Drucken
El-Sherbini-Mörder zu lebenslanger Haft verurteilt
11.11.2009, 18:26 Uhr
Alex W., der Mörder der Ägypterin Marwa El-Sherbini, erhält lebenslang (Foto: Reuters)Der Mörder der in einem Dresdner Gerichtssaal niedergestochenen Ägypterin Marwa el-Sherbini ist zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Dresdner Landgericht sprach den Angeklagten schuldig, die schwangere Muslimin am 1. Juli aus Fremdenhass mit einem Messer getötet und ihren Ehemann lebensgefährlich verletzt zu haben.
Das Landgericht Dresden stellte zugleich die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren praktisch ausgeschlossen. Alex W. hatte die schwangere Frau mit mehreren Stichen wie "in Killermanier" niedergemetzelt, hatte Oberstaatsanwalt Frank Heinrich in seinem Plädoyer vor dem Dresdner Landgericht zuvor erklärt.
Mörder muss für alle Schäden aufkommen
Der 28-Jährige muss auch für alle Schäden in Folge des Messerangriffs aufkommen. Richterin Birgit Wiegand sagt, Alex W. müsse den Eltern, dem Witwer, dem Bruder und dem dreijährigen Sohn der getöteten Ägypterin "alle materiellen und immateriellen Schäden ersetzen".
Verurteilter zeigt keine Regung
Alex W. nahm das Urteil mit gesenktem Kopf regungslos zur Kenntnis. Laut Gericht hat er seine Kindheit, die er in Perm und in Kasachstan verbrachte, als "alles Scheiße" angesehen. Er sei glücklich gewesen, als seine Mutter, eine Architektin, den Aussiedlungsantrag gestellt habe. Alex W. lebt seit 2003 in Deutschland.
"Utopische Vorstellung"
Nach seiner Aussiedlung habe Alex W. das Leben in Deutschland als "Multikultischeiße" empfunden, sagte Richterin Wiegand nach der Urteilsverkündung. Er sei der Meinung gewesen, dass Ausländer ihm die Arbeit wegnehmen. In erster Linie habe er Muslime verachtet. "In seinen Augen waren sie alle Islamisten", sagte Wiegand. Dass er selbst anderer Herkunft sei, habe er verdrängt. Dass er ein perfekter Deutscher sein wollte, sei eine "utopische Vorstellung" gewesen.
Mord aus Fremdenhass
Der 28-Jährige war wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, aus Fremdenhass die schwangere Marwa el-Sherbini am 1. Juli im Dresdner Landgericht erstochen und ihren Mann Elwy Ali Okaz schwer verletzt zu haben. Die Bluttat spielte sich vor den Augen des dreijährigen Sohnes der Ägypter ab. Sie hatte in der arabischen Welt Bestürzung und Proteste ausgelöst.
Anwalt plädierte auf Totschlag
Das Dresdner Landgericht folgte mit dem Urteil den Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Nebenkläger. Die Verteidigung hatte auf Totschlag und versuchten Totschlag im Affekt plädiert. Alex W. hatte in einer Erklärung seines Anwalts die Tat gestanden, das Motiv Fremdenhass aber bestritten.
Tat geschah bei Prozess um Beleidigung
Das Verbrechen an Marwa el-Sherbini geschah während eines Berufungsprozesses wegen Beleidigung. Der arbeitslose Spätaussiedler Alex W. hatte die 31-jährige Ägypterin im August 2008 wegen ihres Kopftuchs als "Islamistin" und Terroristin beschimpft.
Ägyptischer Botschafter mit Urteil zufrieden
Der ägyptische Botschafter in Deutschland, Ramzy Ezzeldin Ramzy, äußerte sich sehr zufrieden über das Urteil gegen Alex W. Man habe die Höchststrafe gefordert und die Höchststrafe bekommen, sagte er nach der Urteilsverkündung.
Quelle: dapd
, AFP
, dpa