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Italienischer Physiker warnte vor Erdbeben
14.04.2009, 15:14 Uhr
Das Beben zerstörte tausende Häuser (Foto: Reuters)
Vor dem schweren Erdbeben in den italienischen Abruzzen hat offenbar ein Physiker vor der nahenden Naturkatastrophe gewarnt. Der Forscher Giampaolo Giuliani habe Alarm geschlagen, nachdem er die verstärkte Freisetzung des Gases Radon aus den geologischen Erdrissen in der Region beobachtet hatte, berichtet die italienische Zeitung „Corriere della Serra“ in ihrer Internetausgabe.
Eine Woche vor dem Erdbeben habe Giuliani ein schweres Erdbeben in der betroffenen Region vorhergesagt - allerdings für den 29. März. Damals habe ihm der Zivilschutz von L'Aquila jedoch keinen Glauben geschenkt. Der Chef des italenischen Zivilschutzes, Guido Bertolaso, habe Giuliani sogar als „Idioten“ beschimpft, schreibt der „Corriere“. Kein Erdbeben könnte genau vorhergesagt werden, habe Bertolaso die Warnung abgetan.
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Auch das italienische Geophysik-Institut habe die Prognosen als vollkommen unrealistisch bewertet. Giuliani sei sogar angezeigt worden, weil er unbegründet Alarm ausgelöst habe, berichtet der „Corriere“.
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Forscher misst Radon-Ausstoß
Nach einem Bericht des schweizerischen "Tagesanzeiger“ stützt Giuliani, Forscher im Labor "Gran Sasso“, seine Prognosen hauptsächlich auf die Messung von Radon-Emissionen aus der Erde. Diese Werte setze er gleichzeitig in Beziehung zu den gemessenen Erdbewegungen, erklärte der Seismologe Rainer Kind in der Internetausgabe der "Tagesschau“.
Zivilschutz: Prognose hatte weder Hand noch Fuß
Zivilschutz-Chef Bertolaso wies nach dem starken Erdbeben in den Abruzzen den Vorwurf zurück, er habe auf die Warnung Giulianis nicht angemessen reagiert. Trotz gehäufter Erdstöße in der Region in den vergangenen Tagen sei nicht absehbar gewesen, wann und ob es zu einem starken Beben kommen werde, bekräftigte er. Auch der Leiter des Zivilschutzes vor Ort, Agostino Miozzo, widersprach. Die Einschätzung von Giuliani sei „nicht wissenschaftlich fundiert gewesen“, zitiert ihn der Schweizer "Tagesanzeiger“.
Giuliani fordert Entschuldigung
Dem wiederum widersprach Giuliani und forderte am Montag eine Entschuldigung. Seit rund zehn Jahren sei es mit seiner Technik möglich, Erdbeben in einem Umkreis von bis zu 150 Kilometern vorherzusagen, sagte der Forscher am Tag der Katastrophe dem "Corriere". In der Nacht zu Montag seien extrem hohe Radon-Werte gemessen worden.
Deutscher Seismologe wertet es als Zufall
Doch auch der deutsche Seismologe Rainer Kind vermutet eher einen Zufallstreffer. Die Messmethode Giulianis habe bislang noch kein wissenschaftlich belastbares Ergebnis gebracht. Kind betonte, Giuliani sei ein ernsthafter Wissenschaftler. Dieser habe aber ein Beben innerhalb des nächsten Tages vorhergesagt, was nicht eingetreten sei. Die italienischen Behörden hätten Giuliani daraufhin vorgeworfen, für Unruhe zu sorgen. Dass eine Woche später tatsächlich ein schweres Beben folgte, sei Zufall gewesen.
Physiker sagt starkes Nachbeben voraus
Giuliani beharrt jedoch auf seiner Sicht der Dinge: „Man hätte viele Menschenleben retten können, wenn man auf meine Worte gehört hätte“, zitiert ihn der österreichische „Kurier“ unter Berufung auf italienische Medien. Gleichzeitig warnte er in der Zeitung erneut: „Die Erdbebenserie ist noch nicht zu Ende. Auch Dienstag wird es Nachbeben von einer Stärke bis zu vier nach Richter geben."
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