10.02.2011, 11:25 Uhr
Die linken FARC-Rebellen in Kolumbien haben eine Ankündigung wahrgemacht, Geiseln freizulassen. Zunächst setzten sie den vor fast 20 Monaten entführten Kommunalpolitiker Marcos Baquero auf freien Fuß. Vier weitere Freilassungen sollen folgen.
Der 35-jährige Baquero wurde auf dem Flughafen der Stadt Villavicencio im Zentrum des Landes von seiner Frau und seinen beiden Kindern in die Arme genommen. "Wir werden eine Demonstration abhalten und dabei von den FARC verlangen, dass sie alle Geiseln freilassen", sagte Baquero anschließend vor der Presse. "Die Vorstellung, dass im Urwald noch immer Menschen festgehalten werden, ist unerträglich."
Die marxistische Rebellengruppe "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" hatte im Dezember erklärt, sie sei bereit, fünf Geiseln freizulassen. Am vergangenen Sonntag wies sie darauf hin, eine Freilassung ohne Vorbedingungen oder Gegenleistungen zeige ihren Willen, Friedensgespräche zu beginnen.
Dies war von Präsident Manuel Santos durchaus anerkannt worden. Dennoch beharrte er darauf, dass Gespräche erst dann aufgenommen würden, wenn die Rebellen auf weitere Anschläge und Überfälle verzichten sowie alle Geiseln freilassen würden. Nach offiziellen Angaben hätte die FARC nach der geplanten Freilassungsaktion noch 16 Militärs und Polizisten sowie eine unbekannte Zahl von Zivilisten in ihrer Gewalt.
Die Rebellen hatten den Politiker Marcos Baquero an einem geheim gehaltenen Ort im Urwald einer humanitären Kommission übergeben. Ihr gehörten unter anderem die Oppositionspolitikerin und frühere Senatorin Piedad Córdoba, ein Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) sowie ein peruanischer Arzt an. An Bord eines eigens für diesen Zweck von Brasilien zur Verfügung gestellten Hubschraubers wurde Baquero anschließend nach Villavicencio geflogen.
An diesem Freitag sollen der Kommunalpolitiker Armando Acuña und der Marinesoldat Henry López freikommen. Für Sonntag ist der Abschluss der Aktion mit der Übergabe eines entführten Polizeimajors sowie eines Soldaten geplant. "Am schlimmsten ist, dass es niemanden gibt, mit dem man sprechen kann, dass einem nicht einmal zugehört wird", klagte Baquero.
Der jahrelange bürgerkriegsähnliche Konflikt zwischen FARC und dem Staat hat schon 1964 begonnen und Schätzungen zufolge mehr als 200.000 Menschen das Leben gekostet. Millionen mussten zudem vor den Kämpfen in ländlichen Regionen an die Armutsränder größerer Städte fliehen.
Quelle: dpa
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