Startseite Jetzt online bestellen und 10% Rabatt sichern

Sie sind hier: Home > Nachrichten > Ausland > Krisen & Konflikte >

Eine Stadt wird zum Schweigen gebracht

...

Eine Stadt wird zum Schweigen gebracht

26.06.2009, 15:10 Uhr | Von Ulrike Putz, Spiegel Online

Manche sind unerschrocken, viele frustriert: Es scheint, dass das iranische Regime die Protestbewegung in die Schranken gewiesen hat (Foto: Reuters) Manche sind unerschrocken, viele frustriert: Es scheint, dass das iranische Regime die Protestbewegung in die Schranken gewiesen hat (Foto: Reuters)

Vor kurzem drohte Irans Staatsmacht von den Protesten überrollt zu werden, jetzt unterbindet sie jegliche Auflehnung strikt. Tausende Polizisten stehen vor Teherans Universitäten, die Innenstadt gleicht einem Heerlager. Nur kleine Gruppen trauen sich noch auf die Straßen.

Teherans stellvertretender Polizeichef scheint ein Mann mit Sinn für Humor. Nicht weniger als 10.000 seiner Leute würden in den nächsten Tagen die Universitäten Teherans bewachen, erklärte er dem iranischen Sender Press TV am Donnerstag. So solle "die Sicherheit der Studenten vergrößert und garantiert werden", sagte Hossein Saschedi-Nia. Die Bürgerproteste seit den Wahlen am 12. Juni hätten die Maßnahme notwendig gemacht. Ein zynischer Kommentar: In Wahrheit dürfte die Erklärung für das massive Polizeiaufgebot eine andere sein. Zehntausende Abiturienten zusammen an einem Ort, das ist der Stoff, aus dem derzeit die Alpträume des iranischen Regimes gemacht sind.



Keimzellen des Aufstands

Denn die erste Hälfte von 1,2 Millionen Schulabgängern wird in den kommenden drei Tagen in Iran die zentralen Aufnahmeprüfungen für die staatlichen Unis absolvieren, Bewerber für Privat-Unis sind in einer Woche dran. Die Universitäten waren in den vergangenen Tagen des Protests gegen den mutmaßlichen Wahlbetrug Keimzellen des Aufstands gegen das Regime. Um den studentischen Widerstand zu brechen, drohten die Behörden zwischenzeitlich, die Prüfungen ganz abzusagen. Ein ganzer Abi-Jahrgang hätte dann ein Jahr verloren. Nun scheint die Staatsmacht ihre Taktik geändert zu haben: Die Prüfungen sind ein exzellenter Vorwand, um die massive Polizeipräsenz auf den Straßen der iranischen Hauptstadt zu rechtfertigen.


Immer brutaler

Seit dem vergangenen Wochenende sind die Proteste in Iran immer brutaler niedergeschlagen worden. Nach nicht bestätigten Augenzeugenberichten - westliche Journalisten dürfen ihre Büros in Teheran nicht mehr verlassen - wurde dabei wiederholt auf Demonstranten geschossen. Neda, die junge Frau, die am Samstag vermutlich Opfer eines Heckenschützen des Regimes wurde, wurde zum Symbol der Gewalt, die die Führung gegen das eigene Volk ausübt. Ihr Tod wurde gefilmt und das erschütternde Video auf der ganzen Welt verbreitet.


Nur noch kleine Gruppen

Seit Dienstag nun hat sich die Lage auf den Straßen der Zwölf-Millionen-Metropole Teheran geändert: Sahen sich die Sicherheitskräfte anfangs noch Menschenmassen gegenüber, so sind es inzwischen nur noch kleine Gruppen, die sich auf die Straßen trauen. "Wer kann es ihnen verübeln?", fragte Alireza Ronaghi, Korrespondent des arabischen Nachrichtensenders al-Dschasira in Teheran am Donnerstag. Ronaghi berichtete, an jeder zweiten Straßenkreuzung in der Hauptstadt seien Hundertschaften von Sicherheitskräften stationiert. "Sie erlauben es den Leuten gar nicht erst, zusammenzukommen." Der massenhafte Protest, der die Staatsführung vergangene Woche überrascht hat, ist unmöglich geworden.

Mussawis Durchhalteparolen

Oppositionspolitiker Mir Hussein Mussawi gibt Durchhalteparolen an seine Anhänger aus. Er bekräftigte seinen Kampfeswillen und wiederholte auch am Donnerstag seine Vorwürfe, es habe bei den Präsidentschaftswahlen massive Manipulationen gegeben. Doch seine Bewegungsfreiheit ist offenbar stark eingeschränkt. So konnte er sich nur noch über seine Web-Seite zu Wort melden - und beklagte die Schließung einer oppositionellen Zeitung. Zudem seien 25 Autoren seiner Internet-Seite verhaftet worden. Er habe kaum mehr Möglichkeiten, um mit seinen Anhängern in Kontakt zu treten.

Profs und Akademiker festgenommen

Insgesamt sollen seit dem Ausbruch der Proteste gegen die Präsidentenwahl 40 Journalisten in Iran verhaftet worden sein. Das berichtet die amerikanische Organisation "Komitee zum Schutz von Journalisten". Nach Informationen aus dem Lager Mussawis wurden auch 70 Professoren und andere Akademiker festgenommen, nachdem sie sich mit dem Oppositionsführer getroffen hatten. Dies bestritt die Regierung: Mitarbeiter der Generalstaatsanwaltschaft hätten lediglich mit einigen von ihnen "Gespräche" geführt, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Fars am Donnerstag.

Kundgebung abgesagt

Eine für diesen Donnerstag angekündigte "Trauerkundgebung" der iranischen Opposition, zu der der unterlegene Präsidentschaftskandidat Mahdi Karrubi aufgerufen hatte, wurde abgesagt. Die Behörden hätten für die Veranstaltung keinen geeigneten Ort zur Verfügung gestellt, hieß es aus dem Lager Karrubis. Er war bei der Präsidentschaftswahl nach offiziellen Ergebnissen deutlich abgeschlagen hinter Ahmadinedschad und Mussawi gelandet.

Unerschrockenes Häuflein

Während sich immer weniger Demonstranten auf die Straßen wagen, gibt ein unerschrockenes Häuflein nicht auf. Wie die "Los Angeles Times" berichtet, warten vor dem Evin-Gefängnis Angehörige auf Nachricht von ihren verhafteten Verwandten und Freunden. Die meisten Demonstranten, die in den vergangenen Tagen festgenommen wurden, sind hier eingesperrt.

Große Enttäuschung

Vor dem Gefängnis harren die Angehörigen aus, manche gehen auf und ab, andere sitzen auf Plastikstühlen und trinken Tee. Viele haben ihre Gehaltsschecks dabei, die sie als Kaution hinterlegen wollen, um die Inhaftierten freizubekommen. Manche telefonieren aufgeregt mit ihren Handys, die mittlerweile wieder Empfang haben. An den Wänden kleben Zettel, auf denen die Namen der Gefangenen aufgelistet sind. Es sind mehr als 700. Groß ist die Enttäuschung bei denen, die den Namen von vermissten Angehörigen nicht auf den Listen finden. Trotzdem wollen sie bleiben und auf neue Nachrichten warten.



Quelle: dpa

Inhalt versenden Versenden
Leserbrief An die Redaktion
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"Eine Stadt wird zum Schweigen gebracht" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "Eine Stadt wird zum Schweigen gebracht" gefallen hat.

 
schließen

Kommentare (0)

zum Forum

Thema: "Eine Stadt wird zum Schweigen gebracht"

Seite:

Kommentar schreiben

Name
Betreff
Kommentar: (Maximal 500 Zeichen)

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Haken

Vielen Dank. Ihr Kommentar wurde versendet!

Kommentar schreiben



Zu diesem Artikel/Thema können keine weiteren Kommentare mehr abgegeben werden.

Kommentar melden

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

 

Haken

Vielen Dank! Ihr Hinweis wurde von der Redaktion entgegengenommen.
mailing-ifrarr

Shopping

Einkaufswelt
Riesiger Fernsehgenuss
Knüller knallhart bei euronics.de

Tolle Bildqualität & kleiner Preis: 94 cm Grundig-LCD-TV (EEK: C) jetzt nur 555,- €. bei euronics.de

Einkaufswelt
14,95 €-Gutschein sichern
Gutschein-Aktion bei KLiNGEL.de

Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de

Einkaufswelt
Premium-Freizeitmode
BRAX - Premium-Mode vom Passformspezialisten

Attraktive und sportive Mode für Sie und Ihn: kompromisslose Qualität, die überzeugt. zum Special

Einkaufswelt
Hier sparen Sie bis zu 90%
Bildschöne Mai-Schnäppchen zum kleinen Preis - bei Hugendubel.de

Bildschöne Mai-Schnäppchen: Bücher, Tablet-PC, eBook-Reader und mehr. bei Hugendubel.de


Downloads & Shops

Minus 29%: CutOut PRO
CutOut PRO (Quelle: Softwareload)

Der Meister für feinste Freistellungen und präzise Montagen. mehr

Historische Traktoren
Agrar Simulator: Historische Landmaschinen (Quelle: Koch Media)

Landmaschinen der 50er bis 70er Jahre fahren. Spiel jetzt kaufen

Badeurlaub in Kroatien ab 572,- €/P.
Last Minute bei t-online.de Reisen (Quelle: t-online.de)

1 Woche im 4-Sterne- Hotel mit AI und Flug.


Aus anderen Bereichen

Whistleblower gefeu- ert: Firma muss zahlen
Altenpflegerin Brigitte Heinisch (Quelle: dpa)

Altenpflegerin erhält 5- stellige Abfindung. mehr

Es bleibt dabei: Hertha muss in die zweite Liga
Fans stürmen den Rasen beim Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC.

Bizarre Kriegsvergleiche ziehen nicht. mehr


Anzeigen

Anzeige
Anzeige
Einkaufswelt
Unglaubliche Ersparnis
Tiefpreise: Patronen für Canon-Drucker bei druckerzubehoer.de

Bis zu 92% auf Patronen für Marken-
drucker. von druckerzubehoer.de

Augenblicke
Fotos des Tages
Der Formel Eins Bolide des Finnen Heikki Kovalaien wird mit einem Kran von der Fahrbahn gehievt. (Quelle: Reuters\Olivier Anrigo )

Ein Kran hievt einen Boliden von der Strecke. mehr

Special
Die neuen Kriege
US-Soldaten beim Einsatz in Afghanistan (Quelle: Reuters)

Moderne Kriegsführung und moderne Waffen. mehr

Aus dem All
Satellitenbild der Woche

Wie Außerirdische die Erde sehen würden. zur Foto-Serie

Quiz
Rätseln Sie sich schlau!
(Montage: t-online.de)

Quiz bei t-online.de: Testen Sie Ihr Wissen. zur Quiz-Seite

Anzeige

Zur breiten Ansicht
© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige