Die Familie des Amokläufers drückte öffentlich ihr Mitgefühl aus (Foto: Markus Merz/Stuttgarter Nachrichten; dpa)
Die Familie des Amokläufers Tim K. hat erstmals den Opfern ihres Sohnes ihr Mitgefühl ausgesprochen. In einem offenen Brief, der vom Anwalt der Familie aus Leutenbach verbreitet wurde, hieß es: "Ihnen wurde das Wertvollste und Wichtigste, ein geliebter Mensch, durch die entsetzliche und unbegreifbare Tat unseres Sohnes und Bruders, genommen. Wir hätten Tim so etwas nie zugetraut und kannten ihn anders. Alle unsere Gedanken sind auch bei den körperlich und seelisch Verletzten."
"Immer und immer wieder fragen wir uns, wieso dies geschehen konnte. Warum wir seine Verzweiflung und seinen Hass nicht bemerkt haben", heißt es in dem Brief weiter.
Die Ermittler sehen derweil einen deutlichen Zusammenhang zwischen den Killerspielen von Tim K. und dem Blutbad mit 16 Toten. Bei der Durchsuchung des Zimmers des 17-jährigen Todesschützen waren Gewaltfilme und Ballerspiele wie "Counter-Strike" gefunden worden. "Da hat schon was stattgefunden und sich was angebahnt", sagte Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU).
Durch Kopfschuss selbst gerichtet
Nach dem vorläufigen Obduktionsergebnis richtete sich Tim K. am Ende seiner Flucht mit einem Kopfschuss selbst. Seine Leiche wurde bereits am vergangenen Freitag freigegeben. Wann Tim K. beigesetzt wird, ist nicht bekannt. Bei der zentralen Trauerfeier für die Opfer am Samstag werden nach ersten Schätzungen bis zu 100.000 Besucher in Winnenden erwartet - darunter Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).
Ermittlungen gegen den Vater
Tim K. hatte an seiner ehemaligen Schule insgesamt neun Schüler und drei Lehrerinnen getötet. Auf der Flucht erschoss er einen weiteren Mann, nach einer Irrfahrt mit einer Geisel in Wendlingen noch zwei Männer und schließlich sich selbst. Für den Amoklauf benutzte er eine Waffe seines Vaters, die frei verfügbar im Schlafzimmer der Eltern lag. Gegen den Vater wurde ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung in 15 Fällen eingeleitet.
Trittbrettfahrer verurteilt
Eine Woche nach dem Amoklauf wurde unterdessen ein Trittbrettfahrer in einem beschleunigten Verfahren zu einer fünfmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Das Urteil vor dem Amtsgericht Stuttgart erging nach Angaben von Richter Alexander Brost wegen erheblicher Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung einer Straftat. Der 24 Jahre alte geständige Arbeitslose hatte am Tag des Amoklaufs im Internetportal kwick.de einen fiktiven Pressetext eingestellt mit der Beschreibung einer Amoktat an einer Waiblinger Berufsschule. Der Mann muss zudem 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.