
18.08.2011, 09:54 Uhr | Von Nicolas Schöneich
Letzte Ruhestätte in einer Patrone? (Foto: Holy Smoke/imago)
Warum nach dem Tod in einer Urne herumstehen, wenn man auch noch was erleben kann? Ein US-Startup steckt die Asche Verstorbener in Gewehrmunition.
Wahrscheinlich möchte man in Stockton, Alabama, einfach nicht begraben sein. Ein paar Häuser, neben den Highway geworfen und in den Wäldern verteilt. Ein Kaff, das sich der ältesten Scheune des US-Bundesstaats rühmt und das selbst die lokalhistorische Gesellschaft als "nicht gerade florierend" beschreibt. Sieht man einmal von den verbliebenen Familien ab, die fleißig "untereinander heiraten und für viel Verwandtschaft sorgen".
Dieser Verwandtschaft will mancher hier auch nach dem Tod noch nahe und nützlich sein. Und weil die Wälder reich an Rehen, Truthähnen und Wachteln sind, kam zwei Wildhütern die Idee für einen würdigen Abgang. Man nimmt die Verblichenen mit auf die Jagd. In Pistolen- oder Gewehrpatronen.
"Wir lauerten nachts auf Wilderer", sagt der Ranger Thad Holmes, "und sprachen über einen verstorbenen Verwandten, und was so eine Beerdigung kostet." Es wurde philosophisch im Forst, zwischen Holmes und seinem Kollegen Clem Parnell entspann sich eine Debatte über ihre Vorstellungen von Ewigkeit "Clem sagte: ,Ich will kremiert werden. Meine Asche soll in Schrot gestopft werden, und einer, der weiß, was er tut, soll damit einen Truthahn schießen. So kann ich in Frieden ruhen: Im Wissen, dass das Letzte, was ein Truthahn sieht, ich bin, wie ich mit 300 Metern pro Sekunde auf ihn zurase.‘"
Es war die Geburtsstunde ihres Unternehmens Holy Smoke. Seit Anfang August nimmt es Aufträge entgegen: Wer 500 Gramm Asche eines Verstorbenen einschickt, erhält dafür bis zu 250 Schuss Munition. 1250 Dollar und mehr kostet die pietätvolle Dienstleistung. Holy Smoke bietet gängige Kaliber und Spezialanfertigungen, etwa für die Zugvogeljagd.
Die Leistung der Munition werde durch den Zusatz nicht beeinträchtigt. Nur ein paar Krümel pro Kugel füllen die "taktvollen Fachkräfte" bei seinen Subunternehmern in die Patronen, was übrig bleibt, geht zusammen mit der fertigen Munition an den Kunden zurück. Für die stilvolle Lagerung kann man ein repräsentatives Holzdisplay samt Plakette ordern - "absolut kaminsimstauglich". Drei Interessenten gibt es bislang.
"Ich halte das für eine hervorragende Möglichkeit, mich auszudrücken und vielleicht sogar meinen Hinterbliebenen zu helfen", sagt Holmes. "Man kann die Toten mit auf eine letzte Jagd nehmen, zum Tontaubenschießen oder sie in die Waffe laden, mit der man Haus und Hof verteidigt."
Einmal durchladen auf die finstere Gestalt im Türrahmen anlegen - könne es eine bessere Art geben, im Gedenken an den Verstorbenen dessen erfülltes Leben zu feiern, fragt Parnell. Zudem gebe es ganz rationale Gründe: "Das klassische Begräbnis ist Platz- und Geldverschwendung", sagt Holmes. Die Holy-Smoke-Bestattung spare bis zu drei Viertel der Kosten und der ökologische Fußabdruck sei "quasi nicht vorhanden".
Das Angebot ergänzt vortrefflich das US-Sortiment ausgefallener Pietätstechniken: Für 3000 Dollar kann man seine Aschekapsel ins All jagen lassen. Vor Floridas Küste liegt das Neptune-Memorial-Riff, ein Unterwassermausoleum. Und die Überreste des Autors Hunter S. Thompson ("Fear and Loathing in Las Vegas") wurden 2005 mit einer Kanone in den Nachthimmel geschossen.
Bevor nun allerdings hierzulande Schützen ihre Großmütter aus der Urnenwand holen: In Deutschland darf ein Mensch nur am Stück beerdigt werden, heißt es beim Bundesverband Deutscher Bestatter. Das gelte auch für etwaige Reimporte aus Stockton: "Die Asche ist unteilbar."
Quelle: Financial Times Deutschland
Herbert schrieb:
am 17. August 2011 um 20:48:03
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Chance
Da die USA ja ständig fremde Länder überfallen, hat er die ganze Welt in Aussicht...
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SchallundRauch schrieb:
am 17. August 2011 um 20:40:01
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Schuß in den Ofen
Ansich ne gute Idee,dann stellt sich nämlich raus wer zu Lebzeiten ein Blindgänger oder auch nur eine Platzpatrone war !!!!
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A:B: schrieb:
am 17. August 2011 um 19:51:28
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Ein zweites Leben als Gewehrkugel
So kann man wenigstens als Toter noch die jenigen straffrei alle machen die einen ein Leben lang
schickaniert, genervt, gequält, misshandelt, benutzt, geschlagen, vergewaltigt etc etc ,haben.Da unsere Gesetzte eh zum Größten Teil ungerecht sind und oftmals dem Täter mehr Rechte und Vorteile verschaffen, und selbstjustiz verboten ist kann man es wenigstens auf diese Art regeln bzw "regeln lassen". Find ich gut.
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