14.08.2010, 18:35 Uhr
Duisburgs OB Adolf Sauerland räumt ein, dass absichtlich falsche Besucherzahlen genannt wurden (Foto: Reuters)
Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland hat zugegeben, dass vor der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten falsche Besucherzahlen bekannt gegeben wurden. "Wir sind vom Veranstalter aufgefordert worden, die realen Zahlen nicht zu veröffentlichen", sagte der CDU-Politiker dem Nachrichtenmagazin "Spiegel".
Während offiziell von einer Besucherzahl im Millionenbereich in die Rede war, gab es nur eine Genehmigung für 250.000 Technofans. "Mehr ging gar nicht", wurde Sauerland zitiert. Mit den hohen Zahlen habe man nur Marketing betrieben.
Sauerland verteidigte zudem erneut die Genehmigungsprozesse für die Großveranstaltung. Polizei, Bundespolizei, Feuerwehr und Ordnungsamt seien an den Vorbereitungen beteiligt gewesen. "Und am Ende steht die Frage: Ist dieses Konzept sicher? Das haben alle bejaht. Also wird genehmigt", so der Oberbürgermeister.
Auch bei der letzten großen Sitzung habe es keine Bedenken gegeben. Er sehe keine Punkte, die man intensiver hätte prüfen müssen. "Was wir gemacht haben, war plausibel und stimmig", sagte Sauerland.
Sauerland, der unter Polizeischutz steht, sagte dem "Spiegel", er fühle sich nach mehreren Morddrohungen als "Getriebener". Seine Familie habe er wenige Tage nach dem Unglück aus der Stadt gebracht. So habe sich ein Unbekannter gemeldet und erklärt, man habe ihm 5000 Euro gezahlt, damit er ihn töte. Ein anderer habe gedroht, einen Kindergarten in die Luft zu sprengen, falls er nicht zurücktrete.
Der umstrittene Politiker schließt zudem drei Wochen nach der Loveparade-Katastrophe persönliche Konsequenzen nicht aus - allerdings erst nach der Aufklärungsarbeit. "Natürlich stelle ich mir die Frage, ob man das Amt nach so einem tragischen Ereignis weiter ausüben kann. Aber diese Antwort werde ich erst dann geben, wenn ich die Antworten auf die uns alle bedrückenden Fragen habe", sagte Sauerland laut WDR-Mitteilung in der TV-Sendung "Kreuzverhör".
Sauerland lehnt einen sofortigen Rücktritt nach wie vor ab und räumt auch keine persönliche Schuld ein: "Es muss geklärt werden, wer der Verursacher dieses tragischen Ereignisses war. So weit sind wir noch nicht."
Das Stadtoberhaupt wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe vor der Loveparade darauf hingewirkt, sie unter allen Umständen zu veranstalten. Bei der Sicherheit habe man keine Kompromisse gemacht. "Wir haben als Verwaltung unsere Vorstellungen durchgesetzt und sind nicht zurückgewichen." Der Veranstalter habe deswegen seine Konzepte nachbessern müssen.
Der Oberbürgermeister betonte, wie sehr ihn das Unglück mitnehme: "Jeden Morgen, wenn ich wach werde, wünsche ich mir, dass alles das, was wir erlebt haben, nur ein böser Traum ist, aber es ist Realität."
Quelle: dpa , dapd
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