09.03.2010, 18:27 Uhr
In Conceptión wurde ein Haus in zwei Hälften gerissen (Foto: dpa)Durch das Erdbeben in Chile und den folgenden Tsunami sind nach Angaben von Präsidentin Michelle Bachelet mehr als 700 Menschen ums Leben gekommen. Zuvor war von rund 300 Todesopfern die Rede gewesen.
Das südamerikanische Land war am frühen Samstagmorgen von einem Erdstoß der Stärke 8,8 erschüttert worden. Es handelte sich um eines der zehn stärksten Beben, die weltweit je gemessen wurden. Am schlimmsten traf es die Regionen Maule und Bíobío; hier gelten zahlreiche Menschen als verschollen. Große Schäden und viele Tote gab es in der Stadt Concepción.
In Conceptión zerbrach auch ein Gebäude mit 14 Stockwerken in zwei Teile. Nach einem Bericht der Zeitung "La Tercera" wurden bis zum späten Abend (Ortszeit) etwa 30 Menschen lebend aus den Trümmern befreit. 60 Menschen seien jedoch noch in dem Komplex gefangen, der jederzeit ganz einstürzen könnte, berichtete das Blatt. Seit dem Megabeben wurden mehr als 70 Nachbeben mit einer Stärke von mindestens 4,9 registriert, berichtete die US-Geologiebehörde USGS.
Die vorsorglich für die Pazifikregion ausgegebene Tsunami-Warnung wurde inzwischen wieder zurückgenommen. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldete, wurden an der Küste der nördlichen Provinz Iwate Flutwellen von 1,45 Metern Höhe beobachtet. TV-Bilder zeigten Hafengebäude, die umspült wurden. Die Behörden warnten, dass nachfolgende Wellen noch höher sein könnten. Nach Angaben der nationalen Meteorologischen Behörde könnte ein Tsunami von bis zu drei Metern Höhe die Küste des Landes erreichen.
Die russischen Behörden beobachteten eine Stunde nach der Entwarnung auf einem Eiland der Kurilen-Inselkette im Fernen Osten eine zwei Meter hohe Welle. Berichte über Schäden oder Überflutungen gab es aber nicht, wie die Agentur Ria Nowosti meldete.
Mehr als 18 Stunden nach dem Erdbeben in Chile erreichte eine etwa 1,20 Meter hohe Welle die Insel Raoul, die auf halbem Weg zwischen Neuseeland und Tonga liegt. Die neuseeländischen Chatham Inseln, etwa 700 Kilometer südöstlich der Hauptinsel, wurden von drei Wellen getroffen, die eine Höhe von bis zu etwa 1,50 Metern erreichten. Auf Samoa blieb der befürchtete Tsunami offenbar aus. Dort waren vor fünf Monaten bei einer Flutwelle 183 Menschen ums Leben gekommen.
Aufatmen konnten auch Bewohner und Touristen auf Hawaii, nachdem dort bereits Stunden vor dem erwarteten Eintreffen der Wellen die Sirenen heulten. Bewohner und Touristen verließen die flachen Küstenstreifen, viele fuhren auf Anhöhen, um von dort aus das Naturspektakel zu beobachten. "Es herrscht eine Stimmung wie auf einem Campingplatz", meinte ein Reporter des TV-Lokalsenders KITV4. Der Wasserspiegel vor Hawaii und anderen Inseln stieg jedoch nur um einen Meter bis 1,50 Meter an. Zum Vergleich: Nach dem Beben vor Indonesien 2004 hatten sich die Wasserwände 15 Meter hoch aufgetürmt.
In Chile hatten die Wassermassen dagegen das vom Erdbeben angerichtete Elend noch verschlimmert. "Es bebte und dann kam das Meer in unser Haus, es reichte uns bis zum Hals", berichtete eine Einwohnerin von Iloca im Süden des Landes. In der Stadt Talcahuano wurden selbst größere Schiffe bis ins Stadtzentrum geschwemmt, im Hafen lagen riesige Seecontainer wie Streichhölzer durcheinander. "Das Wasser hat alles, aber auch alles fortgerissen", sagte ein Überlebender aus dem kleinen Küstenort Boyecura. Auf der chilenischen Insel Robinson Crusoe, rund 670 Kilometer westlich von Südamerika, wurden fast alle Gebäude zerstört. Dort starben mindestens fünf Menschen in den Wassermassen, elf wurden noch vermisst.
Quelle: dapd , dpa , AFP
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