27.01.2011, 19:43 Uhr
Mircos Wohnort Grefrath liegt im Kreis Viersen - aus dem auch der mutmaßliche Täter stammt (Foto: dpa/Grafik: stepmap)
Der vermisste Mirco aus Grefrath ist tot. Sein mutmaßlicher Peiniger sitzt schon in Untersuchungshaft. Die Polizei fand die Leiche des Jungen und verdächtigt einen Familienvater, das Kind umgebracht zu haben. Das Schicksal des im September verschwundenen Jungen sei geklärt, teilte die Staatsanwaltschaft in Krefeld mit. Ein Richter erließ Haftbefehl.
Wo die Leiche gefunden wurde, sagte der Staatsanwalt nicht. Der Vater aus dem Kreis Viersen war am Mittwoch festgenommen worden. Einen Tag später verdichteten sich die Indizien gegen ihn und er wurde als dringend tatverdächtig eingestuft.
Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich nach Informationen der "Rheinischen Post" um einen 46-jährigen zweifachen Familienvater aus Ungerath in der Gemeinde Schwalmtal, der als Berufspendler bei einem großen Konzern in Bonn arbeitet. Er soll einen silbergrauen Passat mit Münsteraner Kennzeichen gefahren haben. Nach Angaben von Nachbarn des Verdächtigen soll der Mann völlig unauffällig gelebt haben und gut in die Nachbarschaft integriert gewesen sein. Die Tat soll er bereits am Mittwoch gestanden habe, hieß es weiter. Die Behörden wollten dies bisher nicht bestätigen.
Die Ermittler waren seit langem von einem Sexualmord ausgegangen. Der VW Passat des Mannes sei die entscheidende Spur gewesen. Er habe am Mittwoch zur Festnahme geführt. "Wir haben von Anfang an gesagt: Wenn wir den richtigen VW Passat in der Kontrolle haben, dann wird uns das zum Täter führen", sagte ein Polizeisprecher. Die Polizei war in den vergangenen Monaten mit der Überprüfung von mehreren tausend VW Passat beschäftigt, die ins Fahndungsraster passten.
Das Schicksal des vermissten Zehnjährigen aus Grefrath ist aufgeklärt. Ein 45-jähriger Familienvater ist dringend tatverdächtig. zum Video
Informationen, wonach der Verdächtige versucht haben soll, das Auto ins Ausland zu verkaufen, bestätigte die Polizei nicht. Die 65-köpfige Sonderkommission ermittele aber unter Hochdruck sämtliche Ansätze, die sich nach der Festnahme des Mannes ergeben hätten. "Wir haben uns dem Verdächtigen aus vielen Richtungen genähert", sagte Polizeisprecher Peter Spiertz.
Die Ermittler wollten ihre Ergebnisse am Freitag um 11 Uhr bei einer Pressekonferenz im Mönchengladbacher Polizeipräsidium bekannt geben. Am Mittwoch hatte die Polizei sich noch zurückhaltend gezeigt und lediglich von einer weiteren Festnahme in dem Fall gesprochen. Die bisherigen Festnahmen habe man "sehr diskret abgearbeitet". "Das war sicher auch gut so, denn in diesen Fällen hatte sich schnell die Unschuld der Verdächtigen erwiesen", sagte ein Polizeisprecher.
In Grefrath reagierte die Bevölkerung mit Trauer und Entsetzen auf die Entwicklung. Wenigstens habe man aber nun Gewissheit über das Schicksal des Jungen, sagte Bürgermeister Manfred Lommetz. Er hatte während einer Rede zum Holocaust-Denktag vom Fund der Leiche erfahren und die Anwesenden darüber informiert.
Indessen dankte der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) allen Ermittlern der "Soko Mirco" für ihr großes Engagement. Sie seien mehr als 9000 Spuren nachgegangen. "Unsere Gedanken sind aber auch bei Mircos Eltern, den Angehörigen und Freunden. Sie haben quälende Monate der Ungewissheit erleiden müssen, die jetzt vorüber sind."
Mirco war vor fast fünf Monaten, am 3. September vergangenen Jahres, im Alter von zehn Jahren auf dem Nachhauseweg entführt worden. Mit einer der größten Suchaktionen in der Geschichte der Bundesrepublik hatten zeitweise 1000 Polizisten nach dem Kind gesucht. Auch Tornado-Aufklärungsjets der Bundeswehr und Drohnen kamen zum Einsatz.
Die Polizei hatte tausende Hinweise aus der Bevölkerung erhalten und sich immer wieder zuversichtlich gezeigt, den Täter doch noch ermitteln zu können. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Junge einem Sexualmord zum Opfer gefallen ist.
Nach der bisherigen Rekonstruktion des Verbrechens hatte der Täter Mirco auf dem Heimweg von einer Skater-Anlage an einer einsamen Stelle östlich von Grefrath abgepasst und mit seinem Auto entführt. Mircos Fahrrad blieb zurück, wurde von ahnungslosen Passanten entdeckt, mitgenommen, gesäubert und erst nach Bekanntwerden des Verbrechens der Polizei übergeben.
In einem Bogen soll der Entführer in einem VW Passat Kombi nördlich um Grefrath herumgefahren sein. Spezielle Spürhunde hatten Mircos Fährte noch kilometerweit verfolgt. In der Nähe eines Klosters bei Wachtendonk nördlich von Grefrath vernahmen Nonnen in der Tatnacht einen markerschütternden Schrei. Auf der anderen Seite von Grefrath fanden sich später Kleidungsstücke des Jungen und nach Wochen auch sein Handy. Fingerabdrücke des Täters fanden sich nicht.
Obwohl die Polizei-Hundertschaften ein mehr als 50 Quadratkilometer großes Gebiet zum Teil mehrfach durchkämmten, blieb der Junge verschwunden. Auch ein bewegender Aufruf von Mircos Eltern im Fernsehen konnte den Täter nicht dazu bewegen zu verraten, wo er den Jungen versteckt hat.
Quelle: dpa , dapd
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