11.06.2011, 15:41 Uhr
Mehr als 30 Menschen sind in Deutschland bislang an dem Darmkeim gestorben (Foto: dpa) (Quelle: dpa)
Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hält trotz eines Rückgangs der EHEC-Neuerkrankungen weitere Todesfälle für möglich. "Weitere Todesfälle sind nicht ausgeschlossen, so schmerzlich das ist", sagte der Minister der "Bild am Sonntag". Jeder EHEC-Patient in Deutschland werde aber bestmöglich versorgt, versicherte Bahr. Wie der Darmkeim auf das Gelände des Biohofs in Niedersachsen kam, ist unterdessen weiter unklar.
"Nach allen bisherigen Erkenntnissen wurde auf dem Betrieb nichts falsch gemacht", sagte Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU). Der Hof habe hohe Hygienestandards und sei bisher nicht negativ aufgefallen.
Der Präsident des niedersächsischen Bauernverbands, Werner Hilse, übte derweil Kritik am Vorgehen der Landesregierung. "Man hätte einfach sagen können: Es ist ein Betrieb in Niedersachsen von EHEC betroffen, der ist gesperrt und vor dem Verzehr von Sprossen wird gewarnt", sagte Hilse der "Neuen Presse".
Die öffentliche Nennung des Namens bedeute erstmal das Aus für den Hof, so Hilse. "Die Chance ist, dass der Betrieb entweder schnell wieder freigegeben wird oder er genug finanzielle Reserven hat, um einen Neuanfang zu schaffen."
Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner hofft auf einen Durchbruch in den Ermittlungen. zum Video
Am Freitag war in Nordrhein-Westfalen erstmals der gefährliche EHEC-Typ an Sprossengemüse nachgewiesen worden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) habe inzwischen bestätigt, dass es sich um das Bakterium O104:H4 handelt, sagte ein Sprecher Verbraucherschutzministeriums.
Nordrhein-Westfalens Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Die Grünen) bedankte sich bei dem Familienvater, der die kontaminierten Sprossen den Behörden übergeben hatte. Er hatte keine Sprossen gegessen und blieb gesund, während seine Frau und seine Tochter erkrankten.
Vorsorge, Ansteckung, Behandlung: Alles, was man über die gefährliche Darmbakterie wissen sollte. zum Video
Das ist für die Ermittler das wichtigste Indiz, dass die Sprossen schon verseucht waren, als sie gekauft wurden - und die Erreger nicht erst in der Mülltonne in die Tüte gelangten. Remmel forderte Verbraucher auf, weiterhin verdächtige Sprossenpackungen den Behörden zu bringen.
Nach Angaben von Gesundheitsminister Bahr ist die Zahl der Neuerkrankungen deutlich rückläufig. "Die EHEC-Welle klingt allmählich ab. Es gibt Anlass zu der Hoffnung, dass nun das Schlimmste überstanden ist", sagte Bahr. Ein Wiederaufflammen der Seuche hält der FDP-Politiker für "sehr unwahrscheinlich".
Der Präsident des Robert Koch-Institut (RKI), Reinhard Burger, sagte dagegen: "Der Ausbruch ist noch nicht vorbei." Der Darmkeim tötete bisher mehr als 30 Menschen. Über 4000 sind bundesweit an EHEC erkrankt oder stehen unter Infektionsverdacht.
In den Niederlanden wurden derweil bei einem weiteren Agrarbetrieb EHEC-Bakterien auf Sprossen von Roter Bete entdeckt. Wie bei dem ersten Fund vor wenigen Tagen handele es sich aber nicht um den gefährlichen Typ O104:H4, der die Infektionswelle in Deutschland ausgelöst habe, teilte das Gesundheitsministerium in Den Haag mit. Es ordnete die Vernichtung der betroffenen Sprossen beim Lieferanten sowie im Handel an.
Die amerikanischen Gesundheitsbehörden meldeten am Freitag einen fünften Fall von EHEC. Im Gegensatz zu den vier vorherigen Patienten war die betreffende Person zuvor nicht in Deutschland, wie die Gesundheitsbehörde CDC in Atlanta erklärte. Wahrscheinlich habe der Patienten sich bei einem erkrankten Familienmitglied angesteckt, das zuvor aus Deutschland zurückgekehrt war. In den USA ist bisher ein Fall von EHEC bestätigt. Bei den anderen vier handelt es sich um Verdachtsfälle.
Quelle: AFP , dpa , dapd
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