06.06.2011, 16:58 Uhr
Wissenschaftler haben Dutzende Sprossenproben auf EHEC-Keime untersucht (Foto: dpa)
Die ersten 23 von 40 untersuchten Sprossen-Proben aus dem verdächtigen Betrieb im niedersächsischen Kreis Uelzen sind EHEC-frei. Das teilte das niedersächsische Verbraucherministerium mit. Die Proben seien aus dem Saatgut, dem Wasser, der Belüftung und von Arbeitstischen des betreffenden Betriebes genommen worden, sagte ein Ministeriumssprecher. Die Behörden hatten sich von den Untersuchungen mehr Klarheit hinsichtlich der Quelle der EHEC-Epidemie erhofft.
Nicht auszuschließen sei, dass vor Wochen eine Ladung Saatgut kontaminiert gewesen sei, die längst verbraucht wurde, hatte ein Sprecher im Vorfeld betont. Das Saatgut für die Sprossen stammt demnach aus mehreren Ländern.
Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hält die Warnung vor dem Verzehr von Sprossen trotz fehlender Nachweise weiterhin für angebracht. Sie halte es für richtig, an dem Verzehrhinweis festzuhalten, "solange der Verdacht nicht vollständig ausgeräumt ist", sagte Aigner.
Die Sprossen von dem Erzeuger in Bienenbüttel im Landkreis Uelzen waren nach einer Überprüfung der Lieferwege unter EHEC-Verdacht geraten. Sie waren direkt oder über Zwischenhändler an Gastronomiebetriebe in Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Niedersachsen geliefert worden, wo es gehäuft zu Infektionen kam. Die Keimsprossen des Bienenbütteler Hofs sollen aus China nach Deutschland gekommen sein, meldet die "Bild"-Zeitung. Azuki-Bohnen aus chinesischer Saat seien demnach Bestandteil der verdächtigen "Milde Sprossen-Mischung" des Hofs.
Die Gesundheitsministerin hält am Verzehrhinweis fest, obwohl erste Untersuchungen an Sprossen negativ verlaufen sind. zum Video
Nach Angaben der Hamburger Gesundheitsbehörde wurden in der Hansestadt bislang acht Sprossen-Proben untersucht, davon fünf Proben aus dem in Verdacht stehenden Betrieb in Bienenbüttel. Alle acht Proben seien EHEC-frei gewesen, teilte die Behörde mit. Fünf der Proben stammten aus dem inzwischen gesperrten Betrieb in Bienenbüttel, so die Behörde. Allerdings könne keine generelle Entwarnung gegeben werden, da sich EHEC nicht gleichmäßig auf die Produkte eines Betriebes verteilt.
Ein an EHEC erkrankter Hamburger hat derweil in seinem Kühlschrank eine mehrere Wochen alte 100-Gramm-Packung Sprossen vom Betrieb in Bienenbüttel gefunden. Die Sprossen-Packung trägt das Ablaufdatum 23. April und wird nun vom Institut für Hygiene und Umwelt untersucht, sagte Marianne Pfeil-Warnke, Leiterin der Lebensmittelüberwachung des Bezirks Eimsbüttel.
Roh verzehrte Sprossen könnten sich als die lang gesuchte EHEC-Infektionsquelle erweisen. Entscheidende Analysen stehen noch aus. zum Video
Der 42-jährige Hamburger war Anfang Mai an dem gefährlichen EHEC-Erreger erkrankt und in einem Krankenhaus in Lüneburg behandelt worden. Er sei inzwischen wieder gesund, sagte Pfeil-Warnke. Der Mann hatte die Sprossen aus seinem Kühlschrank am Montagmorgen im Bezirksamt Eimsbüttel abgegeben. Sollte die Packung Keime enthalten, seien diese auch heute noch nachweisbar, sagte Pfeil-Warnke. Das Institut für Hygiene und Umwelt rechnet frühestens am Dienstag mit ersten Untersuchungsergebnissen.
In Hessen wurden nach Angaben des Landesumweltministeriums einige Kantinen in Frankfurt am Main und Darmstadt mit den Sprossen des betreffenden Betriebes beliefert. Es gebe aufgrund der Lieferwege bisher aber nur eine "Indizienkette" und keinen Beweis für eine Verseuchung der Sprossen mit den Darmkeimen, sagte ein Ministeriumssprecher.
Vorsorge, Ansteckung, Behandlung: Alles, was man über die gefährliche Darmbakterie wissen sollte. zum Video
Der Geschäftsführer des unter Verdacht stehenden Hofes Bienenbüttel, Klaus Verbeck, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", er könne sich keinen Reim auf die Vorgänge und Vorwürfe machen. Die Salatsprossen wüchsen nur aus Saatgut und Wasser. Sie würden überhaupt nicht gedüngt. Auch in anderen Geschäftsbereichen des Hofes werde kein tierischer Dünger verwendet.
Auch nach der Warnung vor dem Verzehr roher Sprossen steht anderes Gemüse weiterhin unter EHEC-Verdacht. Derzeit sei kein Nachweis erbracht, dass es sich bei Sprossen um die einzig wahrscheinliche Quelle für Erkrankungen durch den lebensgefährlichen Darmkeim handele, betonte das Bundesverbraucherministerium.
Ein mit EHEC-Verdacht eingelieferter Patient aus dem Havelland in Brandenburg starb am Montag in einer Klinik. Der Mann habe an einer schweren Grunderkrankung gelitten, hieß es. Begleitend sei das EHEC-Bakterium nachgewiesen worden, nicht aber das für den Ausbruch der Darminfektion typische Toxin. Derzeit könne man noch nicht sagen, ob und inwiefern der EHEC-Erreger zum Tod des Mannes beigetragen habe, sagte eine Sprecherin.
Unterdessen stiegen die Infektionszahlen weiter an. In Niedersachsen wurden am Montag 503 EHEC-Fälle und -Verdachtsfälle gezählt, 45 mehr als am Samstag. "Der Scheitelpunkt ist leider noch nicht erreicht", sagte der Sprecher des niedersächsischen Gesundheitsministeriums, Thomas Spieker.
Die ebenfalls schwer betroffenen Länder Hamburg und Schleswig-Holstein meldeten eine leichte Entspannung, weil die Zahl der EHEC-Erkrankungen nun zumindest langsamer als noch in der vergangenen Woche steigt. In Hamburg wurden bis Montagvormittag 849 EHEC-Fälle oder -Verdachtsfälle gemeldet, 79 mehr als vor zwei Tagen. "Die heutigen Erkrankungszahlen geben zur Hoffnung Anlass, dass sich die Situation ein wenig entspannt", erklärte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). Schleswig-Holstein meldete 554 bestätigte EHEC-Infektionen bis Sonntagabend, 37 mehr als am Donnerstag. Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) berichtete, erstmals seit dem Beginn der EHEC-Welle seien mehr Patienten nach Hause entlassen worden als neue aufgenommen wurden.
Beim Treffen der europäischen Gesundheitsminister verteidigte Deutschland das eigene Vorgehen in der EHEC-Krise gegen Kritik. "Wir hatten den Verdacht und deshalb war es richtig die entsprechenden Verzehrempfehlungen zu geben", sagte Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz. "Das sind wir den Menschen wirklich schuldig". Der Erreger sei "derart aggressiv" und die Häufung der Fälle in Norddeutschland so massiv, "dass wir jeder Ursache und jeder Spur nachgehen mussten." Widmann-Mauz sprach von einem "vorbeugenden Gesundheitsschutz". Die Staatssekretärin vertrat Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) bei dem Treffen.
In Japan hatte 1996 ein anderer Stamm von EHEC-Erregern bei mehr als 10.000 Menschen zu Erkrankungen geführt. Acht Menschen starben. Die japanischen Gesundheitsbehörden vermuteten damals verseuchte Rettichsprösslinge als Ursache. Ein endgültiger Beweis dafür wurde aber nie gefunden. Derselbe Keim verursachte bis 2003 14 weitere Todesfälle in Japan.
Quelle: AFP , dpa , dapd , t-online.de
Rentner schrieb:
am 6. Juni 2011 um 21:30:53
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Hof entlastet
Pisa läßt grüßen. Jahrelang beklagen wir die schlechten Schulergebnisse in
Deutschland. Scheinbar zieht sich das in die
Institute und Behörden hin. Bauern werden ruiniert. Beziehunge zum Ausland werden gestört. Verdächtigungen über Verdächtigungen. Jetzt führt die Spur eventuell nach China. Und wenn das auch wieder gegen den Baum geht. Ich habe bis jetzt alles gegessen. Egal woher es kam. Und Hygieneregel gibt es nicht erst seit EHEC.
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123 schrieb:
am 6. Juni 2011 um 21:09:36
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Wahrheit
...wenn wir nie erfahren woher EHEC stammt, weil es angeblich nicht und nirgends gefunden werden konnte, kann man davon ausgehen,
das wir alle nur verar....wurden und die Wahrheit schon mit dem ersten Krankheitsfall bekannt war.
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Blumenkohl schrieb:
am 6. Juni 2011 um 20:52:38
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@Ich meins Ernst
Bei Interesse einfach 'mal die Startseite von t-online.de neu aufrufen. Eine Betroffene hat ihre "14 Tage mit EHEC" geschildert.
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