Drucken
Erdbeben löste Katastrophe von Nachterstedt aus
27.09.2009, 20:24 Uhr
Aus der Vogelperspektive wird das ganze Ausmaß der Zerstörung in Nachterstedt am Tagebau-Restloch deutlich (Foto: dpa)
Drei Monate nach dem tödlichen Erdrutsch in Nachterstedt in Sachsen-Anhalt ist ein kleines Erdbeben als Auslöser bestätigt worden. Am Anfang des Erdrutsches habe höchstwahrscheinlich ein "seismisches Ereignis" gestanden, erklärte der Chef der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), Mahmut Kuyumcu, gegenüber der "Mitteldeutschen Zeitung".
Die LMBV war für die Flutung des Tagebau-Restlochs in Nachterstedt im Harzvorland verantwortlich. Riesige Erdmassen waren dabei in den neuentstehenden Concordiasee gerutscht und hatten einen Teil der Ortschaft in den Abgrund gezogen. Bei dem Unglück am 18. Juli starben drei Menschen, 41 wurden obdachlos.
Ursachensuche geht weiter
Das Zentrum des Mini-Bebens habe außerhalb des Tagebaus gelegen, sagte Kuyumcu. Der Erdstoß muss demnach eine Kette von Ereignissen in Gang gesetzt haben, die letztlich 2,5 Millionen Kubikmeter im Erdreich loslösten. Weitere Anhaltspunkte für die Ursache will die LMBV bis Ende des Jahres erforscht haben.
Erste Hinweise verworfen
Bereits Anfang August hatte es Hinweise auf eine heftige Erderschütterung als Ursache für das Unglück gegeben. Das Geologische Institut der Universität in Leipzig hatte sechs Minuten vor dem Eingang des ersten Notrufs in Nachterstedt eine Erschütterung von 1,0 auf der Richterskala registriert. Das Landesbergamt hatte dazu erklärt, dass diese Messung vermutlich nichts anderes als den Zusammenbruch der mehr als zwei Millionen Kubikmeter Erdmasse dokumentiere, aber nicht ein "seismisches Ereignis" vor dem Unglück.
Rückkehr nach Hause?
Der betroffene Teil von Nachterstedt, eines Ortsteils des Städtchens Seeland im Salzlandkreis, wird wohl in Folge des Erdrutsches gesprengt werden müssen. Die Bergbaufirma LMBV will den früheren Bewohnern ermöglichen, noch einmal in ihre alten Häuser zurückzukehren. Das Risiko werde derzeit aber noch geprüft.
Quelle: dpa