13.12.2007, 21:09 Uhr
Magermodels auf dem LaufstegDie Bundesregierung will gemeinsam mit prominenten Unterstützern die weit verbreiteten Essstörungen bei Mädchen und jungen Frauen eindämmen. Extrem dürre Models sollen aus Werbung und Modeschauen verbannt werden. Aufklärung und die Erforschung von Magersucht und Bulimie würden gestärkt, sagten Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, Familienministerin Ursula von der Leyen und Forschungsministerin Annette Schavan zum Auftakt der Initiative "Leben hat Gewicht - gemeinsam gegen den Schlankheitswahn" am Donnerstag.
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"Wir wollen andere Vorbilder"
"Magermodels gehören weder auf den Laufsteg noch in die Werbung", sagte Schmidt. Das erste Ziel der Initiative sei eine entsprechende Selbstverpflichtung der Mode- und Werbebranche. "Wir wollen andere Vorbilder", so die Ministerin. "Dürrsein darf nicht länger als chic gelten, sondern muss ein Schock sein", verlangte "Emma"-Herausgeberin Alice Schwarzer, die die Initiative angestoßen hatte. Designerin Jette Joop nannte eine Selbstverpflichtung ihrer Branche "eine gute Idee". Auch Gesundheitsatteste für Models könnten ein Schritt sein.
"Erschreckende Zahlen"
Schmidt verwies auf die "erschreckenden Zahlen" der ersten umfassenden deutschen Studie zu Essstörungen mit 17.600 Jugendlichen. Rund 22 Prozent der 11- bis 17-Jährigen zeigen nach der vom Robert Koch-Institut durchgeführten Untersuchung Symptome einer Essstörung. Bei Mädchen mit 17 Jahren steigt der Anteil auf 30 Prozent an. Das Problem habe in den vergangenen Jahre zugenommen, sagte Schmidt.
"Neun von zehn Betroffenen weiblich"
"Magersucht ist überwiegend weiblich, und sie ist sehr jung", sagte von der Leyen. Neun von zehn Betroffenen seien weiblich, jede zehnte Kranke sterbe daran. Bereits Familie und Kindertagesstätte müssten auf natürliche Ernährung abzielen. "Essen ist nicht Belohnung, ist nicht Bestrafung", mahnte die Ministerin. Internetforen, in denen falsche Schlankheitsideale gefeiert würden, müssten vom Betreiber freiwillig geschlossen werden. Verbote müssten durchgesetzt werden, wenn Nutzer gefährdet seien.
"Populistische Verlogenheit"
Der Sprecher des Zentralverbandes der Deutschen Werbewirtschaft und des Deutschen Werberates, Volker Nickel, warf der Bundesregierung im Saarländischen Rundfunk "populistische Verlogenheit" vor: "Der Werbung wird mal wieder alles in die Schuhe geschoben."
Quelle: dpa
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