
24.01.2011, 08:54 Uhr
In Deutschland sorgt das Dschungelcamp für Stimmung, Amerika braucht so was nicht. Nach dem Besuch des chinesischen Präsidenten Hu Jintao brach in den US-Medien fast umgehend eine hitzige Debatte los: Färbt Barack Obama etwa seine Haare? Frank Patalong nahm die Frage unter die Lupe.
Wie einst Gerhard Schröder, der so etwas nie, absolut nie getan hat, sieht sich US-Präsident Barack Obama derzeit mit einem drängenden Verdacht konfrontiert: In den letzten drei Tagen erschienen in US-Medien rund 14.000 Artikel (!), die die Frage thematisierten oder zumindest aufnahmen, ob der Präsident seine Haare färbe.
Als Indiz dafür gibt es Fotos, die Obama am Morgen des 19. Januar 2011 mit dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao zeigen, der aus irgendwelchen Gründen, die von Medien, die über Haarfärbereien berichten, nur in Ausnahmefällen erwähnt werden, gerade zu Besuch war. Abends dann ließ sich Obama beim Weinglas-Schwenken ablichten und - oh Skandal! - sein stets kurz geschorener Haarschopf erschien dicht und tiefschwarz.
Vorher, nachher: Was kann es für eine bessere Beweisführung geben? Gossip-Blogs, Boulevardmedien und - mit Verzögerung - auch ernster verortete Medien stürzten sich auf das Thema. Färbt er oder nicht?
Wir haben auch hierzulande erlebt, wie wichtig solche Fragen werden können. Gegen Grau ist bei einem Staatenlenker nichts zu sagen, das signalisiert auch Reife. Haare zu färben hingegen wird als Zeichen der Eitelkeit gedeutet, es abzustreiten, noch mehr: "Präsident Obama färbt seine Haare und sieht 10 Jahre jünger aus?" fragt da grammatisch etwas eigentümlich der "Examiner" aus Hartford. "Obamas Haare", antwortet auf solche Gerüchtelei bierernst bis grimmig John G. Winder in der "Cypress Times", einem stramm christlichen News-Outlet fundamentalistischer Prägung: "Das ist der Grund, warum wir eine zum Untergang verurteilte Nation sind."
Und zwar nicht, weil Obama graue Haare hätte oder die etwa färbe, sondern weil überhaupt so ein Bohei um eine dermaßen triviale Frage gemacht werde. Selten, wenn nicht nie zuvor hat man die "Cypress Times" so trefflich als Stimme der Vernunft und Mäßigung zitieren können. Denn dass hier über einen "Photo Shocker" (Gather.com) skandalisiert wird, dass Skandalblogger Perez Hilton die Präsidenten-Färbung einfach als Tatsache berichtet, ist schon befremdlich: Tatsächlich interessierten die meisten US-Medien am Staatsbesuch USA-China vornehmlich Michelle Obamas Abendkleid und Barack Obamas Haare. Man hätte alternativ durchaus darüber nachdenken können, auch Wirtschafts- oder Menschenrechtsfragen aufzuwerfen.
Wäre Pomade eine Erklärung? Und wäre das relevant?
Ein verzweifelter Blogger richtete da schon einen Aufruf an Obama, doch gefälligst seine Haare wieder Grau zu färben, falls er sie Schwarz gefärbt haben sollte, damit endlich Ruhe sei. Gar nicht nötig, argumentiert dagegen "Kristin" (einen Nachnamen hat sie nicht) vom Hollywood-Life-Blog und läuft zu einer Sternstunde des investigativen Journalismus auf: Die zwei in allen Medien als Beweis gezeigten Fotos, behauptet sie, seien zeitlich genau falsch herum zugeordnet. Also habe Obama anscheinend am Abend grauere Haare gehabt als am Morgen. Kristin kommentiert messerscharf: "Warum sollte man seine Haare eingräuen?"
Vielleicht waren es ja besonders harte Verhandlungen mit Hu Jintao? Alles Unsinn, sagt Kristin, wie viele Afro-Amerikaner könnte der Präsident vielleicht Pomade benutzt haben, um seine Frisur (oder Rasur?) in Form zu bringen. Es sei also Zeit, endlich wieder über relevante Dinge zu reden: Gerade wenn es um Haare gehe, gebe es ganz andere Persönlichkeiten, die eine Diskussion lohnten. Michelle Obama zum Beispiel.
Schade, Chance verpasst, so wird das nichts mit dem Pulitzerpreis, Kristin. Zeit, die Sache einmal wirklich investigativ unter die Lupe zu nehmen. "Spiegel Online" gelingt dabei endlich der Beweis, dass nicht nur die Debatte darüber, sondern womöglich auch das Beweisfoto leicht unterbelichtet war.
Unser Fazit: Wenn der Mann gefärbt ist, dann jedenfalls nicht Schwarz.
Peter schrieb:
am 23. Januar 2011 um 19:40:04
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Endlich mal was zu schmunzeln am Sonntagabend
Die Sache ist doch, ebenso wie bei Gerhard Schroeder, wohl vom SPIEGEL
dargelegt, ganz
einfach:
Sind zwischen den Haaren einzelne graue Haare/Haerchen ist die Farbe komplett natuerlich.
Ist der Farbton einheitlich wurde, vielleicht auch fuer das perfekte Ansehen der USA, auch in China achtet man aufs Aeussere, optimiert.
Dass bei einem Staatsbesuch die USA sich so perfekt wie moeglich praesentieren ist doch hervorragend.
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susanne schrieb:
am 23. Januar 2011 um 18:40:29
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obama
oh mein Gott
schande, schock, Drama
das ist soo schrecklich ;-))
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Heinzi schrieb:
am 23. Januar 2011 um 18:39:51
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Farbe ?
Ist man in den USA so bescheuert, daß man unbedingt wissen muß, unser Präsident färbt sich die Haare ? ja oder nein ????!
Gruß Heinzi
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