
29.10.2010, 13:18 Uhr
Galileo soll dem amerikanischen GPS-System Konkurrenz machen (Foto: dpa) (Quelle: dpa)
Nach jahrelanger Verzögerung macht die Europäische Union beim milliardenschweren Prestigeprojekt "Galileo" Tempo. Die ersten beiden Satelliten für das Navigationssystem werden im Sommer 2011 in den Weltraum geschickt, kündigte EU-Industriekommissar Antonia Tajani an.
2014 würden die ersten "Galileo"-Dienste zur Verfügung stehen, darunter ein Navigationssystem für Autofahrer und eines für Rettungskräfte. "Europa braucht "Galileo". Ich will die Umsetzung beschleunigen", sagte der EU-Kommissar.
Mit "Galileo" wollen die EU und die Europäische Weltraumorganisation ESA die Vormachtstellung des US-Dienstes GPS (Global Positioning System) brechen. "Galileo" soll präziser als das amerikanische System arbeiten, weltweit die metergenaue Positionsbestimmung möglich machen und auch die Unabhängigkeit Europas in der Satellitennavigation sichern.
Es ist allerdings ein Lauf gegen die Zeit, denn "Galileo" hinkt durch technische Schwierigkeiten und politischen Streit im Zeitplan um mehr als sechs Jahre hinterher. Der technologische Vorsprung gegenüber den Wettbewerbern ist bereits verspielt. Längst ist die Konkurrenz in China ("Compass") und Russland ("Glonass") am Start, und auch die Amerikaner planen für GPS eine verbesserte Version. In Europa gibt es dagegen bislang nur einen Testbetrieb.
China hat für sein eigenes globales Navigationssystem dieselbe Radiofrequenz reserviert wie die Europäer. Wer sie zuerst nutzt, gelangt in ihren Besitz. Um die wichtige Frequenz zu halten, wollte die EU eigentlich noch in diesem Jahr erste Satelliten starten. Nun sollen bis Ende 2011 vier Satelliten im All sein.
"Wir arbeiten ganz entschieden darauf hin, dass dieses Programm realisiert wird", sagte Tajani. Die EU-Kommission erhofft sich von "Galileo" zusätzliche Einnahmen der Industrie und der öffentlichen Haushalte und beziffert das Plus auf 90 Milliarden Euro in zwölf Jahren.
Berichte über eine Explosion der Kosten wies Tajani zurück. "Derzeit haben wir 3,4 Milliarden Euro vorgesehen", sagte der EU-Kommissar, fügte aber hinzu: "Natürlich kann es zu einer Aufstockung des Finanzbedarfs kommen." Der Europäische Rechnungshof hat die Kosten auf mehr als fünf Milliarden Euro geschätzt.
Am 25. Oktober vergab die EU den Auftrag für die Steuerung der Satelliten an Spaceopal, ein Gemeinschaftsunternehmen vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der italienischen Firma Telespazio. Das Volumen beläuft sich auf 194 Millionen Euro. Zum Team gehört auch die Telekom mit ihrer Geschäftskundensparte T-Systems. Gebaut werden die Satelliten vom Bremer Technologiekonzern OHB. Die letzten beiden Aufträge für die Infrastruktur und das Kontrollsystem am Boden vergibt die EU über die Weltraumbehörde ESA Anfang 2011.
Quelle: dpa
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