10.06.2011, 19:31 Uhr
Experten suchten auch auf dem Biohof Bienenbüttel in Neu-Steddorf nach den EHEC-Erregern (Foto: dpa) (Quelle: dpa)
Vor fast sechs Wochen erkrankten in Deutschland die ersten Menschen an EHEC. Seitdem haben Experten fieberhaft nach der Erreger-Quelle gesucht. Ein Puzzle aus Lieferlisten für Restaurants und Kantinen, Gesprächen mit Köchen, Touristen-Fotos und natürlich Patientenbefragungen brachten die Fahnder schließlich auf die richtige Spur: Gemüsesprossen konnten als Übeltäter eingekreist werden.
In akribischer Kleinarbeit suchten Mediziner, Wissenschaftler und Lebensmitteltechniker seit Mai nach der Quelle des EHEC-Erregers, an dem in Deutschland bislang mehre tausend Menschen erkrankten und Dutzende starben. Helmut Tschiersky-Schöneburg, Präsident des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), vergleicht die Arbeit mit einem "Kriminalfilm, wo es darum geht, aufgrund einer Indizienkette den Täter zu überführen".
Die Ergebnisse der ersten Patientenbefragungen hatten zunächst auf ein erhöhtes Krankheitsrisiko durch Tomaten, Gurken und Salat hingedeutet. Folglich warnten das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und das Robert-Koch-Institut (RKI) vor dem Verzehr dieser Gemüsesorten. Wegen eines EHEC-Fundes gerieten zeitweilig besonders spanische Gurken ins Visier. Später stellte sich heraus, dass der auf den Gurken gefundene Stamm nicht für die Epidemie verantwortlich ist. Dies brachte den Behörden Kritik ein - und sorgte bei Verbrauchern für weitere Verunsicherung.
Über die EHEC-Quelle wurde munter spekuliert - mal standen der Hamburger Hafengeburtstag oder ein Lübecker Lokal unter Verdacht, dann wieder Biogasanlagen. Vor gut einer Woche dann gab es eine erste konkrete Spur: Nach der Überprüfung der Lieferwege gerieten die Sprossen eines Erzeugers in Bienenbüttel im niedersächsischen Landkreis Uelzen unter EHEC-Verdacht. Mittlerweile konnte der Erreger auf den Sprossen aus Uelzen nachgewiesen werden. Ein riesiger Erfolg für die EHEC-Fahnder.
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Parallel dazu nahmen die Landesbehörden bundesweit bislang mehr als 4600 Proben. Ein entscheidender Schritt gelang den Experten nun mit einer neuen Studie, bei der 112 zum teil erkrankte Restaurantbesucher nach ihren Menüs befragt wurden. Zusätzlich durchforsteten die EHEC-Fahnder Bestelllisten, befragten Köche nach Zutaten und werteten Fotos aus, auf denen Touristen ihre vollen Teller abgelichtet hatten.
Das Ergebnis war eindeutig: Wer Sprossen gegessen hatte, trug ein neunfach höheres Risiko, an EHEC zu erkranken, als andere. Dadurch sei es gelungen, die Ursache des Ausbruchs "mit großer Wahrscheinlichkeit auf den Verzehr von Sprossen einzugrenzen", sagte RKI-Präsident Reinhard Burger.
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Diese und andere Daten flossen bei einer Task Force im Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BLV) zusammen. Die Arbeitsgruppe untersucht sogenannte Cluster wie Hotels, Kantinen und Restaurants, wo es zu gehäuften EHEC-Erkrankungen kam. Ihr Ziel: Durch eine Analyse der Lieferwege den entscheidenden "Knotenpunkt" finden und damit auch die Quelle der Epidemie. In bislang 26 Fällen lässt sich die Spur zu dem Sprossen-Erzeuger in Niedersachsen zurückverfolgen.
Mit dem Nachweis des Erregers auf Sprossen aus Bienenbüttel ist die Arbeit der EHEC-Ermittler aber noch nicht zu Ende. Denn das "Tatwerkzeug" ist noch nicht gefunden, betonte BVL-Präsident Tschiersky-Schöneburg. Wie der Erreger auf die Sprossen gelangt ist, bleibt Spekulation. Möglicherweise wurde er durch Menschen übertragen; eine Mitarbeiterin des Bienenbütteler Hofes war nachweislich an EHEC erkrankt. Auch eine Verseuchung durch Wasser, Saatgut oder Vorlieferanten ist möglich. In den meisten Fällen aber wird die genaue Ursache nie geklärt.
Quelle: AFP
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