Mordfall Kardelen: der angeklagte Ali K. kurz nach seiner Verhaftung in der Türkei (Foto: AP)Elf Monate nach dem Mord an der achtjährigen Kardelen aus Paderborn muss sich der mutmaßliche Täter Ali K. vor einem Schwurgericht in der türkischen Stadt Söke bei Izmir verantworten. Nach Informationen der amtlichen türkischen Nachrichtenagentur Anatolia beginnt der Prozess am Freitag. Der 29-jährige Nachbar der Familie soll das Mädchen Mitte Januar sexuell missbraucht und erstickt haben.
Der Mann war nach seiner Flucht aus Deutschland Anfang Februar in der Stadt Didim im Haus eines Verwandten festgenommen worden. Türkischen Medienberichten zufolge bestreitet K. die Tat. Der Prozess findet in der Türkei statt, da die Türkei ihre Staatsbürger grundsätzlich nicht an andere Länder ausliefert.
Familie tritt als Nebenkläger auf
Die Familie des Opfers wird Nebenkläger in dem Prozess von dem deutschen Anwalt Achim Niggemeyer vertreten. Er erklärte, die Eltern hätten vollstes Vertrauen, dass der Täter die Strafe erhalte, die ihm nach dem türkischen Strafrecht gebühre, nämlich lebenslanges Gefängnis. Kardelen war am 12. Januar verschwunden, als sie in einem Nachbarhaus eine Freundin besuchen wollte.
Mutmaßlicher Mörder lebte zwei Stockwerke über dem Opfer
Der mutmaßliche Mörder lebte mit seiner Frau nur zwei Stockwerke über dem Mädchen. Am 14. Januar wurde 60 Kilometer von Kardelens Wohnort entfernt in der Nähe des Möhnesees die Kleidung des Mädchens entdeckt, einen Tag später fanden Polizisten in einer Tannenschonung die nackte Leiche des Kindes.
DNA-Spur brachte den Durchbruch
Nach dem Ergebnis der Obduktion war Kardelen sexuell misshandelt und erstickt worden. Eine DNA-Spur und eine Visitenkarte am Fundort Kardelens brachten die Polizei auf die Fährte Kurs. Der 29-Jährige hatte sich zum Zeitpunkt des Leichenfundes jedoch bereits mit seiner Frau in die Türkei abgesetzt.
Beigesetzt im Heimatort der Familie
Aufgespürt wurde der mit internationalem Haftbefehl gesuchte Verdächtige durch seinen Schwiegervater. Er hatte sich in der Türkei tagelang auf die Suche nach ihm gemacht und mit ihm schließlich ein Treffen in Didim vereinbart. Die Ermordung der kleinen Kardelen hatte in Paderborn tiefe Bestürzung ausgelöst. Rund 8.000 Menschen kamen zu einem Trauermarsch durch die Innenstadt zusammen, viele Trauernde zündeten Kerzen an und trugen sich in ein Kondolenzbuch ein. Am 18. Januar wurde das Mädchen im Heimatdorf ihrer Familie in Dogulu an der türkischen Schwarzmeerküste beigesetzt.