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Erdrutsch in Sachsen-Anhalt: Suche nach Vermissten geht weiter

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Suche nach Vermissten geht weiter

19.07.2009, 11:43 Uhr

Bei dem Unglück in Nachterstedt rutschten Erdmassen auf einer Fläche von rund 350 mal 120 Metern ab (Foto: Reuters) Bei dem Unglück in Nachterstedt rutschten Erdmassen auf einer Fläche von rund 350 mal 120 Metern ab (Foto: Reuters)

Einen Tag nach dem verheerenden Erdrutsch von Nachterstedt in Sachsen-Anhalt soll die Suche nach drei Anwohnern am Sonntag fortgesetzt werden. Die Vermissten waren Bewohner eines Doppelhauses, das bei dem Unglück am Samstagmorgen in die Tiefe gerissen worden war und in einem Bergbau-See versank.

Ein weiteres Mehrfamilienhaus, dessen Bewohner überwiegend im Urlaub sind, stürzte zur Hälfte ein und verschwand ebenfalls in dem See. Unklar ist weiterhin das Schicksal des etwa 20-jährigen taubstummen Sohns eines der Vermissten. Er ist zwar in dem Haus gemeldet wohnt aber tatsächlich woanders. Auch die Ursache des Unglücks ist noch ungeklärt.




Kaum noch Hoffnung

Für die vermisste Frau im Alter von 48 Jahren und die beiden Männer im Alter von 50 und 51 Jahren besteht kaum noch Hoffnung, lebend gefunden zu werden. Glück im Unglück hatte die Frau des einen Vermissten. Sie war zum Zeitpunkt des Erdrutsches zur Nachtschicht.


Weitere Erdrutsche möglich

Der Einsatz von Suchhunden war am Samstag wegen der weiterhin sehr gefährlichen Situation am Unglücksort gescheitert. "Die gesamte Situation ist sehr wackelig, weitere Abbrüche sind jederzeit möglich", berichtete eine Polizeisprecherin. Zudem gehe es an der Abrisskante mehr als 100 Meter in die Tiefe. Auch der Einsatz einer Wärmebildkamera habe keine Ergebnisse gebracht.

Straße im See versunken

Bei dem Unglück, das sich gegen 5.30 Uhr ereignete, rutschten Erdmassen auf einer Fläche von rund 350 mal 120 Metern ab, auch eine Straße und eine Aussichtsplattform versanken in dem See. 41 Bewohner aus umliegenden Häusern wurden bis auf weiteres in Notunterkünfte gebracht. Das Gebiet in der Nähe der Abbruchkante wurde gesperrt, ebenso der rund 350 Hektar große Freizeitsee.


Regen wohl nicht die Ursache

Die Ursache des Unglücks gibt weiter Rätsel auf. Fraglich ist, ob die Böschung des Sees aufgrund von Regenfällen abrutschte. Die Sprecherin der Kreisverwaltung des Salzlandkreises, Ursula Rothe, sagte, es habe in der Nacht zwar geregnet, aber nicht besonders heftig. Nach Angaben von Jörg Kachelmann vom Wetterdienst Meteomedia hat es vor dem Abrutsch in dem Ort rund 20 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gegeben. "Das ist ungefähr ein Drittel des im Juli üblichen Niederschlags dort und eine Menge, die immer mal wieder vorkommen kann", meinte Kachelmann.

Umfangreiche Gutachten nötig

"Es wird umfangreicher Gutachten in den nächsten Wochen und Monaten bedürfen", sagte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsstaatssekretär Detlef Schubert. Auch die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft, die für die Sicherung und die Flutung des Tagebausees zuständig ist, hatte zunächst keine Erklärung. Anfangs hatte das Bergbau-Unternehmen den Regen als Auslöser der Katastrophe bezeichnet. Für das Unglück habe es keinerlei Anzeichen gegeben, sagte Landrat Ulrich Gerstner.

Beliebtes Ziel von Wassersportlern

Bei dem Gewässer - dem Concordia-See - handelt es sich um ein Tagebau-Restloch, das bis zum Jahr 2027 weiter geflutet werden soll. Der Braunkohle-Abbau in der rund 2000 Einwohner zählenden Gemeinde, die südwestlich von Magdeburg liegt, war nach mehr als 120 Jahren 1991 eingestellt worden. Der See ist heute ein beliebtes Ziel von Wassersportlern.

Sicherheitskräfte warnen Schaulustige

Am Unglücksort waren den ganzen Tag über zahlreiche Feuerwehren, das Technische Hilfswerk und am Morgen auch ein Hubschrauber der thüringischen Polizei im Einsatz. Innen-Staatssekretär Rüdiger Erben (SPD) warnte vor Katastrophentourismus. "Jeder, der sich nur ansatzweise in die Nähe der Unglücksstelle begibt, gefährdet sich", sagte er.



Quelle: dpa , dapd , AFP

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