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Fall Aschtiani: Iranerin will deutsche Journalisten verklagen

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Fall Aschtiani: Iranerin will deutsche Journalisten verklagen

02.01.2011, 17:36 Uhr

Die Iranerin Sakine Mohammadi Aschtiani wurde wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt (Foto: Reuters)

Die Iranerin Sakine Mohammadi Aschtiani wurde wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt (Foto: Reuters)

Die wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilte Iranerin Sakine Mohammadi Aschtiani will zwei im Iran inhaftierte deutsche Reporter der "Bild am Sonntag" verklagen. Sie wolle "diejenigen verklagen, die Schande über mich und das Land gebracht haben", sagte Aschtiani. Hundert Prominente forderten derweil die Freilassung der Deutschen.

Verklagen wolle sie "die beiden Deutschen", ihren ehemaligen Anwalt Mohammed Mostafaie, den Mörder ihres Ehemannes, Issa Taheri, sowie die in Deutschland lebende Sprecherin des Komitees gegen die Steinigung, Mina Ahadi, sagte Aschtiani. "Ich trete aus eigenem Willen vor die Kameras, um zu der Welt zu sprechen", sagte die 43-Jährige, die seit 2006 in Haft sitzt.

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Verhalten "befremdlich"

Ihre kurze Pressekonferenz war von Justizvertretern im Gästehaus einer staatlichen Wohlfahrtsorganisation angesetzt worden. Sie wolle reden, weil viele Menschen ihren Fall "ausgebeutet" und behauptet hätten, sie sei gefoltert worden, "was eine Lüge ist", sagte Aschtiani.

Nachrichten
Prominente fordern Freilassung der Reporter

Noch immer werden die beiden Journalisten im Iran festgehalten. zum Video

Michael Backhaus, stellvertretender Chefredakteur der "Bild am Sonntag", sagte: "Wir finden es befremdlich, dass eine Frau, die im Iran zum Tode verurteilt worden ist, für einige Stunden das Gefängnis verlassen darf, um vor westlichen Medien anzukündigen, dass sie Journalisten, die über ihren Fall berichten wollten, anzeigen will."

Die Sprecherin des Komitees gegen Steinigung, Ahadi, sagte, Aschtiani stehe "unter enormem Druck". "Und sie sagt sowas unter Druck", fügte die in Deutschland lebende Frau hinzu. Eine Klage sei für sie überhaupt kein Problem. Teheran "versucht jetzt lächerliche Sachen. Es zeigt, unsere Arbeit hat Wirkung", sagte Ahadi.

Sohn hält Mutter für schuldig

Der Sohn Aschtianis bat erneut um Gnade für seine Mutter. Zugleich äußerte er bei einem von den örtlichen Justizbehörden organisierten Treffen mit der Presse die Überzeugung, dass seine Mutter und deren Freund Issa Taheri seinen Vater ermordet hätten: "Ich halte meine Mutter und Issa Taheri für die Mörder meines Vaters, die beiden sind schuldig."

Den "BamS"-Reportern, Mostafaie und dem zweiten, ebenfalls inhaftierten Anwalt, Dschawid Hutan Kian, warf Ghadersadeh vor, die Lage "verschlimmert" zu haben.

Deutsche Spitzenvertreter fordern Freilassung von Journalisten

In einem Appell forderten 100 deutsche Spitzenvertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport vom Iran die Freilassung der Journalisten. An der Solidaritätsaktion in der "Bild am Sonntag" beteiligten sich mehrere Minister, darunter Außenminister Guido Westerwelle (FDP), Vertreter aller Bundestagsparteien, der Deutsche Gewerkschaftsbund, Wirtschaftsführer sowie Nobel- und Oscarpreisträger. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) warnte den Iran vor Konsequenzen.

Aschtiani war 2006 von der iranischen Justiz wegen Ehebruchs und Mordes an ihrem Mann zum Tod durch Steinigung verurteilt worden. Die drohende Vollstreckung des Urteils hatte international Proteste ausgelöst. Ihr Sohn Ghadersadeh war am 10. Oktober zusammen mit seinem Anwalt und zwei deutschen Reportern der "Bild am Sonntag" in Tabris festgenommen worden, als diese ihn zu dem Fall befragen wollten. Er befindet sich nach eigenen Angaben seit dem 12. Dezember gegen Kaution auf freiem Fuß. Die iranische Justiz überprüft derzeit das Urteil gegen Aschtiani. Den beiden "BamS"-Reportern wirft sie vor, ohne Journalisten-Visum im Iran gearbeitet zu haben.


Quelle: AFP

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Kommentare (27)

zum Forum

Thema: "Fall Aschtiani: Iranerin will deutsche Journalisten verklagen"

Pazifist schrieb: am 2. Januar 2011 um 13:54:29
(0) (0) Guttenberg
Da kann einem Angst und Bange werden - nicht vor dem Iran, nein, vor dem deutschen Verteidigungsminster, der in dieser seiner
Ministereigenschaft den Iran vor Konsequenzen gewarnt hat. Kann mich nicht erinnern, dass es einen solchen ungeheuerlichen Vorgang, dass ein Bundesverteidigungsminister einen souveränen Staat vor Konsequenzen warnt, sollte sich dessen Justiz nicht so verhalten wie erwartet, jemals in der Geschichte der BRD gegeben hat !
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Cindy schrieb: am 2. Januar 2011 um 13:53:40
(0) (0) Steinigung
Vielen Dank für Deinen Kommentar, Justice! Wie kann man ein Land wie den Iran nur immer mit den USA vergleichen?? Auch ich bin
nicht für die Todesstrafe, sehe aber zwischen Steinigung und Giftspritze Welten!!! Und die Arbeit von Journalisten, die gegen die "Gesetze" des Iran verstoßen Berufsrisiko zu nennen, ist unglaublich. Wie kaltherzig und ignorant kann man sein!
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Georgiboy schrieb: am 2. Januar 2011 um 13:44:02
(0) (0) Aschtiani
Harry, du hast den Nagel auf den Kopüf getroffen, mehr gibt es tatsächlich nicht zu dem Fall zu sagen.

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