09.12.2010, 13:38 Uhr | Von Cyril Julien und Jutta Hartlieb, AFP
Ein deutscher (links) und ein französischer Soldat der gemeinsamen Brigade bei einer Übung (Foto: dpa)
Mit einem historischen Schritt wollen Deutschland und Frankreich ihre militärische Zusammenarbeit verstärken. Mehr als 65 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wird erstmals ein deutscher Kampfverband in Frankreich stationiert.
In Anwesenheit der Verteidigungsminister beider Länder, Alain Juppé und Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), wird am Freitag das Jägerbataillon 291 der Bundeswehr feierlich in Straßburg in Dienst gestellt. Bei der Zeremonie im Stadtpark Orangerie will der Inspektor des Deutschen Heeres, Generalleutnant Werner Freers, dem Bataillon die Truppenfahne überreichen.
Sein Quartier wird der Verband mit gut 600 Soldaten im Straßburger Vorort Illkirch-Graffenstaden beziehen, wo sich die Deutschen eine Kaserne mit der 2. französischen Panzerbrigade teilen sollen. Eine symbolträchtige Entscheidung - die Einheit gilt nämlich als Nachfolgerin der legendären 2. Panzerdivision, die Straßburg am 23. November 1944 unter dem Kommando von Marschall Leclerc vom Nazi-Joch befreit hat.
Das Jägerbataillon ist Teil der deutsch-französischen Brigade, der weltweit einzigen Militäreinheit mit Soldaten aus zwei Nationen. Sie wurde 1987 vom damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und dem früheren französischen Staatschef François Mitterrand ins Leben gerufen und zwei Jahre später offiziell gegründet. Bisher ist die Brigade mit ihren 2800 deutschen und 2300 französischen Soldaten in den baden-württembergischen Standorten Müllheim, Immendingen und Donaueschingen stationiert.
In dem Städtchen Illkirch-Graffenstaden im Süden der Elsass-Metropole wird der Einzug der deutschen Soldaten überwiegend positiv gesehen. "Früher hätte ich das für unmöglich gehalten", gesteht Marie-Thérèse Manto-Bigay, die einer Vereinigung von Söhnen und Töchtern gefallener französischer Soldaten angehört. Schließlich hätten viele Franzosen unter der deutschen Armee Schreckliches erlitten. Doch heute sei dieser Schritt normal. Ähnlich sieht dies auch Henri Meichel, Mitglied eines örtlichen Veteranenverbandes. "Wir haben damals schließlich gegen das Nazi-Regime gekämpft, nicht gegen Deutschland", betont der pensionierte Berufssoldat.
Der Kommandeur des deutschen Bataillons, Frank Lindstedt, lobt die Bemühungen der Stadtverwaltung, die Neuankömmlinge ins öffentliche Leben zu integrieren. Es gebe Französisch-Kurse für die deutschen Soldaten, und ihre Kinder würden von französischen Schulen mit zweisprachigen Klassen aufgenommen.
Die rund 25.000 Einwohner von Illkirch-Graffenstaden reagieren umso gelassener, als der Anblick deutscher Uniformen für sie nichts Neues ist. Die Gemeinde beherbergt schließlich bereits das Hauptquartier des Eurokorps, dem auch rund 300 deutsche Soldaten angehören. Bundeswehrfahrzeuge, leicht erkennbar an der Aufschrift "www.bwfuhrpark.de" gehören zum Straßenbild. Genau wie die Minibusse der Bundeswehr, die Kinder der deutschen Eurokorps-Familien jeden Morgen über den Rhein zu Schulen in der benachbarten badischen Stadt Kehl fahren.
Der Beschluss, das deutsche Bataillon bei Straßburg zu stationieren, war im Februar 2009 bei der Münchner Sicherheitskonferenz offiziell verkündet worden. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy wertete dies damals als Beleg dafür, dass es zwischen beiden Ländern kein Tabu mehr gebe. Altpräsident Valéry Giscard d'Estaing sprach von einer "historischen Entscheidung", die Deutschland und Frankreich einander noch näher bringen werde.
Von Cyril Julien und Jutta Hartlieb, AFP
Wilhelm III schrieb:
am 9. Dezember 2010 um 19:20:08
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endlich Europa
Deutsch-Französische Einheiten gab es zuletzt 1945 im "Endkampf"um Berlin. Jeder sollte sich freuen, wenn Euro-Land endlich
Europa wird. Ich mag Frankreich und die Leute, die dort wohnen. Recht hat, wer meint, dass wir ähnliches endlich im Osten tun sollten! Auch da wohnen Europäer, Leute die ihre Freunde lieben und ihre Feinde hassen... Ein wichtiger Meilenstein in unserer Historie, wichtiger jedenfalls als die sinnlose Diskussion um 10 Jahre "Laufzeit" mehr oder weniger.
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Niersotter schrieb:
am 9. Dezember 2010 um 18:46:40
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Deutsche Soldaten in Frankreich
Mein Vater hat 1917 in Flandern gegen Frankreich für "Kaiser und Vaterland" gekämpft und wurde schwer
verwundet.
Die beiden Völker sind durch skrupellose Potentaten auf beiden Seiten in der Geschichte immer wieder aufeinander gehetzt worden. Frankreich ist ein wunderschönes Land mit liebenswerten Menschen und Hochkultur. Deutschland hat davon in Architektur, Rechtsprechnung (Code Nepoleon) und auf vielen anderen Gebieten profitiert.
Polit.-u. wirtschaftl. Erbsenzähler, haltet einmal eueren Mund
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André schrieb:
am 9. Dezember 2010 um 18:34:03
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@ Rudi
Vergessen wir bitte nicht "Verdun" im ersten Weltkrieg - bald jährt sich das zum 100. ten Mal. Man muß vor Ort gewesen sein, um zu
begreifen was seinerzeit geschah und welchen gewaltigen Schritt aufeinander zu die Herren De Gaulle und Adenauer so bald nach dem 2.Weltkrieg getan haben. Diese Versöhnung war und bleibt Vorbild für unser gemeinsames Europa.
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