So sah es nach dem Tsunami in Südindien im Dezember 2004 aus (Archivfoto: dpa)
Nach einem schweren Erdbeben in der Südsee hat ein Tsunami auf der Insel Samoa mehrere Dörfer zerstört. Das berichtete Radio Neuseeland am Mittwochmorgen Ortszeit.
Das Beben hatte nach unterschiedlichen Angaben eine Stärke von 7,9 oder 8,3. Das Beben ereignete sich um 19.48 Uhr MESZ. Wie das US-Institut für Geophysik (USGS) am Dienstag mitteilte, lag das Epizentrum des Bebens rund 200 Kilometer südwestlich von Samoas Hauptstadt Apia in einer Tiefe von 85 Kilometern. Das Pazifik-Tsunami-Warnzentrum sprach eine Warnung für Neuseeland und Pazifikinseln wie Fiji, Tonga und Tuvalu aus. Die Behörden der betroffenen Regionen wurden aufgefordert, in Küstengebieten Schutzmaßnahmen zu ergreifen.
Wahrscheinlich gab es Tote
Nach Informationen des deutschen Honorarkonsuls auf Samoa starben Menschen. Mehrere Schulkinder in Falealili sollen die Naturkatastrophe nicht überlebt haben. Ob auch Touristen zu Schaden gekommen sind, ist noch nicht bekannt. Auf Samoa leben etwa 25 Deutsche. Der einzige Deutsche in der vom Tsunami betroffenen südlichen Region soll wohlauf sein.
Menschen flüchten in Panik
"Hier ist überall Panik entstanden, weil die Kinder auf dem Weg zur Schule und die Menschen auf dem Weg zur Arbeit waren", berichtete ein Korrespondent. Ein Mitarbeiter des Fernsehsenders TVNZ war in Samoa am Strand, als das Erdbeben passierte. Tony Manson sah, wie sich das Meer zuerst zurückzog und dann innerhalb von wenigen Sekunden mit Macht über die Küste hereinbrach. Er selbst rannte mit anderen zusammen vom Strand weg auf höheres Terrain.
Ausmaß noch unklar
Der Tsunami, der den Inselstaat Samoa getroffen hat, war nach Angaben der US-Meeresforschungsbehörde NOAA 1,57 Meter hoch. Nach Einschätzung von Seismologen hatten das Beben und die anschließende Flutwelle nicht die Ausmaße der Katastrophe vom 26. Dezember 2004. Vor fünf Jahren waren in Südostasien mehr als 230.000 Menschen ums Leben gekommen. Damals hatte ein gewaltiger Tsunami, ausgelöst durch ein schweres Erdbeben vor der indonesischen Insel Sumatra, mit unvorstellbarer Wucht weite Küstenregionen in Indonesien, Sri Lanka, Indien, Thailand und auf den Malediven zerstört.
Tiefe Wasserschichten in Bewegung
Tsunamis können entstehen, wenn Erdbeben oder Vulkanausbrüche den Meeresboden erschüttern. Im Gegensatz zu normalen Wellen, bei denen nur das Wasser an der Meeresoberfläche wogt, geraten bei einem Tsunami (japanisch: große Welle im Hafen) auch die tiefen Wasserschichten in Bewegung. Auf hoher See ist diese Welle gewöhnlich nicht höher als zwei oder drei Meter und wird wegen ihrer großen Wellenlänge von Schiffen oft gar nicht bemerkt. In flachen Küstengewässern und engen Buchten läuft sie dann aber zu enormen Höhen von bis zu 40 Metern auf und kann ganze Landstriche verwüsten. Tsunamis breiten sich mit bis zu 900 Kilometern pro Stunde aus und können so binnen kurzer Zeit ganze Ozeane durchqueren.