Ein Fünftel der Deutschen zweifelt an Evolutionstheorie
11.02.2009, 17:09 Uhr
Adam und Eva essen vom Baum der Erkenntnis - Illustration des Malers Lucas Cranach in der Cranachbibel von 1534 (Foto: imago)
Auch 200 Jahre nach dem Geburtstag von Charles Darwin und 150 Jahre nach Erscheinen seines Schlüsselwerks "Über die Entstehung der Arten" zweifeln in den USA mehr als zwei Drittel der Bürger die Evolutionstheorie an. Doch für kreationistische Ideen, die von einer göttlichen Schöpfung der Arten ausgehen, sind auch Menschen auf dieser Seite des Atlantiks empfänglich.
Ein Fünftel der Deutschen steht der Evolutionstheorie nach neuen Studienergebnissen zumindest skeptisch gegenüber, sagt Dittmar Graf, Professor für Biologiedidaktik an der Technischen Universität Dortmund. Eine Umfrage unter 1200 Lehramtsstudenten in Dortmund ergab zudem, dass 15 Prozent der künftigen Pädagogen Darwins Theorie nicht akzeptieren. Bei angehenden Bio-Lehrern seien es immerhin noch sieben Prozent. Doch "Biologie kann man nicht verstehen, wenn man die Evolution nicht versteht", sagt Graf. Er fürchtet wachsende Wissenschaftsfeindlichkeit in einem Land, in dem Politiker die Bildung immer wieder als wichtigste Ressource preisen.
Dank Internet und großzügiger Sponsoren hätten kreationistische Gruppen in Deutschland viele Möglichkeiten zur Verbreitung ihrer Ideen, sagt Graf. Hochglanzzeitschriften und Bücher würden gratis an Lehrer verschickt. Auch der Boom der Privatschulen begünstigt die Vorkämpfer der Schöpfungslehre: Der Verbund der Freien Evangelischen Schulen Berlins etwa wirbt auf seinen Internetseiten damit, dass dort im Biologieunterricht der "Ausschließlichkeitsanspruch" der Evolutionslehre hinterfragt wird. Immerhin 540 Kinder werden an diesen Schulen unterrichtet.
"Den kann nur Gott erschaffen haben"
Die Evangelikalen gehörten zu den Hauptverfechtern kreationistischer Ideen, sagt Reinhold Leinfelder, Direktor des Museums für Naturkunde in Berlin. Der Paläontologe sieht sich oft mit Argumenten konfrontiert, welche die Evolutionstheorie auf pseudowissenschaftliche Weise als falsch entlarven sollen. "Manche sagen zum Beispiel, weil es Krabben schon vor 30 Millionen Jahren gab, kann es auch keine Evolution geben." Andere bewerteten Darwins Theorie als eine Art fehlgeleitete Religion. Die Debatte sei mitunter sehr emotional: "Bei mir in der Vorlesung sind schon Studenten aufgestanden und haben gesagt: 'Dieser Nautilus ist so schön, den kann nur ein Gott erschaffen haben.'"
Dass die biblischen Vorstellungen vom Garten Eden bei vielen verfangen, liege auch an der Sehnsucht nach "einfachen Antworten auf schwierige Fragen", sagt Leinfelder. Der Didaktiker Graf glaubt, dass Skepsis an der Evolutionstheorie auch durch die übermäßige Betonung von Schöpfungsmythen in der Früherziehung entsteht. Manche Menschen hätten zudem ein "psychologisches Problem" mit der Vorstellung, von Affen abzustammen.