07.11.2011, 18:36 Uhr | dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
Magdeburg (dpa) - Angesichts sinkender Mitgliederzahlen will die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am eingeschlagenen Reformkurs und der Mission im eigenen Land festhalten.
Während sich einerseits viele Menschen auf die Suche nach Gott machten, gebe es andererseits auch die Erfahrung, dass die Botschaft des Glaubens in Deutschland weniger angenommen werde, hieß es am Montag bei der EKD-Jahrestagung in Magdeburg. Die Kirchenparlamentarier berieten dort über Wege, wieder mehr Menschen für den Glauben zu begeistern. Dieser verliert nach Einschätzung der Kirche zunehmend an Selbstverständlichkeit.
Erstes Ziel von Mission müsse nicht die Rekrutierung neuer Mitglieder, sondern die Übermittlung des Wortes Gottes in einer Welt voller geistiger Erschöpfung sein, sagte Hannovers Landesbischof Ralf Meister bei der Vorlage eines Grundsatzpapiers zur Mission.
Die Kirche stellte selbstkritisch fest, dass sie am eigenen Bedeutungsverlust nicht ganz unschuldig ist. Der Reformeifer habe sie mitunter zu einer besinnungslosen Geschäftigkeit und einem Verlust an innerlicher Tiefe geführt. Die Kirche müsse wieder stärker die Sprache der Menschen sprechen, forderte ein Kirchendelegierter in der Debatte. Derzeit gibt es in Deutschland gut 24 Millionen Protestanten, vor fünf Jahren waren es noch 1,4 Millionen mehr.
Ebenfalls Thema der Kirchentagung war am Montag die umstrittene Lohnpolitik in der Diakonie. Zwar hatte der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider Sanktionen gegen Einrichtungen angekündigt, die über Zeitarbeit oder Ausgründungen das Lohnniveau unterlaufen. Von den Gewerkschaften geforderte klassische Tarifverhandlungen mit Streikrecht und Aussperrungen will die Kirche indes nicht zulassen.
Stattdessen soll der sogenannte Dritte Weg der Kirche, bei dem von Arbeitgeber und Arbeitnehmer besetzte Kommissionen einvernehmlich über die Gehälter entscheiden, erstmals in einem Kirchengesetz festgehalten werden. Dieses betrifft rund 1,2 Millionen Beschäftigte in Diakonie und Kirche und soll am Mittwoch verabschiedet werden.
Quelle: dpa
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