14.04.2011, 16:56 Uhr | dapd
Wustermark (dapd-lbg). Das in Wustermark geplante Gaskraftwerk widerspricht nach Ansicht eines Wissenschaftlers Bemühungen um eine alternative Energiegewinnung. Das von der Landesregierung befürwortete Projekt sei ein "Bremsklotz für die weitere Entwicklung erneuerbarer Energien und deren Industrie in Brandenburg", sagte der Energie- und Umweltexperte Jürgen Rochlitz am Donnerstag in Wustermark. Rochlitz ist Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands der Bürgerinitiativen für Umweltschutz sowie Mitglied der Kommission für Anlagentechnik, die in diesen Fragen auch die Bundesregierung berät.
Auf Bitten der Bürgerinitiative Wustermark, die den Bau des Kraftwerks verhindern will, habe er das Vorhaben bewertet und dabei "entscheidende Schwachpunkte" analysiert, sagte Rochlitz. Das Kraftwerk, das die Advanced Power AG in der havelländischen Gemeinde entwickeln will, sei "zu groß und unflexibel, zu laut und zu ineffizient". Zudem sei der Abstand der Anlage zu angrenzenden Siedlungsbereichen zu gering.
Die von den Projektentwicklern angekündigte Bruttostromerzeugung des Gaswerks von jährlich elf Megawattstunden sei "völlig überdimensioniert", fügte Rochlitz hinzu. Damit könne fast der gesamte Stromverbrauch des Landes von 14 Megawattstunden gedeckt werden. Inzwischen gebe es aber so viele Solaranlagen in Brandenburg, dass gar kein Bedarf für das Gaskraftwerk bestünde. Ginge das Gaskraftwerk ans Netz, bräuchte Brandenburg kein einziges Braunkohlekraftwerk mehr, sagte der Experte.
Rochlitz monierte zudem eine unzureichende Risiko- und Störfallbewertung der geplanten Anlage sowie negative Folgen für benachbarte natürliche Lebensräume. "Größter Knackpunkt" sei jedoch die geringe Effizienz des 1.200-Megawatt-Kraftwerks. Der von den Planern diagnostizierte Netto-Wirkungsgrad von 59 Prozent sei im Vergleich mit anderen Kraftwerken zwar ein Spitzenwert. Allerdings würden in Wustermark allein 800 Megawatt nur über Ventilatoren "in die Luft geblasen", kritisierte Rochlitz. "Dass die Landesplanung das Vorhaben trotz dieses Defizits gutheißt, ist ein Trauerspiel."
Das Infrastrukturministerium hatte vor einigen Wochen erklärt, dass das Gaskraftwerk mit den Zielen der Raumordnung vereinbar sei. Allerdings müssten Maßgaben zur Vorsorge bei möglichen Störfällen und für den Lebensraum geschützter Tiere beachtet werden.
Der Bau des Kraftwerks soll 2012 beginnen und 2015 fertiggestellt werden. Die Investitionssumme wird vom Projektentwickler mit 640 Millionen Euro beziffert. Noch ist das Genehmigungsverfahren nicht abgeschlossen. Auch steht in Wustermark laut Bürgerinitiativen-Sprecherin Michaela Belter die endgültige Entscheidung zur Ansiedlung des Gaskraftwerks noch aus.
dapd
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