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Erderwärmung: Aerosole sind mitverantwortlich

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Forscher machen Aerosole mitverantwortlich

16.04.2009, 12:56 Uhr | Spiegel Online

In der Arktis legten die Temperaturen in den letzten Jahren deutlich zu (Foto: Reuters) In der Arktis legten die Temperaturen in den letzten Jahren deutlich zu (Foto: Reuters)

Die Arktis erwärmt sich durch den Klimawandel so stark wie kaum ein anderer Teil der Erde. Nach Ansicht von Nasa-Forschern könnten dafür nicht zuletzt Schwebeteilchen in der Atmosphäre, sogenannte Aerosole, verantwortlich sein. Ihre Bedeutung für die Erwärmung sei beinahe genau so groß wie die von Treibhausgasen wie CO2, argumentieren sie.

Drew Shindell und Greg Faluvegi vom Goddard Institute for Space Studies der US-Weltraumbehörde Nasa haben mit einem gekoppelten Ozean-Atmosphären-Modell eine ganze Reihe von Computerrechnungen angestellt. Dabei interessierten sie sich vor allem dafür, wie sich das Klima in verschiedenen Weltregionen ändern könnte, wenn die Konzentrationen von CO2, Aerosolen oder Ozon variieren.

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Forscher: Aerosole zu 45 für Erwärmung verantwortlich

Bei den Modellrechnungen zeigte sich, so berichten die Forscher im Fachmagazin "Nature Geoscience", dass vor allem die mittleren und hohen Breiten sehr sensibel auf Veränderungen bei den Aerosolen reagieren. Nach Ansicht von Shindell und Faluvegi sind Aerosole für 45 Prozent der Erwärmung in der Arktis in den vergangenen drei Jahrzehnten verantwortlich.

Schwefelteilchen kühlen Erde normalerweise ab

Das ist ein beeindruckend hoher Wert - vor allem, wenn man bedenkt, dass Schwebeteilchen je nach Beschaffenheit sogar etwas von der einfallenden Sonnenstrahlung reflektieren und auf diese Weise helfen, die Erde abzukühlen. Vor allem Schwefelteilchen, die bei der Verbrennung von Öl und Kohle entstehen, übernehmen diesen Job. Doch die Partikel verschwinden durch Umweltschutzmaßnahmen in Europa und Nordamerika - Stichwort Rauchgasentschwefelung - tendenziell aus der Atmosphäre.

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Erdatmosphäre verdunkelt sich

Und mit ihnen verschwinden die Effekte ihrer kühlenden Hilfstätigkeit. Stattdessen wachsen die Mengen anderer, deutlich weniger segensreicher Aerosole: Schwarze Rußpartikel, die vor allem in den aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens entstehen, absorbieren das Sonnenlicht - und heizen der Atmosphäre auf diese Weise ein: Autoverkehr sowie Kohle- und Holzheizungen lassen die Rußpartikel ebenso entstehen wie großflächige Brandrodungen. Die Erdatmosphäre verdunkelt sich auf diese Weise immer mehr.

Temperaturen in der Arktis steigen deutlich an

Das Problem durch diese schwarzen Wolken scheint immer größer zu werden. Und die Arktis, so sagen die Nasa-Forscher nun, muss besonders stark darunter leiden. Das Gebiet liege näher an menschlichen Siedlungen und sei deswegen von dort emittierten Schadstoffen stärker betroffen als die deutlich isolierter liegende Antarktis. Tatsächlich steigen die Temperaturen tief um den Südpol weit langsamer als im hohen Norden. In der Arktis legten die Temperaturen seit Mitte der siebziger Jahre um 1,5 Grad Celsius zu, in der Antarktis schlugen im selben Zeitraum nur 0,35 Grad zu Buche.

Forscher: Nicht nur auf Kohlendioxid schauen

Die Forscher fordern deswegen, dass die Aerosole bei Diskussionen über den Klimaschutz in Zukunft eine wichtigere Rolle spielen müssten. "Der Einfluss der Rußwolken auf den Treibhauseffekt wurde bisher unterschätzt", hatte US-Forscher Greg Carmichael bereits vor rund einem Jahr im Gespräch mit "Spiegel Online" erklärt. Die NASA-Forscher legen nun nach: "Wir werden wenige Ansatzpunkte im Bezug auf die Klimaänderungen in den nächsten paar Jahrzehnten haben, wenn wir nur auf Kohlendioxid schauen", sagt Shindell. Wenn wir wissen wollen, wie ein komplettes Abschmelzen des arktischen Meereises in den kommenden Jahrzehnten verhindert werden könne, müsse man sich auch mit Aerosolen und Ozon beschäftigen.

Aerosole werden schnell ausgewaschen

Während klimawirksame Gase für Hunderte von Jahren in der Atmosphäre wirksam bleiben können, werden Aerosole normalerweise nach wenigen Tagen oder Wochen ausgewaschen. Doch nicht so in der Arktis, wo nur wenig Niederschlag fällt. So kann die Aufheizung durch dunkle Aerosole ungehindert weiterlaufen.


Quelle: Spiegel Online

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