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Erderwärmung macht zehn Jahre Pause

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Erderwärmung macht zehn Jahre Pause

02.05.2008, 20:53 Uhr

Von Holger Dambeck

Der Golfsstrom, auf der Satellitenaufnahme rot, gelb und grün dargestellt, könnte sich abschwächen (Quelle: dpa) Der Golfsstrom, auf der Satellitenaufnahme rot, gelb und grün dargestellt, könnte sich abschwächen (Quelle: dpa)Am Thermometer gibt es nur eine Richtung: nach oben. So lautete bisher das Mantra der Klimaforscher. Die Realität schien das zu bestätigen - ein Temperaturrekord jagte in den vergangenen Jahren den nächsten: Deutschland erlebte 2007 den wärmsten Winter seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen, das arktische Eis schmolz rasant. Bis zum Jahr 2100 muss sich die Menschheit auf einen globalen Anstieg von mindestens zwei Grad einstellen, prognostizierte der Weltklimarat IPCC. Wenn der CO2-Ausstoß durch Autos und Industrie nicht deutlich gedrosselt wird, drohen sogar weit größere Temperatursprünge.

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Schluss mit Temperaturrekorden?

Doch ganz so einfach ist die Sache mit der Erderwärmung nicht - zumindest nicht in den nächsten zehn Jahren. Wenn die Simulationen Kieler und Hamburger Forscher sich als richtig herausstellen, könnte der Klimawandel erst mal eine kleine Pause einlegen, schreiben der Kieler Forscher Mojib Latif und seine Kollegen im Wissenschaftsmagazin "Nature" (Bd. 453, Seite 84-88). Mit Temperaturrekorden wäre dann Schluss - vorerst jedenfalls. Die Wissenschaftler begründen ihre Prognose mit natürlichen Klimaschwankungen, die den langfristigen Erwärmungstrend im kommenden Jahrzehnt wohl etwas abmildern werden. Klimamodelle, die auch Ozeanströmungen berücksichtigten, ergaben einen um etwa 0,2 Grad geringeren Temperaturanstieg als bei früheren, gröberen Simulationen.


"Eine gewisse Sprengkraft"

Die Aussage, der Klimawandel könne erst mal für eine Weile ausfallen, birgt gewisse Sprengkraft. Das sagt auch Mojib Latif, der ausdrücklich davor warnt, die Simulationen falsch zu interpretieren: "Wir postulieren nicht, dass die vom Menschen verursachte Klimaänderung nicht so schlimm ausfallen wird wie befürchtet." Der generell nach oben weisende Trend werde nur von einer langperiodischen Schwingung überlagert, die in den kommenden Jahren netto zu einem geringeren Temperaturanstieg führen könnte. "Das Klima bleibt in den nächsten 10 bis 15 Jahren gleich", sagte Latif im Gespräch mit "Spiegel Online". Danach werde die Erderwärmung wieder Fahrt aufnehmen, so wie vom IPCC berechnet.

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Hintergründe zum Klimawandel (Montage: T-Online)Hintergründe zum Klimawandel (Montage: T-Online)

"Das Klima schwankt von sich aus"

Einen äußeren Grund für das langfristig schwankende Klima, etwa die Sonne, gibt es laut Latif nicht: "Das Klima der Erde schwankt von sich aus, ohne dass man einen speziellen Antrieb dafür braucht." Dass die Erde gerade in eine Kühlphase eintritt, die rund zehn Jahre andauert, hatten vor wenigen Tagen auch US-Forscher berichtet. Sie untersuchten das Phänomen La Niña, die "Gegenspielerin" von El Niño. Derzeit herrschen im Pazifik außergewöhnlich niedrige Wassertemperaturen - und das könnte auch noch einige Jahre so bleiben. Wenn aber dann in 10, 15 Jahren eine neue Warmphase beginnt, wird der Klimawandel nicht wie jetzt kaschiert, sondern verstärkt.

Neue Methode entwickelt

Die Forscher vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-Geomar) und dem Hamburger Max-Planck Institut für Meteorologie haben mit ihrem Modell auch Schwankungen der Meeresströmungen berechnet, die eng mit langfristigen Klimaschwankungen verknüpft sind. Zuverlässige Modelle dafür gab es bislang nicht. Latif und seine Kollegen haben deshalb eine Methode entwickelt, mit der sie aus den Oberflächentemperaturen der Ozeane die Meeresströmungen ableiten können. Dies habe man schon erfolgreich bei der Jahreszeitenvorhersage, wie der Prognose von El Niño, angewandt, sagt Noel Keenlyside vom IFM-Geomar. "Die Meerestemperaturen beeinflussen die Winde und den Wärmeaustausch zwischen Ozean und Atmosphäre, und beide Faktoren beeinflussen wiederum die Meeresströmungen."

Daten aus den vergangenen 50 Jahren

Die thermohaline Zirkulation - wie Meeresforscher die globalen Förderbänder aus warmem und kaltem Wasser nennen, die die Ozeane verbinden - spielen eine entscheidende Rolle im globalen Klima. Irland und Großbritannien verdanken beispielsweise ihr vergleichsweise mildes Wetter dem Golfstrom, der Teil der thermohalinen Zirkulation ist. Bei den Simulationen stützen sich die Forscher auf Meerestemperaturdaten aus den vergangenen 50 Jahren. Sie modifizierten ihr Modell so lange, bis es die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte gut reproduzieren konnte. "Wir haben gesehen, dass das für die jüngste Vergangenheit ganz gut klappt", sagt Latif. "Weshalb sollte das nicht auch in den nächsten zehn Jahren so sein?"

Temperaturen sinken um ein Zehntel Grad

Ein Ergebnis der Simulationen: Der Golfstrom schwächt sich leicht ab, wie der Kieler Klimaexperte berichtet. Dies habe Auswirkungen auf unseren Kontinent. "Unser Modell sagt voraus, dass in Mittel- und Nordeuropa die Temperaturen um ein Zehntel Grad sinken." Wie genau arbeitet das verfeinerte Klimamodell? Ob es 2012 weiße Weihnachten in Norddeutschland gibt oder nicht, könne man nicht vorhersagen, erklärt Latif. Man könne allerdings eine Tendenz angeben, "ob bestimmte Jahrzehnte eher überdurchschnittlich warm oder kalt ausfallen, sofern nicht andere unvorhersehbare Effekte, wie zum Beispiel Vulkanausbrüche, solche Prognosen zunichte machen".





Quelle: Spiegel Online

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