Das Motiv für die tödliche Messerattacke im Dresdner Landgericht war nach Überzeugung der Ermittler Ausländerhass. "Das war eindeutig eine ausländerfeindliche Tat eines fanatischen Einzeltäters", sagte Oberstaatsanwalt Christian Avenarius. Gegen den 28 Jahre alten Russlanddeutschen, der bereits in Untersuchungshaft sitzt, wird wegen Mordes ermittelt. Bereits in wenigen Monaten soll Anklage erhoben werden.
Avenarius sagte, der Beschuldigte sei nach bisherigen Erkenntnissen ein Einzelgänger. Er habe offenkundig keine Kontakte zu rechtsextremistischen Gruppierungen gehabt. Derzeit würden in seiner Wohnung beschlagnahmte Unterlagen ausgewertet. Das ganze Tatgeschehen und die Vorgeschichte wiesen aber schon jetzt klar auf Ausländerhass als Motiv. Ein psychiatrisches Gutachten wurde in Auftrag gegeben.
Zustand des Ehemannes kritisch
Der Beschuldigte hat die 31-jährige, schwangere Ägypterin am Mittwoch im Dresdner Landgericht mit mindestens 18 Messerstichen niedergemetzelt. "Der Zustand des Ehemannes ist weiter kritisch", sagte Avenarius. Der 32-Jährige wollte seine im dritten Monat schwangere Frau schützen und wurde selbst schwer durch Stiche verletzt. Irrtümlich wurde er außerdem von einem zufällig anwesenden Beamten angeschossen, weil dieser ihn für den Angreifer gehalten hatte.
Angehörige aus Ägypten kümmern sich um Sohn
Der dreijährige Sohn des Paares, der den Tod der Mutter miterleben musste, wird betreut. Am Nachmittag sollten Angehörige der Familie aus Ägypten in Dresden eintreffen und sich um Vater und Sohn kümmern, sagte Ägyptens Botschafter in Deutschland, Ramsi Ess Eldin Ramsi. Auch geht es um die Freigabe der Toten. Nach islamischem Glauben sind Gestorbene innerhalb kürzester Zeit zu bestatten, möglichst binnen 24 Stunden.
Opfer schon vergangenes Jahr beleidigt
Die Frau war von dem Beschuldigten bereits Mitte 2008 auf einem Spielplatz als "Islamistin", "Terroristin" und "Schlampe" beleidigt worden, als sie ihn um einen Platz auf der Schaukel für ihr Kind bat. Die Muslimin hatte deswegen Anzeige gegen ihn erstattet und war als Zeugin geladen. Avenarius sagte, er habe sich bereits im ersten Prozess wegen dieser Beleidigungen als Ausländerhasser zu erkennen gegeben. Es habe dennoch nichts darauf hingedeutet, dass er nun in diesem Maße gewalttätig werden könnte.
Zeugen aus dem Gerichtssaal vernommen
Der bislang nicht vorbestrafte Russlanddeutsche kam 2003 aus dem russischen Perm nach Deutschland. Avenarius sagte, unklar sei auch noch, ob er durch Chauvinismus in Russland oder deutsche Rechtsextremisten geprägt wurde. Die Staatsanwaltschaft will die Ermittlungen in dem Fall in wenigen Monaten zum Abschluss bringen und dann Anklage erheben. Es seien inzwischen auch Zeugen vernommen worden, die zur Tatzeit im Gerichtssaal waren.
Familie wollte bald in die Heimat zurückkehren
Die ägyptische Familie hielt sich laut "Sächsischer Zeitung" im Rahmen eines Stipendiums ihrer Regierung seit vier Jahren in Dresden auf. Der Mann arbeitete als Pharmakologe am Max-Planck-Institut, seine schwangere Frau war in einer Apotheke beschäftigt. Die Familie wollte laut dem Bericht mit ihrem dreijährigen Sohn in einem Vierteljahr in die Heimat zurückkehren.