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Erdogan kritisiert Deutsch-Pflicht für Zuwanderer - Grüne empört

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Erdogan kritisiert Deutsch-Pflicht für Zuwanderer - Grüne empört

02.11.2011, 11:29 Uhr

Türkei will doppelte Staatsbürgerschaft (Screenshot: dapd) Erdogan fordert doppelte Staatsbürgerschaft

Der türkische Ministerpräsident kritisiert die deutsche Integrationspolitik in einem "Bild"-Interview scharf.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat der Bundesregierung Fehler bei der Integration türkischstämmiger Zuwanderer vorgeworfen. Besonders die Deutsch-Pflicht für Zuwanderer ist ihm ein Dorn im Auge. Wer Deutschkenntnisse zur wichtigsten Voraussetzung erkläre, verletze die Menschenrechte, sagte Erdogan der "Bild"-Zeitung aus Anlass des 50. Jahrestages des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens.

Weiter bemängelte er, die deutsche Politik würdige die Verflechtung der drei Millionen Türken in Deutschland nicht genug. "Die erste Generation waren Gäste. Viele sind geblieben und denken jetzt nicht mehr daran zurückzukehren. Es gibt bereits 72.000 türkische Arbeitgeber mit 350.000 Arbeitsplätzen. Der Gastarbeiter von gestern wird langsam auch Arbeitgeber, Akademiker, Künstler". Das türkische Volk sehe das deutsche Volk immer noch mit sehr positiven Gefühlen an. Deswegen sollte Deutschland mit der Türkei viel mehr Solidarität zeigen.

"Fühlen uns im Stich gelassen"

Erdogan warf der Bundesregierung insbesondere zu wenig Unterstützung beim geplanten Beitritt seines Landes zur Europäischen Union vor. Die deutsche Politik müsse viel mehr für den EU-Beitritt der Türkei tun, weil er die Integration massiv vorantreiben würde. "Weil wir Türken so viel Positives für Deutschland empfinden, fühlen wir uns gerade hier im Stich gelassen." Deutschland müsse zugezogene Türken "nicht als Gefahr, sondern als Bereicherung sehen".

Erdogan bekräftigte außerdem, dass Türken in Deutschland ihren Kindern zuerst Türkisch und dann Deutsch beibringen sollten. Dies sei "nur eine sprachwissenschaftliche Erkenntnis. Wenn ein Kind eine neue Sprache erlernen soll, muss es die eigene Sprache gut können. Andernfalls kann man keine zweite Sprache erlernen."

Grüne: "Unerträgliche Stimmungsmache"

Dem türkischen Ministerpräsidenten schlägt bei seinem Deutschlandbesuch auch massive Kritik entgegen. Die Grünen im Bundestag werfen dem Premier "unerträgliche Stimmungsmache" gegen Deutschland vor und fordern eine öffentliche Entschuldigung Erdogans. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Grünen-Innenexperte Memet Kilic: "Die türkische Regierung von Ministerpräsident Erdogan schürt immer wieder bewusst Vorurteile gegen Deutschland, um damit bei den Hardlinern im eigenen Land zu punkten." Er forderte weiter: "Erdogan sollte sich in Deutschland öffentlich für seine Ausfälle entschuldigen."

Der türkische Ministerpräsident hatte zuletzt parteinahen deutschen Stiftungen vorgeworfen, sie würden indirekt die PKK unterstützen - indem sie Kredite vergeben und Projekte militanter Kurden finanzieren. Nach Kritik an den Aussagen sprach der türkische Außenminister von Missverständnissen, Erdogan äußerte sich nicht.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich sagte zu Erdogans Äußerungen in der Sprachenfrage: "Daraus kann man schon erkennen, dass er das nicht so richtig erfasst hat: Ihre eigene Sprache ist ja jetzt eigentlich Deutsch." Dies habe Erdogan "noch nicht so ganz verinnerlicht".

Erdogan wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen angezeigt

Deutsche Anwälte haben unterdessen bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe Strafanzeige gegen den türkischen Ministerpräsidenten und hohe Militärs wegen angeblicher Kriegsverbrechen im Kurdenkonflikt gestellt. Grundlage ist das deutsche Völkerstrafgesetzbuch von 2002. Demnach können verantwortliche Militärs und Politiker belangt werden, auch wenn die Taten außerhalb Deutschlands begangen wurden. Die auf Initiative des Völkerrechtlers Prof. Norman Paech und anderer eingereichte Anzeige vertritt Angehörige von Opfern und listet zehn exemplarische Fälle von extralegalen Hinrichtungen, Folter und Chemiewaffeneinsatz auf.



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Quelle: dpa , dapd

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Kommentare (3)

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Thema: "Erdogan kritisiert Deutsch-Pflicht für Zuwanderer - Grüne empört"

Etz werds Dooch schrieb: am 2. November 2011 um 09:13:21
(949) (33) "Erdogan kritisiert Deutsch-Pflicht für Zuwanderer-Grüne empört".
Selten genug haben die Grünen Recht.Hier treffen sie den Nagel
auf den Kopf.Was erlaubt sich dieser Erdogan.Seine"Kölner-Rede"schon vergessen?.Solche Brunnenvergofter braucht Europa nicht."Komischerweise"fühlen sich Ausländer bei uns wohl.Das ist gut so.Doch mit dem permanenten Störfeuer aus der Türkei ,wird die Integration nur erschwert.Unter solchen Vorzeichen hat die Türkei in der europäischen Gemeinschaft nichts,aber auch gar nichts zu suchen.Liebe Türken, bremst solche Polit
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Birke schrieb: am 2. November 2011 um 09:09:20
(983) (33) deutsche Sprache
Herr Erdogan sollte seine Türken nach Hause rufen ,wenn er will ,dass sie nicht die deutsche Sprache lernen sollen . Aber
die Türken ,die deutsch lernen solllte man unterstützen.Ich kenne Türken,die sehr gut deutsch können und sehr integriert sind.
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Türkei schrieb: am 2. November 2011 um 09:02:49
(645) (9) Bildung
Sprache und Bildung sind entscheidend für die Menschen und eine Gesellschaft, ohne die der Wohlstand nicht zu halten ist. Wer in
einem Land lebt muß sich dort integrieren. das gilt für Deutsche und Ausländer gleichermaßen und wird von Deutschen im Ausland auch erwartet. Wenn in der Türkei alles so toll wäre brauchten die Menschen von dort nicht nach Deutschland zu kommen und Menschenrechte sowie Religionsfreiheit werden dort immer noch mit Füßen getreten. Erdoan ist ein Mann von gestern.
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