Der mutmaßliche Mörder von Kardelen, Ali K. (links) und sein Schwiegervater Kadir Ayaz (Foto: AP)
Auch am Tag nach der Verhaftung des mutmaßlichen Mörders der kleinen Kardelen aus Paderborn ist die Ehefrau des Verdächtigen weiter verschwunden. Er habe lediglich gehört, dass es seiner Tochter Zehra gut gehe, sagte Kadir Ayaz, der Schwiegervater des Tatverdächtigen Ali K., der Nachrichtenagentur AFP.
K. war am Mittwoch in Untersuchungshaft genommen worden, hatte nach seinem Termin beim Haftrichter jedoch bestritten, die achtjährige Kardelen getötet zu haben. Möglicherweise wolle K. seine Tochter Zehra in die Sache hineinziehen, vermutete Ayaz.
Ali K. soll nach dem Mord an Kardelen zusammen mit seiner Frau in die Türkei geflohen sein. Kadir Ayaz machte den Gesuchten nach eigenen Angaben im südwesttürkischen Didim ausfindig, wo er am Dienstagabend festgenommen wurde. Zehra blieb aber verschwunden.
Frau gilt lediglich als Zeugin
Laut der Zeitung "Hürriyet" bestreitet K. die Tat. "So etwas gab es nicht", rief K. demnach nach seinem Hafttermin wartenden Journalisten zu. Die Wahrheit werde ans Licht kommen. Ayaz betonte, seine Tochter werde nicht polizeilich gesucht. Zum Zeitpunkt des Mordes an Kardelen sei sie auf ihrer Arbeitsstelle gewesen, sagte er der Zeitung "Milliyet". Ein Sprecher der Paderborner Polizei bestätigte gegenüber t-online.de, Zehra K. gelte in dem Mordfall lediglich als Zeugin.
Strafvereitelung durch Ehegatten nicht strafbar
Gegen die Ehefrau des mutmaßlichen Täters liege derzeit strafrechtlich nichts vor. Sollte sie an der Beseitigung der Leiche von Kardelen beteiligt gewesen sein, wäre dies nach Meinung der Paderborner Staatsanwaltschaft Strafvereitelung, die nach deutschem Recht bei Begehung durch den Ehegatten nicht strafbar ist. Gleichwohl wollen die Ermittler die genauen Umstände klären, unter denen die Leiche beseitigt wurde.
Prozess wohl in der Türkei
Der Prozess gegen Ali K. wird voraussichtlich in der Türkei stattfinden, da das Land seine Staatsbürger grundsätzlich nicht an andere Staaten ausliefert. Eine endgültige Entscheidung über den Ort des Prozesses sei aber noch nicht gefallen, teilte die Justiz in Didim mit. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Paderborn wird derzeit die Übersendung von Ermittlungsunterlagen an die türkischen Behörden vorbereitet.
Fandung nach Transportmittel läuft auf Hochtouren
Die Ermittlungen der inzwischen auf 23 Mitarbeiter geschrumpften Mordkommission in Paderborn gehen aber weiter. Die Beamten fahnden vor allem nach dem Transportmittel, mit dem die Leiche des Mädchens zum 60 Kilometer entfernten Möhnesee geschafft wurde. Denn der Tatverdächtige hat keinen Führerschein. Sämtliche Kontaktpersonen des Tatverdächtigen aus der Vergangenheit würden überprüft. Auch mehrere Fahrzeuge seien bereits kriminaltechnisch untersucht worden, bislang aber ohne Ergebnis, hieß es in Paderborn.
Die Eltern von Kardelen, Yasin und Döndü Kirac, sagten der Deutschlandausgabe von "Hürriyet" zufolge, nur Gott und sie selbst wüssten, welchen Schmerz sie durchlebten. Er überlasse alles der Justiz, fordere aber die Todesstrafe für den Mörder seiner Tochter, sagte Yasin Kirac. Die deutschen Behörden sollten besser für den Schutz von Kindern sorgen. "Wir haben noch einen fünfjährigen Sohn." Auch glaube er nicht, dass der Mord an Kardelen die Tat eines Einzelnen gewesen sei. Die Mittäter müssten ebenfalls ermittelt werden.