Türken laut Zahlen aus 2005 am schlechtesten integriert
23.02.2009, 10:21 Uhr
Türken in Deutschland: laut Studie nur schlecht integriert (Quelle: imago)
Türkischstämmige Migranten sind einer Studie zufolge in Deutschland weitaus schlechter integriert als andere Zuwanderergruppen. Selbst in der zweiten Generation verbesserten sich die Werte nur geringfügig. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Spiegel" unter Berufung auf eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Allerdings stammt der Mikrozensus - die Datengrundlage der Studie - bereits aus dem Jahr 2005 - darauf wies auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, hin.
Die vom Bevölkerungs-Institut Studie vergleicht indes auf Grund der relativ alten Zahlen erstmals die Integrationserfolge einzelner Migrantengruppen, darunter auch der Zuwanderer mit deutschem Pass, und vergleicht die einzelnen Bundesländer nach deren Integrationserfolgen.
Die Ergebnisse, die die Wissenschaftler am Montag vorstellen werden, sind erschreckend: 30 Prozent der Türken und Türkischstämmigen haben demnach keinen Schulabschluss. Nur 14 Prozent hätten das Abitur, nicht einmal halb so viele wie in der deutschen Bevölkerung und weniger als bei den anderen Zuwanderergruppen. Auch hätten Menschen mit türkischem Migrationshintergrund den geringsten Erfolg aller Migranten im Arbeitsleben: Sie seien häufig erwerbslos, die Hausfrauenquote sei hoch, viele seien abhängig von Sozialleistungen, berichtet der "Spiegel".
Viele Schüler verstehen kein Deutsch
Besonders schlecht verläuft die Integration der türkischen Migranten im Saarland: 45 Prozent der Türken und Türkischstämmigen dort seien ohne jeglichen Bildungsabschluss. Der Schlüssel zu Bildung und Erfolg sei die Sprache, sagte Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts. "Wir haben uns viel zu lange daran gewöhnt, dass wir Grundschulklassen haben, in denen 80 Prozent kein Deutsch verstehen", kritisierte er laut "Spiegel".
Die Gruppe der Aussiedler liegt dem Bericht zufolge im Gegensatz zu den Türken bundesweit überraschend gut: Nur drei Prozent seien ohne Abschluss, 28 Prozent hätten sogar die Hochschulreife. Die Berliner Wissenschaftler hatten einen Index mit 20 Indikatoren zur Messung von Integration entwickelt.
Schäuble dennoch zuversichtlich
Trotz der erschreckenden Ergebnisse der Studie ist Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) überzeugt, dass die großen Probleme bald gelöst sein werden: "Warten Sie einfach noch einmal vier Jahre CDU-geführte Regierung ab", sagte er dem "Spiegel". Er verwies darauf, dass die Integrationskurse inzwischen besser angenommen würden. Wichtig sei, niemanden auszugrenzen: "Wir müssen den sozial Schwächeren, die sich über Generationen abgeschottet haben, sagen: Ihr seid wichtig. Wir schätzen Euch, Ihr seid so viel wert wie die anderen auch."
Integrationserfolge hängen von Bundesländern ab
Die Unterschiede innerhalb Deutschlands zeigten aber, dass bei der Integration viel von den Bundesländern abhänge. Die größten Integrationserfolge seien demzufolge in Hessen zu verzeichnen. Außerdem erinnerte der Innenminister den Integrationsgipfel, den es seit 2006 gibt und zu dem Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Medien, Migranten- und Sportverbänden ins Kanzleramt eingeladen werden.