorsitzenden Birgit Homburger zu trennen. Während die bisherige FDP-Frontfrau im Bundestag abgestraft wird, ist Brüderle fein raus.
Der Noch-Wirtschaftsminister kann seine gute Laune denn auch nicht verbergen. Schon als er zur Fraktionssitzung auftaucht und sich den Weg durch die Masse der wartenden Journalisten bahnt, grinst er breit. "Es ist schon mal ein gutes Zeichen, dass so viele da sind", flötet er, "das war nicht immer so." Wohl wahr. Doch der Andrang hier ist mitnichten repräsentativ für das Interesse der Wähler.
Die FDP ist in den vergangenen Monaten beispiellos abgestürzt und zieht dafür ihr Spitzenpersonal zur Rechenschaft. Erst ihren Parteichef Guido Westerwelle, nun Homburger. Nur Brüderle hat seinen Kopf gerettet - trotz Kolossal-Schlappe im eigenen Landesverband. Die rheinland-pfälzische FDP hat unter Brüderles Führung bei der Landtagswahl im März nicht mal den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde geschafft. Doch Trübsal ist seine Sache nicht.
Drinnen im Fraktionssaal versorgt Brüderle die umstehenden Journalisten mit seinen Weisheiten. "Jeder Tag hat seinen eigenen Zauber", sagt er in die Runde - und grinst wieder breit. Über Personalien mag er noch nicht reden. Aber mit Philosophischem geizt er nicht. "Frauen sind sehr stark, auch Männer müssen stark sein." Das ist noch so eine Brüderlesche Weisheit zum Abschied vom Wirtschaftsressort.
Während Brüderles Werbeoffensive in eigener Sache sitzt die Noch-Fraktionschefin Homburger still auf ihrem Platz, sortiert Papiere. Sie ist die große Verliererin in diesem Raum. Zwei Stühle links und rechts von ihr sind frei. Sie schaut ein wenig verloren aus. Noch-Parteichef Westerwelle drei Stühle neben ihr hat ein betont gelassenes Gesicht aufgesetzt. Er hat die Schmach des Verlierers schon hinter sich.
Eine Dreiviertelstunde später ist die FDP-Führung durchgepuzzelt. Homburger hat ihren Verzicht auf die Fraktionsspitze erklärt, Brüderle ist mit fast 96 Prozent der Stimmen zu ihrem Nachfolger gewählt. Nun kann er das Wirtschaftsressort für Rösler räumen. Der wiederum gibt seinen Chefsessel im Gesundheitsministerium an den Nachwuchs-Mann Daniel Bahr ab - bislang Staatssekretär im Ressort und FDP-Chef in Nordrhein-Westfalen. Reichlich viele Postenwechsel für einen einzigen Nachmittag.
Die Fraktion nimmt sich noch ein wenig Zeit für die obligatorischen Applaus-Salven. Dann öffnet sich die Tür des Fraktionssaals. Homburger und Rösler treten vor die Mikros und leiern die Personalrochade herunter.
Homburger hat schon fröhlicher ausgesehen. Sie müht sich um einen gefassten Ton, sagt, sie habe ihre Aufgabe mit viel Leidenschaft und Spaß gemacht. Für den Aufbruch der Partei müssten die Personaldebatten jedoch ein Ende haben. Der Name Brüderle geht ihr in diesem Moment nur schwer über die Lippen. Sie könne ihrem "Nachfolger nur Glück wünschen", sagt sie kühl. Erst im zweiten Anlauf nimmt sie Brüderles Namen in den Mund.
Anschließend verkündet Rösler, er habe "klare Vorstellungen", wie er die FDP aus der "schwierigen Lage" herausführen wolle. Dank Homburgers Beitrag könne er diese Ideen nun umsetzen. Die Türen zum Fraktionssaal schließen sich wieder. Die Wahlen gehen weiter.
Gegen halb sieben wird Weißwein herangekarrt. Und kurz darauf hat der neue Fraktionschef Brüderle seinen großen Auftritt. Seinen Job im Wirtschaftsressort habe er sehr gerne gemacht, sagt er. Aber es gehe schließlich nicht um das "eigene Glücksempfinden". Brüderle bemüht das "preußische Pflichtbewusstsein" - trotz rheinland-pfälzischer Herkunft.
Dann spricht er noch von Geschlossenheit und davon, dass die FDP den "Kampf gegen den politischen Gegner" führen müsse und nicht gegen den Parteifreund. Er schließt mit den Worten: "Wir gehen wieder an die Arbeit." Brüderle hat es eilig. Gleich für den nächsten Morgen hat er einen Pressetermin einberufen - als neuer Fraktionschef. Die Pflicht ruft eben.
Quelle: dapd , t-online.de
jrg schrieb:
am 10. Mai 2011 um 19:50:14
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fdp
selten so viel unvermögen gesehen, wei zur zeit bei der wendehals-partei. schlimmer geht´s nimmer.
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zaluskowski schrieb:
am 10. Mai 2011 um 19:48:17
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brüderle
dem westerwelle hat jeder vorgeworfen er klebt an seinem stuhl - und jetzt, brüderle zeigt wie man´s geschckter anstellt.
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