10.06.2011, 16:08 Uhr
Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner hofft auf einen Durchbruch in den Ermittlungen.
Endlich gelingt den EHEC-Fahndern eine Eingrenzung. "Es sind die Sprossen", sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts Reinhard Burger am Vormittag in einer Pressekonferenz. Die wegen der EHEC-Epidemie geltende Warnung vor dem Verzehr roher Tomaten, Gurken und Blattsalate ist aufgehoben. Unterdessen konnte erstmals der aggressive EHEC-Erreger vom Typ O104 in einer Packung Sprossen nachgewiesen werden, die nach den bisherigen Erkenntnissen aus dem Erzeuger-Betrieb im niedersächsischen Bienenbüttel stammen.
Lebensmittelkontrolleur in Nordrhein-Westfalen hatten die Sprossen-Packung in der Mülltonne einer Familie gefunden, in der zwei EHEC-Erkrankungen registriert worden waren. Der Nachweis gelang Forschern des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Rhein-Ruhr-Wupper, teilte das Düsseldorfer Verbraucherschutzministerium mit. Damit wurde erstmals eine ununterbrochene Kette mit dem Erreger O104 infizierter Sprossen aus dem Betrieb in Bienenbüttel und erkrankten Personen hergestellt.
Bei der Pressekonferenz hatte RKI-Präsident Burger zunächst noch darauf verwiesen, dass den Wissenschaftlern der endgültige Nachweis des Darmkeims auf den Sprossen noch nicht gelungen sei. Doch auch ohne ein definitives Endergebnis vorliegen zu haben, deuten die Indizien und Untersuchungen in Restaurants, in denen EHEC-Erkrankte Sprossen gegessen hatten, auf diese Erkenntnis hin. So gebe es Fotos vom Restaurantbesuch einer Reisegruppe, auf denen die Salatteller vor den später erkrankten Personen zu sehen sind.
Bei der Suche nach der Quelle des gefährlichen Erregers gehen die Behörden unterdessen erstmals davon aus, dass der Keim möglicherweise auch von Menschen übertragen wurde.
Mehrere Behörden sowie Landes- und Bundesminister äußern sich zu dem Thema. Das sorgt für Verunsicherung in der Bevölkerung. zum Video
Für Gurken, Tomaten und Salat wurde deshalb Entwarnung gegeben. Sprossen sollten die Verbraucher weiterhin keinesfalls roh verzehren. Auch sollten alle Vorräte an Sprossen oder anderen Lebensmitteln entsorgt werden, die aus dem Bio-Betrieb "Gärtnerhof" aus Bienenbüttel stammten, sagte der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Andreas Hensel. Der Bio-Hof ist jetzt komplett gesperrt und darf kein Gemüse mehr in den Handel liefern, sagte der niedersächsische Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU). Er bezeichnete den Bio-Betrieb als "Spinne im Netz". Offenbar hätten mindestens 80 Opfer der Seuche in ganz Deutschland Sprossen zu sich genommen, die dort gezogen wurden.
RKI-Präsident Burger hält es für möglich, dass die EHEC-Infektionsquelle bereits versiegt ist. Dies stehe aber noch nicht fest. Denkbar sei auch, dass die betroffenen Lebensmittel nur über einen bestimmten Zeitraum mit dem Bakterium in Kontakt gewesen seien. Es gebe noch Klärungsbedarf. "Der Ausbruch ist noch nicht vorbei", warnte Burger. Es gebe weiterhin Neuerkrankungen.
Vorsorge, Ansteckung, Behandlung: Alles, was man über die gefährliche Darmbakterie wissen sollte. zum Video
Der Deutsche Bauernverband hat sich erleichtert gezeigt. "Das ist eine gute Botschaft für die deutschen und europäischen Gemüseerzeuger, weil jetzt wieder Vertrauen in den Markt zurückkehrt und wieder Gemüse gegessen wird", sagte Verbandspräsident Gerd Sonnleitner dem Nachrichtensender N24. Er zeigte sich überzeugt, dass der Verzehr nun wieder auf normales Niveau ansteigen werde.
Die bisher entstandenenen Verluste für die Gemüsebauern bezifferte Sonnleitner auf etwa 65 Millionen Euro in Deutschland und insgesamt zwischen 500 und 600 Millionen Euro auf europäischer Ebene.
Russland hat der Aufhebung des Importstopps für Gemüse aus der EU zugestimmt. Das gab EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso nach Gesprächen mit der russischen Führung in der Stadt Nischni-Nowgorod bekannt. Russland hatte wegen des Darmkeims EHEC vor einer Woche den gesamten Gemüseimport aus der EU gestoppt.
Die Bundesregierung sieht nach der Eingrenzung des EHEC-Verdachts auf Sprossen mehr Klarheit für die Verbraucher. "Wir sind ein Stück weit erleichtert", sagte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) betonte, es sei gut, dass die bisher auch für rohe Tomaten, Gurken und Blattsalate verhängten Warnungen nun von den Behörden auf Sprossen beschränkt worden seien. Für die Bürger sei dadurch klarer, wie sie sich schützen könnten. EHEC-Entwarnung könne weiterhin nicht gegeben werden. Die Zahl der Neuerkrankungen sei aber fortwährend und deutlich rückläufig. Er sei sicher, dass die angespannte Lage in vielen Krankenhäusern nun zu bewältigen sei.
Zuvor hatte Bahr Mängel bei der Weitergabe der Informationen über die Erkrankungen an das Robert-Koch-Institut eingeräumt. "Die Kommunikation ist nicht optimal gelaufen. (...) Dass man sie verbessern muss, ist klar", sagte er. Das RKI untersteht dem Gesundheitsministerium.
Auch Aigner räumte Verbesserungsmöglichkeiten ein. Es gebe in Deutschland klare Absprachen und eine klare Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern. "Aber natürlich ist nichts so gut, dass man es nicht noch verbessern könnte", sagte sie dem "Hamburger Abendblatt". "Deshalb werden wir uns in den kommenden Wochen sicher zu einer Manöverkritik zusammensetzen." So werde man sich "mit der Frage zu beschäftigen haben, wer künftig in ähnlichen Fällen nach außen spricht."
Unterdessen könnte einem Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" zufolge eine mit EHEC infizierte Angehörige einer Cateringfirma dafür verantwortlich sein, dass Ende Mai mindestens acht Gäste einer Festgesellschaft in Göttingen an EHEC erkrankten. Die Zeitung beruft sich auf entsprechende Erkenntnisse von hessischen Behörden.
"Wir haben Hinweise darauf, dass es sich in diesem Fall um eine Infektion vom Menschen handeln könnte", zitiert die Zeitung eine Sprecherin des hessischen Gesundheitsministeriums. Demnach hatte sich eine enge Verwandte des Cateringbetreibers aus dem Kreis Kassel, der die Geburtstagsfeier in Göttingen mit Essen beliefert hatte, zuvor in einer Kantine in Frankfurt mit dem Darmerreger infiziert.
Die Behörden prüfen nun, ob die Frau den Erreger auf das gelieferte Essen übertragen haben könnte. Mindestens einer der erkrankten Gäste habe angegeben, weder Salat noch Gemüse oder Sprossen gegessen zu haben, berichtet die Zeitung.
In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die Kantine in Frankfurt, die als eine der Ausbruchsschwerpunkte der Epidemie gilt, von dem gesperrten Sprossenproduzenten in Bienenbüttel beliefert worden war.
Der grassierende EHEC-Stamm kommt nach Ansicht des Darmkeim-Experten Professor Helge Karch nur beim Menschen vor. Das berichtete er am Freitag in einer Mitteilung des Universitätsklinikums Münster. "Der sich jetzt ausbreitende Erreger ist bislang nur beim Menschen nachgewiesen worden", heißt es darin. Zum jetzigen Zeitpunkt müsse davon ausgegangen werden, dass der Ausbruchsstamm ein Reservoir im Menschen hat.
Auch aus Sicht des Bundesinstituts für Risikobewertung sprechen die Fakten dafür, dass der Mensch als Quelle für eine mögliche Kontamination von Lebensmitteln und Umwelt infrage kommen könnte. Zu Beginn der Epidemie standen zunächst auch Tiere im Verdacht, die Bakterien zu beherbergen, die dann etwa über Gülle verbreitet werden könnten.
Untersuchungen des Genoms des grassierenden Erregers hatten ergeben, dass der Keim eine Mischform verschiedener E. coli-Bakterien ist. Die aktuelle Variante HUSEC041 sei jedoch nicht der einzige Stamm, der diese Eigenschaften aufweise, hieß es in Münster zudem.
Um sicherzugehen, suchen mehrere Experten unterdessen in Rindern auch weiter nach dem gefährlichen Keim. Ein verlässliches Urteil in dieser Frage hat große Bedeutung für das Eindämmen der Epidemie.
In Niedersachsen ist eine weitere Frau nach einer EHEC-Infektion gestorben. Die 75-Jährige aus dem Landkreis Göttingen starb bereits vor einer Woche, wie das niedersächsische Gesundheitsministerium jetzt mitteilte. Damit erhöhte sich die Zahl der Todesfälle in Niedersachsen auf elf. Bundesweit starben mindestens 32 Menschen nach einer EHEC-Infektion.
Für die Hamburger Gesundheitsbehörde hat wegen der EHEC-Gurkenwarnung derweil das juristische Nachspiel begonnen. Der spanische Obst- und Gemüsehändler Frunet reichte über eine Kanzlei beim Verwaltungsgericht der Hansestadt einen Eilantrag auf Akteneinsicht ein. Nachdem die Hamburger Gesundheitsbehörde über EHEC-Funde auf spanischen Gurken informiert hatte, sei das Geschäft eingebrochen.
Mit Hilfe der Akten soll anderem der Verdacht bewiesen werden, dass die Gesundheitsbehörde vor der Pressekonferenz die gesetzliche Sorgfaltspflicht vernachlässigt hat und vorgeschriebene Gegenproben nicht entnommen wurden. Auf den Gurken wurden zwar EHEC-Bakterien nachgewiesen. Diese waren aber von einem anderen Typ als der grassierende Erreger, wie Wissenschaftler später feststellten. Am Ende könnte es um Schadenersatz in Millionenhöhe gehen.
Quelle: AFP , dpa , dapd
Mirchen schrieb:
am 10. Juni 2011 um 21:41:18
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EHEC
@Peter
Ist doch gut das die Sprossen schon so lange dort lagen! Gut das sie gefunden wurde und man endlich was nachweisen konnte. Nun
können wir endlich wieder alles andere essen!!!
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Heinz schrieb:
am 10. Juni 2011 um 21:40:58
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Es ist eine Unverschämtheit
1. Der gefährliche Stamm wurde auf einem Gurkenrest gefunden. Fakt: Entweder hat sich die Ehefrau nach ihrem
Geschäft nicht die Hände gewaschen oder es war drauf.2. Ebenso wurden EHEC-Erreger von einem anderen Stamm auf spanischen Gurken gefunden. Wie geht das? 3. Die Frau vom CATERING hat sich auch nicht die Hände gewaschen, PFUI DEIBEL.usw.4. War es die China-Lieferung an den BIOHOF? Angeblich biologisch herstellen aber Ware aus China beziehen? Viele Fragen, keine Antworten
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Peter schrieb:
am 10. Juni 2011 um 21:38:10
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EHEC: Warnung vor Gurken, Salat und Tomaten wird aufgehoben
Da finden Sprossen die inne Tonne lagen wer weiß wie lange die da schon lagen
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