08.06.2011, 09:46 Uhr
EHEC: Aktuelles, Hintergründe und Hygiene-Tipps (Foto: dpa) (Quelle: Reuters)
Schon in den 90er Jahren mahnte er einen besseren Schutz vor EHEC an - und auch jetzt gibt er keine Entwarnung: ARD-Journalist Klaus Weidmann, der 1999 in einem vielbeachteten Artikel vor der Verharmlosung des Keims warnte, erwartet weitere Infektionswellen in Deutschland. Gleichzeitig attestierte er im Gespräch mit t-online.de den deutschen Behörden ein "heilloses Durcheinander" bei den Zuständigkeiten und in der Informationspolitik.
Schon vor vielen Jahren und Jahrzehnten habe es EHEC-Epidemien gegeben, berichtete Weidmann: große Ausbrüche in Japan und in den USA, aber auch in Deutschland, "die zum Teil nicht so wahrgenommen wurden". Weidmann hatte bereits 1999 bei Wissenschaftlern und Forschungsinstituten zum Thema EHEC recherchiert und von Ausbreitungen in Deutschland berichtet: 1988 in Bayern, 1994 im Münsterland, 1995/96 in Bayern und 1996/97 in Niedersachsen.
Im Interview mit t-online.de berichtet Weidmann, die USA hätten als Schutzmaßnahme eine zentrale Seuchenbehörde eingerichtet - das Center for Disease Control und Prevention (CDC) in Atlanta. "Sobald dort Verdachtsfälle auftreten, schreitet diese Behörde sehr schnell ein und macht sich auf die Suche nach der Quelle. Hier hat man bereits viel mehr Erfahrung mit EHEC als in Deutschland.“ In Japan gebe es schon seit Jahrzehnten eine Meldepflicht für EHEC.
In Deutschland gebe es aber Nachholbedarf in Sachen Infektionsschutz, so Weidmann. Der Darmkeim sei gefährlich und verändere sich. Um Epidemien zu bekämpfen, sei es hier besonders wichtig, Fachkompetenzen zu bündeln.
Im Interview mit t-online mahnt Weidmann, die Deutschen müssten besonders die Zuständigkeiten klarer regeln. "Da geht offenbar Vieles durcheinander.“ Es könne nicht sein, dass verschiedene Länderbehörden unterschiedliche Angaben machten: "Die Hamburger beschuldigen spanische Gurkenbauern, die Schleswig-Holsteiner beschuldigen einen Restaurant-Besitzer in Lübeck, die Niedersachsen einen Sprossenbauern. Und nachher wird alles wieder zurückgenommen."
Der Verbraucher habe ein Recht auf möglichst gut gesicherte Information. "Und auch die Produzenten haben ihrerseits ein Recht darauf, dass ihre Existenzen nicht einfach wahllos kaputt gemacht werden." Der Umgang mit Epidemien müsse einheitlich geregelt und dazu in den Bundesländern notfalls Kompetenzen beschnitten werden.
Beim Umgang mit Seuchen könnten die Deutschen - wie von EU-Gesundheitskommissar John Dalli gefordert - tatsächlich vom Ausland lernen. Weidmann hatte bereits 1999 geschrieben: "Behörden in Japan und in den USA behandeln EHEC als das, was es ist: als eine gefährliche Seuche, die jederzeit ausbrechen kann." Der deutschen Gesundheitspolitik warf er bereits damals "verheerende Verharmlosung und Gleichgültigkeit" gegenüber dem Keim vor.
Zur Kritik von FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr, es sei "typisch deutsch, sofort wieder nach einer neuen Behörde und einer neuen Struktur“ zu rufen, sagte Weidmann: "Bahr hat ja auch am Sonntag gesagt, dass alles so wie es derzeit läuft in Ordnung ist. Ich glaube mittlerweile wissen wir alle, dass es so nicht in Ordnung ist.“ Es gebe zwar Meldepflichten, aber offenbar würden diese nicht immer greifen. Auch hapere es offensichtlich an der Kommunikation zwischen Forschern und dem Robert-Koch-Institut in Berlin. "Und was die Informationspolitik angeht, gibt es derzeit ein heilloses Durcheinander." Das Interview mit Klaus Weidmann im Wortlaut
Quelle: fst
Franz schrieb:
am 8. Juni 2011 um 15:47:01
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EHEC im Fleisch
Andere Länder untersuchen deutsches Fleisch auf EHEC,bei der Einfuhr.
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