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Ein Dorf auf glühenden Kohlen

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Ein Dorf auf glühenden Kohlen

22.02.2010, 11:04 Uhr | Von Sebastian Smith, AFP

Centralia: Tiefe Risse auf den Straßen der Geisterstadt in den USA (Foto: AFP) Tiefe Risse auf den Straßen der Geisterstadt Centralia in den USA (Foto: AFP)Das Dorf wirkt wie die Kulisse aus einem Horrorfilm. Schwefeliger Rauch steigt über dem Friedhof von Centralia auf, doch ein Feuer ist nicht zu sehen. Tiefe Risse ziehen sich durch die gespenstisch menschenleeren Straßen, Rauchschwaden dringen durch die Spalten. Vor einigen Jahren, erzählen sich die Leute in dem Dorf im US-Bundesstaat Pennsylvania, sei ein Junge fast von einer Spalte im Straßenbelag verschluckt worden.

Centralia war einmal ein blühender Bergbau-Ort, bis ein bizarres Schicksal über ihn hereinbrach: Ein riesiges unterirdisches Kohlenfeuer wütet seit fast 50 Jahren unter Centralia und lässt das Dorf zum heißen Pflaster werden.

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Ein Dutzend Einwohner widersetzt sich dem Evakuierungsbefehl

Centralia stirbt langsam. Es hatte einmal tausend Einwohner. Heute sind nur noch ein Dutzend geblieben, sie widersetzen sich trotzig dem Evakuierungsbefehl der Behörden. Die meisten Häuser sind abgerissen. Straßenlaternen im überwucherten Niemansland, Telefonmasten, ein rostendes Feuerwehrauto im alten Dorfzentrum erinnern an das frühere Leben, das Leben vor dem großen Unglück.

Mit Brand in Mülldeponie fing alles an

Centralias Tragödie fing 1962 ganz harmlos an. Eine Mülldeponie war in Brand geraten. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, wenn das Dorf in Pennsylvania nicht buchstäblich auf Kohle gebaut wäre. Die kohleführenden Schichten reichen bis an die Erdoberfläche, und durch das Deponiefeuer entzündete sich das schwarze Gold der Berge. Die Glut fraß sich durch die Kohleschichten, sie breitete sich über alte Kohleschächte weit im Hügelland aus.

Schnee schmilzt, weil der Boden so warm ist

Versuche, den Brand einzudämmen, misslangen. Erst in 100 bis 300 Jahren, schätzen Experten, wird das Feuer von selbst ausgehen. Das Feuer ist nicht zu sehen, doch seine Folgen sind zu spüren. In der Luft über Centralia stieg der Anteil giftigen Kohlenmonoxids. Die Beläge auf den Straßen rissen auf. An manchen Stellen wird der Boden so warm, dass im Winter der Schnee schmilzt. Schon in den 90er Jahren wies der Bundesstaat Pennsylvania die letzten Bewohner zum Verlassen des Dorfes an, die Regierung in Washington stellte dafür 42 Millionen Dollar bereit. Doch eine Handvoll Bewohner harrt weiter in Centralia aus.

"Ich will keine neue Adresse"

Auf Besucher von außen sind die Übriggebliebenen nicht gut zu sprechen. "Ich lebe seit 50 Jahren hier, ich will keine neue Adresse", sagt ein Anwohner ruppig auf die Frage des Reporters, bevor er eilig seine Haustüre zumacht. Ein anderer sagt: "Wenn meine Mutter wüsste, dass ich mit Ihnen rede, würde sie mich erschießen. Sie ist 93 Jahre alt." Ein Dritter verscheucht vor seinem Haus Reporter, noch ehe sie mit ihm reden können.

Verbitterung gegenüber der Außenwelt

Die frühere Bürgermeisterin Anne Marie Callahan Devine, die zwischen 1986 und 1993 die Geschicke von Centralia lenkte, erklärte das abweisende Verhalten der Bewohner mit Verbitterung gegenüber der Außenwelt. "Die Regierung fand es einfacher und billiger, das Dorf auszulöschen als das Feuer", sagt sie. "Was mich wirklich betrübt, ist, dass sie nie das Gefühl hatten, dass die Leute von Centralia der Anstrengung wert sind."

Kleine Zeichen des Widerstands

Bei genauem Hinsehen fallen dem Beobachter in der geisterhaften Atmosphäre von Centralia kleine Zeichen des Widerstands auf. Ein Aufkleber an der Tür der verwaisten Polizeiwache mahnt: "Lasst Centralia am Leben!" Und einer der letzten Bewohner hat vor seinem Haus trotzig eine US-Flagge in einen großen Kohleklumpen gepflanzt. Ein künstlicher Totenkopf ziert das eigenwillige Ensemble.


Quelle: AFP

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