
23.12.2005, 15:27 Uhr
Der erste Testsatellit für das europäische Navigationssystem Galileo ist vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ins All gestartet. Eine russische Sojus-Trägerrakete hob um 6.19 Uhr mitteleuropäischer Zeit ab, um den Testsatelliten "Giove-A" auf eine Umlaufbahn in 23.200 Kilometern Höhe zu bringen. Nach Angaben der russischen Weltraumbehörde Roskosmos trennten sich der Satellit und ein Beschleunigerblock plangemäß von den Raketenstufen. In einigen Jahren soll Galileo eine auf den Meter genaue Ortsbestimmung überall auf der Erde ermöglichen.
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Das Projekt Galileo
Milliardenprojekt drohte Absturz
Immer wieder stand das milliardenteure Raumfahrt-Projekt auf der Kippe, drohte im Gerangel um Finanzen und Kompetenzen schon vor dem Start abzustürzen. Noch im Herbst stritt Berlin um die Beteiligung deutscher Unternehmen. Nun soll das hochmoderne europäische Satellitennavigationssystem Galileo dem US-System GPS Konkurrenz machen.
Giove-A muss erst einmal den Platz sichern
Das Abenteuer Galileo gehört zu den ehrgeizigsten Projekten der europäischen Raumfahrt. Der Satellit Giove-A - auf deutsch Jupiter - testet neue Technologien - darunter die präziseste jemals ins All geschickte Atomuhr. Viel wichtiger aber ist, dass er den Europäern einen entscheidenden Platz im All sichert: Der rund 600 Kilogramm schwere Testsatellit soll eine Funkfrequenz besetzen, die Galileo zugeteilt worden ist. Damit diese Frequenz nicht verfällt, muss sie bis spätestens Juni 2006 genutzt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, steht bereits Giove-B bereit, falls der erste Testsatellit Probleme haben sollte.
Fuß in der Tür zum Navigationsmarkt
An dem Prestigeobjekt von EU und Esa hängt viel: Galileo soll Europa einen Technologiesprung bescheren und als Konjunkturmotor dienen. Der Weltmarkt für die Navigation von Schiffen, Autos und Flugzeugen wächst rasant. Davon will auch Europa profitieren. Geplant ist, innerhalb der nächsten Jahre 30 Satelliten im All zu stationieren. Diese sollen, wenn der Kontakt zu den Stationen am Boden steht, für Jahrzehnte ihren Dienst tun. Kontrollzentren sind in Oberpfaffenhofen und im italienischen Fucino geplant.
Galileo könnte viele Jobs schaffen
Galileo verschlingt zwar 3,6 Milliarden Euro an Investitionen, bei einem geschätzten Umsatzpotenzial von etwa 90 Milliarden Euro könnte das Projekt allerdings mehr als 100.000 Arbeitsplätze in Europa schaffen. Nach Schätzungen in der Branche dürfte der Markt der so genannten Telematikdienstleistungen bis zum Jahr 2020 weltweit auf etwa 200 Milliarden Euro jährlich anwachsen.
Operationsfähig ab 2010
Der zweite Testsatellit Giove-B startet voraussichtlich im März. Bis 2008 soll die erste Mini-Flotte mit insgesamt vier Satelliten im All sein. Galileo könnte dann 2010 die Arbeit aufnehmen und als rein ziviler Ortungsdienst GPS Konkurrenz machen und auch ergänzen. "Wir eröffnen damit ein neues Zeitalter der Navigation", erläutert die Esa. Die Satelliten sollen den Heimatplaneten aus einer Höhe von rund 23.600 Kilometern im Blick haben und Behörden, Unternehmen und Einzelpersonen mit präzisen Signalen für Zeit und Ort versorgen.
GPS absichtlich weniger genau
Läuft alles nach Plan, ist es dann möglich, mit einem kleinen und preisgünstigen Empfangsgerät Standorte auf wenige Meter genau zu bestimmen. Reeder könnten ein Schiff orten und steuern, Behörden könnten verurteilte Straftäter mit "elektronischen Fußfesseln" überwachen. Galileo verspricht auch für Otto-Normalverbraucher eine noch mobilere Zukunft: So könnten sich zum Beispiel Wartende an Haltestellen informieren, wo sich ihr Bus gerade befindet. Möglich sind solche Anwendungen auch mit dem amerikanischen "Global Positioning System". Das vor allem für die militärische Nutzung entwickelte GPS ist aber absichtlich etwas weniger genau und kann zudem etwa in Krisensituationen von der US-Armee teilweise außer Kraft gesetzt werden. Die Europäer wollen davon unabhängig sein.
Quelle: AFP , dpa
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