30.06.2011, 17:23 Uhr
Verdacht: Der ägyptische Bockhornkleesamen könnte Auslöser für EHEC-Erkrankungen sein (Foto: dpa) (Quelle: dpa)
Ägyptische Samen könnten der Auslöser für die EHEC-Ausbrüche in Deutschland und Frankreich sein. Zu diesem Schluss kommt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit in Parma in einer gemeinsamen Analyse mit dem Europäischen Zentrum zur Prävention und Kontrolle von Krankheiten in Stockholm.
Zwar gebe es noch immer zahlreiche Unklarheiten, ob der Samen tatsächlich Auslöser sämtlicher EHEC-Erkrankungen gewesen sei. Doch offenbar existiert ein auffälliger Zusammenhang zu Importen nach Frankreich und Deutschland. So sollen 2009 aus Ägypten eingeführte Bockshornkleesamen wohl an dem Ausbruch in Frankreich, 2010 importierte Samen an dem Ausbruch in Deutschland beteiligt gewesen seien. Allerdings erkläre dies nicht den EHEC-Toten in Schweden, wo Sprossen keine Rolle gespielt hätten, heißt es in dem Bericht der Behörden.
Weitere Analysen seien daher notwendig - dringend sei vor allem auch eine Untersuchung, auf welchen Wegen die ägyptischen Lieferungen in Deutschland und Europa verteilt worden sind. So sei ein Teil der ägyptischen Samen über ein britisches Unternehmen nach Frankreich gelangt. Im Raum Bordeaux waren zehn Menschen erkrankt, nachdem sie Sprossen aus Bockshornklee, Senf und Rucola gegessen haben.
Die beiden Behörden weisen ausdrücklich darauf hin, dass Bockshornkleesamen oft in einer Samenmischung auf den Markt kommen, was eine Kontaminierung beim Umverpacken nicht ausschließe.
Der ägyptische Landwirtschaftsminister, Eiman Farid Abu Hadid, sagte, es sei völlig ausgeschlossen, dass verseuchte landwirtschaftliche Produkte aus Ägypten die Ursache der EHEC-Ausbrüche in Deutschland und Frankreich seien.
Bei Untersuchungen seines Ministeriums sei festgestellt worden, dass es in Ägypten kein EHEC-Problem gebe. Ägypten sei Opfer einer Verschwörung der israelischen Regierung. Diese versuche, den Siegeszug ägyptischer Agrarprodukte auf europäischen und anderen internationalen Märkten zu stoppen.
In Ägypten kommt es immer wieder vor, dass Bauern Abwasser zum Bewässern ihrer Felder benutzen - mit den entsprechenden Folgen für die Gesundheit der Menschen, die das auf diesen Feldern geerntete Gemüse, Obst oder Getreide verzehren. 2009 war in einer Studie des ägyptischen Umweltministeriums genau auf dieses Risiko hingewiesen worden.
Unterdessen starb im Umland von Hannover eine weitere Frau an den Folgen einer EHEC-Infektion. Die 74-Jährige litt unter der gefährlichen Komplikation HUS und wurde in einem hannoverschen Krankenhaus behandelt. Sie war bereits am 11. Juni erkrankt, teilten die Behörden mit.
Damit sind seit dem Ausbruch der Epidemie 48 Menschen in Deutschland an dem gefährlichen Erreger gestorben, 16 davon in Niedersachsen. In 15 weiteren Ländern wurden bislang 119 EHEC-Erkrankungen festgestellt. In Frankreich wird über bislang acht Fälle von EHEC-Fällen berichtet.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO betrachtet den EHEC-Ausbruch in Frankreich separat. Sie räumte allerdings ein, dass von den acht Fällen in Frankreich drei die gleichen Bakterienstämme wie in Deutschland aufwiesen. Das klinische Bild bei den französischen Fällen ähnele dem in Deutschland.
Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hat derweil das Krisenmanagement der Behörden während der EHEC-Epidemie verteidigt. Dieses habe funktioniert, sagte Aigner der "Passauer Neuen Presse". Es gebe aber natürlich wie immer nach solchen Geschehnissen eine Manöverkritik. "Jetzt werden wir die einzelnen Abläufe auf den Prüfstand stellen, um zu sehen, was in Zukunft weiter verbessert werden könnte", kündigte die Ministerin an. Das Krisenmanagement der Landes- und Bundesbehörden war wiederholt sehr scharf kritisiert worden.
Sprossen gelten mittlerweile als Ursache für die rasante Verbreitung der Darmkeims. Aigner wollte trotz des Abklingens der Epidemie noch keine Entwarnung geben. Die Untersuchungen der Fachbehörden dauerten noch an, sagte die Ministerin. "Erst wenn der Fall lückenlos aufgeklärt ist, kann man Entwarnung geben."
Quelle: dpa , AFP
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