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Erdbeben Haiti: EU entsendet Polizei-Einheit ins Erdbebengebiet

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EU entsendet Polizei-Einheit

12.02.2010, 18:51 Uhr

Nach dem Erdbeben in Haiti kommt es in der Hauptstadt Port-au-Prince zu Plünderungen (Foto: dpa) Nach dem Erdbeben in Haiti kommt es in der Hauptstadt Port-au-Prince zu Plünderungen (Foto: dpa)Eine europäische Polizeimission soll in Haiti die Verteilung von Hilfsgütern sichern. Die EU-Außenminister einigten sich in Brüssel auf die Entsendung von gut 300 Militärpolizisten in das Erdbebengebiet, wie ein Diplomat mitteilte. Die Zahl der bestätigten Todesopfer in Haiti ist unterdessen auf über 150.000 gestiegen.

Die Polizisten sollen der UN-Blauhelmtruppe (MINUSTAH) unterstellt werden, die in Kürze auf 12.500 Soldaten aufgestockt werden soll. An der Polizeimission beteiligen sich bis zu sechs EU-Staaten. Frankreich und Italien wollen jeweils gut 100 Polizisten entsenden, die Niederlande weitere 60. Auch Spanien, Portugal und Rumänien planen einen Beitrag.

Deutschland nimmt nicht teil

Deutschland nimmt vorerst nicht teil. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) begründete dies in Brüssel mit der Zuständigkeit der Bundesländer für den Katastrophenschutz. "Entscheidend ist, dass die Hilfe ankommt", sagte Westerwelle.

HaitiRettung nach anderthalb Wochen
ObdachloseUmsiedlung geplant

Mindestens 150.000 Tote

Die Zahl der bestätigten Todesopfer ist inzwischen auf über 150.000 gestiegen. Die tatsächliche Zahl liegt aber vermutlich noch höher, da in der Bilanz bislang weder die Opfer außerhalb der Hauptstadt noch die Toten enthalten sind, die von ihren Angehörigen verbrannt oder sofort beerdigt wurden.

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Eine Million Obdachlose befürchtet

Die Vereinten Nationen rechnen unterdessen damit, dass durch das Erdbeben bis zu eine Million Menschen obdachlos geworden sein könnten. Immer mehr Menschen würden die haitianische Hauptstadt Port-au-Prince verlassen. Schon 235.000 Einwohner hätten der Hauptstadt mit kostenlosen Transportmitteln des Staates den Rücken gekehrt, heißt es in einem UN-Report. Hinzu kämen allerdings viele weitere Überlebende, die Port-au-Prince auf eigene Faust verlassen hätten. Hilfsorganisationen bemühten sich derzeit, einen Überblick über die Flüchtlinge zu bekommen.

Nach dem Erdbeben in Haiti: Ein Mann errichtet in einem Flüchtlingslager in Port-au-Prince ein Zelt (Foto: Reuters) Nach dem Erdbeben in Haiti: Ein Mann errichtet in einem Flüchtlingslager in Port-au-Prince ein Zelt (Foto: Reuters)

Minister beraten über Hilfseinsatz

Im kanadischen Montreal planen unterdessen die Außenminister mehrerer Staaten eine große internationale Geberkonferenz. Dabei soll unter anderem der bisherige Verlauf des Hilfseinsatzes zur Sprache kommen, wie der gastgebende kanadische Außenminister Lawrence Cannon sagte. Das jetzige Treffen solle zunächst sicherstellen, "dass wir einen Aktionsplan haben" und dass die Koordination kurzfristig besser funktioniere.


Italienischer Experte: Hilfe gescheitert

Der Leiter des italienischen Katastrophenschutzes erklärte unterdessen, er halte die internationale Hilfe für Haiti für gescheitert. Der militarisierte Ansatz der USA sei ineffektiv und gehe an den Bedürfnissen der Menschen vorbei, erklärte Guido Bertolaso. Er hatte 2009 die Hilfe nach dem Erdbeben in den Abruzzen geleitet und dafür viel Lob bekommen. Was dringend gebraucht werde, sei ein ziviler Koordinator der Hilfe, erklärte Bertolaso.

"Beeindruckende Schau"

Einzelne Länder und Hilfsorganisationen sollten aufhören, ihren Beitrag in den Vordergrund zu spielen oder vor Kamerateams zu posieren. "Unglücklicherweise gibt es dieses Bedürfnis, vor den Kameras gut auszusehen, statt sich darauf zu konzentrieren, was unter den Trümmern ist", sagte Bertolaso im Sender RAI. Die US-Militäroperation in Haiti nannte er gut gemeint, aber ineffektiv. Es sei eine beeindruckende Schau der amerikanischen Macht, habe aber leider nichts mit der Realität der Menschen zu tun.



Hier können Sie spenden:

  • Aktion Deutschland Hilft Stichwort: Erdbeben Haiti
    Spendenkonto: 10 20 30 Bank für Sozialwirtschaft BLZ: 370 205 00
    Spendenhotline: 0900 55 102030 oder www.aktion-deutschland-hilft.de
  • Deutsches Rotes Kreuz Stichwort: Haiti
    Spendenkonto: 41 41 41 Bank für Sozialwirtschaft BLZ: 370 205 00
    www.drk.de/spenden
  • Welthungerhilfe Stichwort: Nothilfe Haiti
    Kontonummer: 11 15 Sparkasse KölnBonn BLZ: 370 501 98
    www.welthungerhilfe.de



Quelle: dpa , AFP , dapd

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