
30.11.2007, 08:34 Uhr
Das europäische Satellitensystem Galileo soll 2013 den Dienst aufnehmen (Foto: dpa)Die Europäische Union gibt ihrem Satellitensystem Galileo den entscheidenden Schub. Die Verkehrsminister der 27 EU-Staaten einigten sich am Donnerstag in Brüssel nach Angaben von Diplomaten auf gemeinsame Regeln zur Vergabe der milliardenschweren Aufträge. Sie beendeten damit ein monatelanges Tauziehen zwischen den wichtigsten Ländern mit starker Raumfahrtindustrie.
VideoProjekt Galileo kann starten
Spanien stimmt nicht zu
Ihr Beschluss soll sicherstellen, dass einerseits alle Anbieter eine Chance bekommen und andererseits ein funktionierender Wettbewerb die Kosten unter Kontrolle hält. Spanien, das in stundenlangen Verhandlungen von den Partnern vergeblich den verbindlichen Zuschlag für ein drittes vollwertiges Bodenkontrollzentrum gefordert hatte, stimmte dem Regelwerk nicht zu, weil keines der beiden geplanten Kontrollzentren auf spanischem Boden stehen soll. Die Kontrollzentren werden in Oberpfaffenhofen bei München und im italienischen Fucino entstehen.
Europa im All
Konkurrenz zu GPS
Die EU hat für Galileo 3,4 Milliarden Euro eingeplant. Ursprünglich hatte die EU davon nur eine Milliarde selbst aufbringen wollen. Den Rest, hatte man sich erhofft, würde die Industrie mit Investitionen beisteuern. Doch die Unternehmen scheuten das Risiko. Jahrelang stand die Finanzierung der europäischen Konkurrenz zum amerikanischen GPS-System in Frage.
EU bezahlt nun doch alles
Frühere Ultimaten des Ministerrats, das Vorhaben voranzutreiben, hatten die beteiligten Unternehmen verstreichen lassen. Bereits im Sommer lag der Aufbau von Galileo deshalb nach Kommissionsangaben bereits fünf Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück. Vergangene Woche beschlossen die EU-Finanzminister dann gegen den Widerstand Deutschlands, das Projekt komplett aus der EU-Kasse zu bezahlen. Der Start des Satellitensystems ist nun für das Jahr 2013 geplant. Ursprünglich hätte es schon 2008 starten sollen.
Aufträge vor allem an kleine Unternehmen
Um die Aufträge auf die Unternehmen der europäischen Raumfahrtbranche breit zu verteilen, sollen nach den beschlossenen Eckpunkten zwar grundsätzlich nur die besten Angebote zum Zuge kommen. Keine Unternehmensgruppe soll aber den Zuschlag für mehr als zwei der sechs Pakete bekommen. Zudem sollen mindestens 40 Prozent der Galileo-Aufträge weiter an Subunternehmer gegeben werden.
Tiefensee: Gute Chancen für Deutschland
Davon sollen kleinere und mittlere Firmen profitieren, die bei der Vergabe der großen Pakete kaum zum Zuge kommen können. Mehrere Anbieter sollen zudem für mehr Wettbewerb sorgen und so verhindern, dass die EU bei Galileo von einzelnen Unternehmen abhängig wird. Der Beschluss stelle sicher, "dass ein sehr großer Anteil dieser 3,4 Milliarden Euro direkt und indirekt nach Deutschland zurückfließt", sagte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee. Der Minister rechnet damit, dass das deutsche Unternehmen EADS Astrion gute Chancen auf den Zuschlag hat.
Präziser als GPS
"Jetzt ist die Wirtschaft am Zuge, wettbewerbsfähige Produkte zu entwickeln", sagte Tiefensee. Galileo soll mit der Hilfe von 30 Satelliten eine präzisere Ortsbestimmung ermöglichen als GPS. Die auf den Meter genauen Positionsmeldungen von Galileo sollen im Seeverkehr, auf der Straße und der Schiene, aber auch beispielsweise für Rettungsdienste, die Fischerei und die Landwirtschaft ganz neue Anwendungen ermöglichen.
Quelle: AFP , dpa
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