20.05.2010, 11:48 Uhr
Die beiden Mädchen aus Sachsen sind wohlbehalten nach Deutschland zurückgekehrt (Foto: dpa)
Die beiden Mädchen aus Sachsen, die nach fast einjähriger Entführung im Jemen freigelassen wurden, sind wieder in Deutschland. Die beiden Mädchen gehören zu einer fünfköpfigen Familie, die Mitte Juni vergangenen Jahres zusammen mit anderen Ausländern im Nord-Jemen verschleppt worden war.
Die Kinder wurden während ihrer Rückreise von Experten des Krisenstabs betreut, teilte das Auswärtige Amt mit. Eine Maschine der Flugbereitschaft der Bundeswehr mit den beiden sechs- und vierjährigen Mädchen an Bord sei am Nachmittag in Dresden gelandet, berichtete die "Sächsische Zeitung".
Die Kinder seien weder unterernährt noch sonnenverbrannt. Dies lasse nach Darstellung deutscher Kreise darauf schließen, dass die Mädchen sich in den vergangenen Monaten in der Obhut einer Familie oder in Betreuung einer Frau befunden hätten. Es werde angenommen, dass die Kinder schon seit Monaten von ihren Eltern getrennt seien. Das ältere Mädchen verstehe noch ein bisschen Deutsch, beide würden aber arabisch sprechen.
Die Mädchen waren von Sicherheitskräften des benachbarten Saudi-Arabien unter bislang nicht näher bekannten Umständen im Grenzgebiet zwischen beiden Ländern befreit worden. Das Schicksal ihrer Eltern und ihres kleinen, zwei Jahre alten Bruders ist dagegen weiter unklar. Es gebe keine Gewissheit, sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Berichte, wonach der Bruder tot sei, wurden bisher nicht bestätigt.
Offenbar seien die Kinder nicht gewaltsam befreit worden, heißt es in der "Sächsischen Zeitung". Sie seien im Grenzgebiet zwischen Saudi-Arabien und dem Jemen an saudische Sicherheitskräfte übergeben worden. Beide Kinder trugen demnach hübsche Kleider. Dies lasse nach Einschätzung deutscher Experten darauf schließen, dass die Übergabe verabredet und vorbereitet gewesen sei. Die Kinder seien niemandem bei Nacht und Nebel entrissen worden, hieß es. Die Mädchen waren am Vortag in Saudi-Arabien an die deutsche Delegation übergeben worden. Das Auswärtige Amt hatte dem Bericht zufolge den Leiter des Krisenstabes, einen Kinderarzt und eine Psychologin nach Riad entsandt. Zur Delegation gehörten auch Ermittler des Bundeskriminalamtes und eine Tante der Kinder.
Ebenfalls noch vermisst wird im Jemen ein zusammen mit der Familie entführter britischer Ingenieur. Zwei deutsche Pflegehelferinnen und eine südkoreanische Lehrerin, die auch zu deren Reisegruppe gehörten, waren wenige Tage nach der Verschleppung ermordet aufgefunden worden. Die Entführung soll zwischen schiitischen Rebellen und dem Terrornetzwerk Al-Kaida abgestimmt worden sein.
Quelle: AFP
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