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Flockes erster Auftritt
08.04.2008, 12:33 Uhr
Flocke erkundet das Freigehege (Quelle: dpa)Das Eisbärenmädchen Flocke aus dem Nürnberger Tiergarten ist heute zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert worden. Das dreieinhalb Monate alte Jungtier war bislang lediglich auf Fotos oder in Videoaufnahmen zu sehen. Im Freigehege stand der Eisbär zunächst rund 360 Medienvertretern aus aller Welt, unter anderem das amerikanische und japanische Fernsehen, sowie 50 Mitgliedern des Vereins der Tiergartenfreunde gegenüber. Ab morgen kann das Bärenkind im Tiergarten von Besuchern bestaunt werden.
Foto-SerieSo präsentiert sich Flocke beim ersten Auftritt
VideoFlocke in Aktion
Hintergrund Flockes Leben im Nürnberger Tiergarten
Eisbärin ist Botschafterin des Klimaschutzes
Nürnbergs Tiergartenchef Dag Encke sieht die kleine Eisbärin Flocke als Botschafterin für den Klimaschutz. "Eisbären wecken Emotionen, und über diese Emotionen erreichen wir das Bewusstsein der Menschen", sagte Encke am Dienstag. "Auch mit der großen Sympathie, die die Menschen Flocke entgegenbringen, können wir direkter die Gefahren für die Eisbären durch den Klimawandel vermitteln, als wenn von der eher fremden Arktis berichtet wird."
Foto-SerieSo niedlich ist Flocke
Foto-SerieSo niedlich war Knut
"Kein kleiner Teddy"
Die Menschen sollten Flocke nicht als kleinen Teddy, sondern als Sinnbild für Artenschutz und nachhaltiges Wirtschaften ansehen, sagte Encke. Der Treibhauseffekt werde den Eisbären in freier Wildbahn buchstäblich den Boden unter den Füßen wegziehen. "Das Überleben eines Eisbären in der Arktis steht auch für das Leben vieler Menschen." Nach Encke ist die Population von bis zu 25.000 in freier Wildbahn lebenden Eisbären durch das Abschmelzen des arktischen Eisschildes bedroht.
Bürgermeister rechnet mit Besucheransturm
Nürnbergs Bürgermeister Horst Förther (SPD) betonte, dass bei der Vermarktung Flockes Nachhaltigkeit und Umweltschutz die wichtigste Rolle spielten. "Monetäre Gründe" stünden nicht an erster Stelle, sagte Förther. Der Bürgermeister rechnet ab Mittwoch mit einem enormen Zuschauerstrom zum Gehege der Eisbärin.
Protest gegen "gnadenlose Vermarktung" Flockes
Unter dem Motto "Born to be wild" protestierte die Organisation Menschen für Tierrechte mit einer Mahnwache gegen die ihrer Ansicht nach "gnadenlose Vermarktung" des Eisbären. "Flocke wird als Projektionsfläche für nicht gelebte menschliche Gefühle benutzt, um Geld in die städtischen Kassen zu spülen", kritisierten die Tierschützer. Eisbären in Zoos gaukelten den Besuchern eine heile Welt vor. Die Gefährdung der Lebensräume vieler Tierarten werde verdrängt.
Biografie und Sachbilderbuch
Die Vermarktung der kleinen Nürnberger Eisbärin Flocke läuft auf Hochtouren. So bekommt das Tier pünktlich zu seinem ersten öffentlichen Auftritt eine eigene Biografie: "Hallo, ich bin Flocke" heißt das Buch, das der Nürnberger Tessloff-Verlag auf den Markt bringt. Im Juni solle außerdem ein Sachbilderbuch erscheinen, teilte der Verlag mit.
Sonderkollektion an Kuschel-Eisbären
Auch als Steiff-Kuscheltier ist Flocke zu haben. In einer Partnerschaft mit der Stadt Nürnberg sei eine Sonderkollektion mit drei unterschiedlichen Eisbären entstanden, teilte das Unternehmen mit. Flocke sei wahlweise liegend, sitzend oder als Schlüsselanhänger erhältlich. Das baden-württembergische Unternehmen Margarete Steiff GmbH (Giengen) hat bereits den Berliner Eisbären Knut vermarktet. Vom "Kuschel-Knut" wurden den Angaben zufolge mehr als 100.000 Exemplare verkauft.
Seit fast 100 Jahren Eisbären in Nürnberg
Tiergarten-Vize Helmut Mägdefrau verwies vor mehreren hundert Journalisten aus aller Welt auf die fast 100-jährige Geschichte der Eisbärenhaltung im Nürnberger Tiergarten. Die erfolgreiche Zucht habe 1948 begonnen. Seither habe der Tiergarten Erfahrung mit der Handaufzucht gesammelt. Sieben Eisbärenkinder seien von ihren Müttern großgezogen worden. Tierarzt Bernhard Neurohr beschrieb Flocke als perfekt, pfiffig, munter und fidel. "Sie benimmt sich wie ein Bär", sagte der Veterinär.
Flocke sollte eigentlich von ihrer Mutter aufgezogen werden
Ursprünglich sollten auch Flocke und ihre Halbgeschwister von ihren Müttern Vera und Vilma aufgezogen werden. Anfang Januar 2008 hatte aber zunächst Vilma ihre beiden vermutlich kranken Babys gefressen. Dann zeigte sich auch Vera plötzlich "sehr verstört und hektisch", erinnerte Mägdefrau an den 8. Januar 2008. Vera trug ihr Junges aus dem Stall und ließ es wiederholt auf den harten Steinboden fallen. "Das hohe Risiko, dass das Jungtier zu Tode kommt, hat uns veranlasst, einzuschreiten und Flocke von Hand aufzuziehen."
Quelle: dpa
, AFP
, ddp