26.09.2011, 15:06 Uhr
Hat den Mord an Mirco gestanden: der Angeklagte Olaf H. vor Gericht (Quelle: dpa)
Der mutmaßliche Mörder des zehnjährigen Mirco aus Grefrath soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft lebenslang hinter Gitter. Die Anklage forderte, eine besondere Schwere der Schuld festzustellen. Die Verteidigung schloss sich dem Antrag weitgehend an, bat aber, auf die Feststellung der besonderen Schuldschwere zu verzichten. Dem Angeklagten Olaf H. tue die Tat "unendlich leid". In seiner Zelle soll er aus "Mitgefühl" ein Bild des Opfers aufgehängt haben.
Staatsanwältin Silke Naumann sagte im Prozess vor dem Krefelder Landgericht, Olaf H. habe von Anfang an geplant, den Jungen zu töten. Vermutlich habe er Mirco schon kilometerweit mit seinem Auto verfolgt, bevor er zugeschlagen habe. Er habe ihn entführt, sexuell missbraucht und erdrosselt; anschließend habe er der Kinderleiche noch ein Messer in den Hals gerammt.
Naumann hob hervor, Olaf H. habe seinen perfiden Charakter mit der Lüge gezeigt, beruflicher Stress sei Anlass der Tat gewesen. Er habe versucht, seinen ehemaligen Vorgesetzten für die Tat mitverantwortlich zu machen.
Der 45-Jährige habe sich des Mordes, der Freiheitsberaubung und des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht. Aus diesem Grund forderte die Staatsanwältin, das Gericht solle eine besondere Schwere der Schuld feststellen. Damit könnte H. nicht nach 15 Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen werden.
Die Nebenklage fordert eine lebenslange Freiheitsstrafe für den mutmaßlichen Mörder des zehnjährigen Mirco. zum Video
Die Anwältin von Mircos Eltern, die in dem Verfahren als Nebenkläger auftreten, forderte ebenfalls eine derart hohe Strafe. "Wir können nur im Ansatz erahnen, was der Angeklagte dieser Familie angetan hat", sagte Gabriele Reinartz. Olaf H. sei nicht wie behauptet zum Stressabbau herumgefahren, sondern wie ein Jäger auf der Pirsch gewesen. "Er hat Mirco abgegriffen, dann hat für das Kind eine ganz schreckliche Horrorfahrt begonnen." Er habe "eiskalt gehandelt und keinerlei Einsicht und Reue gezeigt".
Der psychiatrische Gutachter hatte den Angeklagten schon am vergangenen Freitag als voll schuldfähig eingestuft. Der Manager sei hochintelligent und vermutlich ein sadistisch-perverser Täter. Reinartz sagte nun dazu: "Dieser Tätertyp ist viel gefährlicher als ein Pädophiler."
Verteidiger Gerd Meister sagte, er sehe trotz allem keine Umstände für eine besondere Schwere der Schuld. "Dafür müsste es besondere Umstände geben, die etwas so Schreckliches wie einen Mord noch schrecklicher machen", sagte er. Solche Umstände lägen aber bei seinem Mandanten nicht vor.
In Gesprächen mit ihm habe der Manager Abscheu für seine Tat gezeigt, sagte der Anwalt. Olaf H. habe zwar "geleugnet, manipuliert und versucht, die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen". Dies sei aber nur geschehen, weil er sich die Tat selbst nicht habe eingestehen können. Das Urteil ist für diesen Donnerstag geplant.
Mirco war am 3. September 2010 auf dem Nachhauseweg entführt und ermordet worden. Der Familienvater aus dem unweit von Grefrath gelegenen Schwalmtal hat zwar den Mord gestanden, bislang aber keine schlüssige Erklärung für das Verbrechen gegeben. Im Zeugenstand schilderten seine drei früheren Ehefrauen den Angeklagten als liebevollen Familienvater ohne jeden Hang zu Gewalt.
In seinem Schlusswort vor Gericht begründete H. sein Schweigen zum Motiv damit, dass er sich die Tat selbst nicht erklären könne. "Ich habe noch keine Antwort gefunden, und deshalb schweige ich." In einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung gab H. zudem an, ihm sei "bewusst, was für eine schreckliche Tat ich begangen habe". "Es ist ein Alptraum, dem ich nicht entrinnen kann." Er erwarte aber "keine Vergebung".
Der "Spiegel" berichtete, Olaf H. habe in seiner Zelle ein Foto von Mirco aufgehängt. Nach Angaben der "Bild"-Zeitung bestätigte Verteidiger Gerd Meister: "Es war der Wunsch des Angeklagten, dieses Foto zu bekommen. In tiefer Trauer um den toten Jungen hat er es in der Zelle aufgehängt. So zeigt er sein Mitgefühl."
H. war im Januar festgenommen worden und hatte die Ermittler zur Leiche des Jungen auf einem Acker nördlich von Grefrath geführt. Zuvor hatte die Polizei insgesamt 145 Tage vergeblich nach Mirco gesucht. Dabei setzten die Ermittler eine der größten Suchaktionen der vergangenen Jahre in Gang. Auf die Fährte des Angeklagten kamen die Ermittler letztlich durch Spurenmaterial an seinem früheren Leasing-Wagen. Es war identisch mit Spuren auf Mircos Kleidung, die der Täter nach dem Mord weggeworfen hatte.
Quelle: dpa , dapd , AFP
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