Das Cottbuser Gefängnis in den 90er Jahren (Foto: dpa)
Von den Wänden blättert Farbe, Gitter hängen vor den schmalen Fenstern; im Keller steht noch ein "Tigerkäfig" - hier wurden politische Gefangene der DDR in Einzelhaft in einer kleinen Gitterzelle isoliert. In dem heute leerstehenden Gefängniskomplex in der Cottbuser Innenstadt wurden über Jahrzehnte Häftlinge unterdrückt und misshandelt. Nun soll aus der früheren Haftanstalt ein Menschenrechtszentrum werden.
Seit den 70er Jahren entwickelte sich die Anstalt in Cottbus nach dem sächsischen Bautzen zum zweitgrößten Gefängnis für politische Häftlinge. Wie ein Gutachten der Freien Universität Berlin belegt, waren kurz vor dem Mauerfall 1989 mehr als 80 Prozent der 1200 Cottbuser Gefangenen aus politischen Gründen eingesperrt - vor allem Akademiker, Ärzte und Handwerker. Insgesamt saßen zu DDR-Zeiten mehr als 10.000 Menschen wegen politischer Verfehlungen in dem Gefängnis.
Der Verein "Menschenrechtszentrum Cottbus" richtete in der Haftanstalt in Cottbus bereits eine Ausstellung über die Geschichte der Haftanstalt ein, nachdem er einen Teil des Geländes vom Land gekauft hatte. "Wir schaffen hier eine Gedenk-, Bildungs- und Begegnungsstätte, um an das tausendfache Unrecht zu erinnern, das politische Häftlinge in den Diktaturen der SED- und der NS-Zeit erdulden mussten", sagt der Vereinsvorsitzende Dieter Dombrowski. Er selbst war Mitte der 70er in Cottbus wegen versuchter Republikflucht und sogenannter staatsfeindlicher Verbindungsaufnahme eingesperrt. Von den vier Jahren Haft saß er 20 Monate ab, dann kaufte ihn die Bundesrepublik wie zehntausende Leidensgenossen frei.
Dokumentation der Leiden
Auch der Schriftsteller Siegmar Faust, Geschäftsführer des Vereins, wurde freigekauft. "Wir wollen durch Gespräche mit Zeitzeugen ihren Leidensweg in der Haftanstalt dokumentieren und für die junge Generation aufbewahren", nennt der 64-Jährige ein Vereinsziel. Deshalb führt er Schülergruppen durch das marode Gebäude und diskutiert mit ihnen über die Gefahren, die von Diktaturen ausgehen.
400 Tage in Arrest wegen einer Zeitschrift
Faust berichtet dann auch von seinen eigenen Erlebnissen, so von einer Zelle für 28 Gefangene in vierstöckigen Betten und den ständigen Schikanen des Wachpersonals. Er musste rund 400 Tage in Einzelhaft und Arrest verbringen, weil er 13 Ausgaben einer handgeschriebenen Häftlingszeitung mit dem Titel "Armes Deutschland" unter den Insassen verbreitet hatte. Die Besucher können eines der Exemplare - das ähnlich wie das damalige SED-Massenblatt "Neues Deutschland" gestaltet ist - in der Ausstellung neben Gummiknüppeln der Wärter und Totschlägern der Offiziere sehen.
Gefängniswärter wurden verurteilt
Auch über ehemalige Gefängniswärter wird berichtet, die Spitznamen wie "Roter Terror", "Arafat" oder "Texaner" trugen. Das Landgericht Cottbus verurteilte die wegen ihrer Brutalität berüchtigten Aufseher seit Ende der 90er Jahre zu Haft- oder Bewährungsstrafen - eine späte Genugtuung für die Opfer.
Anlaufstelle auch für die Ex-Häftlinge
Da der Verein sich bisher nur aus den Beiträgen der 80 Mitglieder und Spenden finanziert, kommt das Projekt nur langsam voran. "Geplant ist, auch die wirtschaftliche Ausbeutung der Gefangenen durch ihre Arbeit für volkseigene Betriebe darzustellen", erzählt Günter Fiebig. Er hilft früheren politischen Häftlingen beim Ausfüllen von Anträgen zur Rehabilitierung oder zur Rente und kümmert sich um regelmäßige Treffen.