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Ein Jahr nach Mubarak-Rücktritt: Die Plage nach dem Pharao

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Die Plage nach dem Pharao

12.02.2012, 14:07 Uhr | Ein Kommentar von Ramiro Villapadierna

Proteste in Ägypten auf Tahrir-Platz im vergangenen Jahr (Quelle: dpa)

Proteste in Ägypten auf Tahrir-Platz im vergangenen Jahr (Quelle: dpa)

Ein Jahr nach den spektakulären Aufständen der jungen Ägypter schmelzen ihre Hoffnungen schneller dahin, als die meisten Beobachter es erwartet hätten. All die Jugendlichen, Frauen und Christen, deren stilles Dasein plötzlich Aufmerksamkeit erfahren hatte, geraten nun wieder ins Visier und müssen täglich Tote beklagen. Als sie ihre Anliegen mutig auf die Straßen trugen und den nackten Pharao bloßstellten, schaute alle Welt auf sie. Ihre Proteste entflammten die ganze arabische Region.

Nun müssen sie zusehen, wie ihre Träume in den gleichen Straßen zugrunde gehen. Der mittlerweile legendäre Tahrir-Platz ist wieder voller Menschen. Hunderte Zivilisten wurden wahllos ermordet. Sobald ihre Angehörigen trauern oder protestieren, kommt es zu mehr Gewalt, zuletzt am Rande eines Fußballspiels in Port Said mit 74 Toten. Unterdessen machen Politiker den Militärrat für die blutigen Unruhen verantwortlich, um ihre eigene Machtposition zu schützen.

Wie viel Facebook wirklich bei Mubaraks Sturz geholfen hat, bleibt ungewiss

Ein Jahr später ringen die Ägypter immer noch um ihre Revolution. Einige sprechen bereits von einer zweiten und beklagen den Missbrauch der ersten. Die Praktiken des alten Regimes werden einfach fortgeführt: Zensur, Militärgerichtsbarkeit für 12.000 Zivilisten, brutalstes Niederschlagen von Demonstrationen und der sich langsam aufdrängende Fundamentalismus.

Wie kam es dazu? Tatsächlich gab es von Beginn an Zweifel an der Dynamik auf dem Tahrir-Platz. Eine Gruppe mutiger Demonstranten aus dem Bezirk Shubra stiftet wochenlange Straßenkämpfe mit 800 Toten an und stürzt einen Diktator. Die Proteste werden in aller Welt kopiert, in arabischen Ländern ebenso wie in New York oder Madrid. Plötzlich ist die Welt klein und vernetzt. Wie viel Facebook tatsächlich zu Mubaraks Sturz beigetragen hat, bleibt aber ungewiss.

Das Credo der Revolutionäre war einmal, dass Militär und Volk Hand in Hand gehen sollen. Mittlerweile wissen wir, dass die Armee nur machtgierig ihren Status verteidigen will, während das Land im Sumpf der Korruption versinkt. Mubarak war gar nicht das Regime, sondern nur die Fassade vor der Herrscherklasse. In Wahrheit wurden die Demonstranten von der Generalität um ihre Chance betrogen.

Mubarak war gar nicht das Regime, sondern nur die Fassade

Allzu hastig strebte man Neuwahlen an und islamisierte die Verfassung. Seitdem machen organisierte Verbrecher Jagd auf israelische Diplomaten und setzen christliche Kirchen in Brand.

Wegen der überstürzten Wahlen sind jetzt kaum junge Menschen aus den Städten im Parlament vertreten. Stattdessen haben die Muslimbruderschaft und die ultra-orthodoxen Salafisten das Ruder übernommen. Zugleich leidet die Wirtschaft, Investoren ziehen ihr Kapital ab und der Tourismus ist wie ausgelöscht. Man sollte in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dass es den Demonstranten genauso um Brot wie um politische Freiheit ging.

Heute fühlt es sich auf dem Tahrir-Platz nicht so an, als ob die Menschen bald nach Hause gehen würden. Der Handschlag zwischen den Islamisten und Sicherheitskräften lässt die Demonstranten und den Westen als Verlierer dastehen. Wenn wir die ägyptische Revolution aber weniger als politischen Umsturz denn als soziales Experiment sehen, könnte man das vergangene Jahr als Erfolg werten. Denn von nun an können die Ägypter darauf vertrauen, dass sie gemeinsam etwas erreichen können.

Ramiro Villapadierna: Der Journalist und Autor war 20 Jahre lang Auslandskorrespondent der spanischen Tageszeitung ABC. Er berichtete zunächst aus Prag und später aus Wien und Berlin. Darüber hinaus war er als Kriegsjournalist in zahlreichen Krisenregionen, darunter auf dem Balkan und in Nordafrika während des Arabischen Frühlings. Seine Texte wurden unter anderem von der BBC, CNN und der Deutschen Welle veröffentlicht. Seit 2012 ist Villapadierna im Hauptstadtbüro der DPA in Berlin tätig.

Quelle: The European


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Kommentare (3)

zum Forum

Thema: "Ein Jahr nach Mubarak-Rücktritt: Die Plage nach dem Pharao"

Otto,Norm schrieb: am 11. Februar 2012 um 19:22:59
(17) (7) Jede Gesellschaft bekommt, was Sie verdient..
Wer im Mittelalter lebt, wird schwerlich Demokrat werden. Auch nicht, wenn Gutmenschen im
fernen Westen davon träumen. Und überhaupt, wieso reden wir von Demokratie? Haben wir denn eine? Geht hier alle Gewalt vom Volke aus?? Vielleicht sollten wir erst mal vor unserer eigenen Tür kehren.
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Von fern schrieb: am 11. Februar 2012 um 18:51:41
(18) (0) Absturz
Der Mensch kann aufmarschieren, demonstrieren, skandieren und demolieren und dies alles für den vagen Begriff Freiheit, der
ursprünglich Geschwister hatte, wie Gleichheit und Brüderlichkeit und von fern klingelt etwas wie Demokratie herüber. Was ist durch die Rebellion auf dem Tahrir Platz politisch eingetreten? Ein Despot wurde abgesetzt, ein Neuer hat sich etabliert umgeben von den Bütteln der Macht. Die wirtschaftliche Situation verschlechtert sich und die Geistlichkeit schärft Gesetze.
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Commander schrieb: am 11. Februar 2012 um 17:28:54
(13) (5) geschafft
Nun haben sie es ja geschafft. War doch sonnenklar, dass es jetzt rapide bergab geht. Also ich bin so schnell nicht mehr da unten.
Schade um das schöne Land. Es sollte wieder Kolonie werden mit Zucht und Ordnung. Die können sich nicht selbst regieren, es sei es kommt ein neuer Pharao. Jetzt bricht der Tourismus ein, nun werden sie sehen was sie geschafft haben !
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