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Daueralarm auf der schwimmenden Klinik
12.02.2010, 18:51 Uhr
Schneeweiß und mit riesigen roten Kreuzen: das schwimmende US-Krankenhaus vor Haiti (Foto: AP)Auf dem Deck des riesigen, blendend weißen Krankenhausschiffs "USNS Comfort" landet ein Hubschrauber nach dem anderen. Rettungskräfte in Uniform eilen herbei und schleppen einen Verletzten auf einer Trage nach draußen - dann einen zweiten, einen dritten und einen vierten. Seit die USA ihre schwimmende Klinik der US-Marine nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti in das Katastrophengebiet entsendet hat und das Schiff am Dienstag vor der Hauptstadt Port-au-Prince vor Anker gegangen ist, sind Ärzte und Helfer dort unermüdlich im Einsatz.
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Spuren auf den Körpern
Brüche, klaffende Wunden, Kopfverletzungen - im zentralen Behandlungsraum des weißen Lazarettschiffes werden die unterschiedlichsten Verletzungen behandelt. Auf den Körpern der Menschen, die in den insgesamt 1000 Betten liegen, hat das schwere Erdbeben, das Haiti am 12. Januar vergangener Woche erschütterte und mindestens 110.000 Menschen das Leben kostete, seine Spuren hinterlassen.
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Viele Kinder müssen auf der "USNS Comfort" behandelt werden (Foto: AP)
Die Hälfte sind Kinder
In einem der Betten liegt ein kleines Mädchen. Sie hat ein Bein in Gips, ihr linker Arm steckt in einer Schiene. Neben ihrem Kopfkissen sitzt ein Fuchs aus Plüsch. Am Bett nebenan stehen gleich mehrere Ärzte, die Patientin dort hat Probleme beim Atmen. Zwei Betten weiter liegt ein Junge, dessen Füße unter der Bettdecke hervorgucken. Er wird gerade behandelt und schreit vor Schmerzen. "Die 'Comfort' hat schon 221 Patienten aufgenommen", berichtet der Sprecher der schwimmenden Klinik, Bashon Mann. Fast die Hälfte von ihnen sind Kinder.
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Wie eine moderne Klinik
Auf das 273 Meter lange Schiff mit den großen roten Kreuzen, das ausgestattet ist wie eine moderne Klinik an Land, werden nur die Erdbebenopfer mit den schwersten Verletzungen gebracht. "Wir nehmen eine gewaltige Zahl von Menschen auf", sagt der sichtlich übermüdete Kinderorthopäde William Todd. Er rechnet damit, dass es noch Wochen oder sogar Monate so weiter geht.
Katastrophenerprobt
Das Lazarettschiff, das aus Baltimore im Bundesstaat Maryland an der amerikanischen Ostküste in die Karibik gekommen ist, um die überfüllten Krankenhäuser im Erdbebengebiet zu entlasten, bietet den Angehörigen der Verletzten an, mit an Bord zu kommen. Viele Menschen kämen aber alleine, "weil sie so viele verloren haben", erzählt der Kinderorthopäde. Auf der "Comfort", die nach den Terroranschlägen vom 11. September in New York und nach den Hurrikanen "Katrina" und "Rita" 2005 vor New Orleans im Einsatz war, stehen sechs Operationssäle zur Verfügung, in denen die Ärzte auch komplizierte Operationen vornehmen können.
Die richtige Behandlung
Viele Menschen werden auf das Schiff gebracht, weil sich ihre Wunden entzündet haben, wie der Armeearzt Todd berichtet: "Wir haben hier viele Verletzungen, die lebensbedrohlich werden können, wenn sie nicht richtig behandelt werden." Manchmal sei der Wundbrand schon so weit fortgeschritten, dass eine Amputation unumgänglich sei. Vor allem bei den kleinen Patienten komme das aber nur selten vor. Kinder seien sehr anpassungsfähig, sagt Todd. "Und ehe man sich versieht, geht es ihnen wieder so gut, als wäre nie etwas passiert."
Unterstützung vom Schwesterschiff
Während der Arzt im Innern des Schiffes von den kleinen Erfolgserlebnissen der Besatzung berichtet, reißt auf Deck der Strom der Verletzten nicht ab. Aus einem Marine-Hubschrauber steigt eine Frau mit einem verbundenen Arm. Sobald die Patientin sicher an Bord ist, hebt der Hubschrauber zu einem neuen Rettungseinsatz ab. Um den großen Ansturm zu bewältigen, wollen die USA auch das Schwesterschiff der "Comfort", die "USNS Mercy", nach Haiti verlegen.
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www.welthungerhilfe.de
Quelle: AFP