205 Opfer der Erdbebenkatastrophe wurden in einer gemeinsamen Trauerfeier beigesetzt (Foto: Reuters)
Mit einer sehr emotionalen Trauerfeier hat Italien am Karfreitag Abschied genommen von den 289 Toten der Erdbebenkatastrophe. Papst Benedikt XVI. rief die Menschen in einem Grußwort auf, in der Stunde der Not zusammenzustehen. In der Regionalhauptstadt L'Aquila fand am Vormittag ein Gottesdienst für die Opfer statt.
Die landesweit im Fernsehen übertragene Messe hielt unter anderem die Nummer Zwei des Vatikans, Kardinal Tarcisio Bertone.
Auf dem Gelände einer Kaserne waren mehr als 200 Särge mit bunten Blumengebinden aufgestellt, jeder mit einer Plakette mit Name, Geburtsdatum und Todesdatum. Andere Opfer des Erdbebens wurden bereits in den vergangenen Tagen beigesetzt. Einige Särge waren mit persönlichen Erinnerungsstücken wie das Spielzeugmotorrad eines Jungen und das blaue T-Shirt eines Mädchens. Das jüngste Opfer unter den 20 ums Leben gekommenen Kindern und Jugendlichen wäre am Ostersonntag fünf Monate alt geworden. Die kleinen weißen Kindersärge standen auf den größeren braunen ihrer toten Mütter. Mehrere tausend Menschen versammelten sich zu dem Gedenkgottesdienst unter freiem Himmel - ein anderer Ort stand nicht zur Verfügung, weil alle Kirchen der Stadt beschädigt oder zerstört sind.
Angehörige erlitten Schwächeanfälle
Die Hinterbliebenen brachen über den Särgen der Toten in Tränen aus. Auf dem Weg zur Beisetzung kam es immer wieder zu bewegenden Szenen. Uniformierte Polizisten und Angehörige der Rettungsdienste trugen die Särge zu bereitstehenden Leichenwagen, von wo aus sie zu den Friedhöfen gefahren wurden. Mindestens zehn Trauernde erlitten nach Angaben eines Arztes einen Schwächeanfall und mussten von Sanitätern behandelt werden.
Papst Benedikt XVI. sprach den Erdbebengeschädigten in den Abruzzen "in diesen dramatischen Stunden einer unermesslichen Tragödie" Mut zu. Er bitte Gott inständig darum, "dass alle den Mut haben, weiterhin zu hoffen und nicht der Verzagtheit zu erliegen", heißt es in einer während der Trauerfeier in L'Aquila verlesenen Botschaft des Papstes. Als Gäste kamen auch Staatspräsident Giorgio Napolitano und Regierungschef Silvio Berlusconi. In einer gesonderten Trauerfeier sollte den sechs Opfern muslimischen Glaubens gedacht werden. Der Papst kündigte an, nach Ostern das Erdbebengebiet zu besuchen.
Nachbeben bis nach Rom zu spüren
Am Freitagmorgen waren in L'Aquila noch immer Nachbeben zu spüren. Ein Beben der Stärke 5,1 mit Epizentrum in Mittelitalien ereignete sich dem Fernsehsender Sky TG 24 zufolge am Donnerstagabend. Der Erdstoß war auch in Rom zu spüren. In den Not-Zeltlagern in der Stadt L'Aquila, die von dem Beben in der Nacht zu Montag besonders stark betroffen war, versetzte das Nachbeben die Menschen erneut in Angst.
Die Zahl der Todesopfer des Erdbebens stieg unterdessen auf 289, wie italienische Medien berichteten. Zuvor war von mindestens 281 Toten die Rede gewesen, darunter 20 Kinder. Bis zu 30 Menschen werden noch vermisst. Verletzt wurden 1170 Menschen, 179 von ihnen schwer. Rund 10.000 Häuser sind zerstört, 17.000 Menschen sind obdachlos. Das Beben der Stärke 6,2 hatte die Region um L'Aquila in der Nacht zum Montag erschüttert. Bei einem Besuch des Erdbebengebiets in den Abruzzen kritisierte Staatschef Napolitano "unverantwortliche" Baumängel.
Steinmeier will Wiederaufbau von Kirche unterstützen
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier will den Wiederaufbau einer vom Erdbeben in Italien zerstörten Kirche finanziell unterstützen. Dies teilte das Auswärtige Amt am Freitag nach einem Telefonat Steinmeiers mit seinem italienischen Amtskollegen Franco Frattini mit. Es handele sich um die Dorfkirche von Onna aus dem 18. Jahrhundert. Die Ortschaft war von dem Erdbeben vor vier Tagen besonders schwer betroffen und liegt jetzt nahezu vollständig in Trümmern. Gleichzeitig erneuerte Steinmeier sein Angebot, in der gesamten betroffenen Region Katastrophenhilfe und Unterstützung beim Wiederaufbau zu leisten.