12.02.2012, 09:00 Uhr
Rund eineinhalb Jahre nach dem Loveparade-Unglück soll sich das politische Schicksal Adolf Sauerlands am heutigen Sonntag entscheiden. Als der Oberstudienrat 2004 die Stichwahl um das Amt des Duisburger Oberbürgermeisters gewann, galt sein Sieg als Beleg dafür, dass die CDU auch in großen Ruhrgebiets-Kommunen Oberbürgermeister stellen kann. Knapp acht Jahre danach droht dem 56-Jährigen nun ein unrühmlicher Abgang. In einem Bürgerentscheid stimmen die Einwohner über seinen Verbleib im Amt ab.
Mit sehr unterschiedlichen Strategien haben beide Seiten in den vergangenen Wochen auf den Termin hingewirkt. Die Bürgerinitiative "Neuanfang für Duisburg" wirbt in der Innenstadt für eine möglichst große Teilnahme an dem Bürgerentscheid. Dazu wurde eigens ein Zelt errichtet, am Samstag gibt es sogar eine Extraausgabe der traditionsreichen Radiosendung "Hallo Ü-Wagen" vom WDR. "Vor allem bei den Jugendlichen müssen wir erreichen, dass sie zu der Abstimmung gehen", sagt der Sprecher der Initiative, Theo Steegmann. "Je höher der Wahlbeteiligung, desto höher ist auch die Chance auf eine Abwahl", betont er.
Stadtoberhaupt Sauerland hält sich dagegen betont zurück. Der 56 Jahre alte frühere Oberstudienrat, der bei seinen öffentlichen Auftritten teilweise heftig angefeindet oder mit Ketchup bespritzt wurde, wirbt auf seiner Internetseite mit dem Slogan des einstigen CDU-Kanzlers Konrad Adenauer: "Keine Experimente!" Das Stadtoberhaupt präsentiert sich als Erneuerer, der viel für die vom Strukturwandel gebeutelte Stadt erreicht hat. Er sei "davon überzeugt, dass der von mir als Oberbürgermeister eingeschlagene Weg der richtige ist und bleibt. Dass dabei in Zukunft noch viel zu tun ist, wissen wir alle", erklärt Sauerland.
Und tatsächlich: Bis zum 24. Juli 2010 war Sauerland ein Oberbürgermeister, der durchaus Erfolge vorweisen konnte - den Bau der DITIB-Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh oder die Umgestaltung der Duisburger Innenstadt durch den britischen Stararchitekten Sir Norman Foster. Doch mit der Katastrophe bei der Loveparade kippte sein Image. Sauerland wurde für viele Bürger zum Symbol des Versagens, zum Verantwortlichen für die Katastrophe mit 21 Toten und mehr als 500 Verletzten. Erschwerend kam hinzu, dass Sauerland erst knapp ein Jahr nach dem Unglück echte Worte des Bedauerns fand. In der Öffentlichkeit wurde der OB angefeindet, verhöhnt, mit Ketchup bespritzt.
Verstörend waren für viele Bürger vor allem die Bilder, als Sauerland einen Tag nach dem Unglück mit dem Loveparade-Organisator Rainer Schaller auf der live übertragenen Pressekonferenz saß und jede Verantwortung für den Vorfall ablehnte. Eine Position, die er bis heute beibehält. Einen Rücktritt aus eigenem Antrieb lehnt er weiterhin ab.
Wegen des Unglücks auf der Loveparade ermittelt die Staatsanwaltschaft Duisburg derzeit gegen 17 Personen - OB Sauerland ist nicht darunter. Allerdings geriet der 56-Jährige wegen der Affäre um den Korruptionsverdacht beim nordrhein-westfälischen Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) ins Visier der Staatsanwaltschaft Wuppertal. Es besteht der Anfangsverdacht, dass sich der CDU-Politiker der Vorteilsannahme schuldig gemacht hat. Sauerland betont auch in diesem Fall seine Unschuld. Die Vorwürfe seien "Quatsch", erklärte er dem Nachrichtenmagazin "Focus". Hinter vorgehaltener Hand vermutet so mancher CDU-Vertreter aus Duisburg, dass man gegen Sauerland ermittelt, weil man ihm im Zusammenhang mit den Untersuchungen zur Loveparade kein Verschulden nachweisen könne.
Gegenüber der Presse hält Sauerland seit dem Loveparade-Unglück Distanz - lediglich einige ausgewählte Medienvertreter lud er zu Terminen und Hintergrundgesprächen. Dabei pochte er stets darauf, dass er für die Durchführung der Loveparade nicht verantwortlich gewesen sei und folglich auch nicht zur Verantwortung gezogen werden könne. Ansonsten gibt er sich sehr zurückhaltend - auch gegenüber den eigenen Mitarbeitern. Wo der 56-Jährige am Sonntagabend den Wahlausgang verfolgt und das Ergebnis in Empfang nimmt, kann derzeit auch der persönliche Referent des OB nicht sagen.
Denn der Ausgang der Wahl ist spannend und kann so knapp ausfallen, dass die Bezirksregierung Düsseldorf der Stadtverwaltung abgeraten hatte, Zwischenergebnisse zur Beteiligung bei der Briefwahl abzugeben. Nach nicht bestätigten Angaben soll die Beteiligung allerdings sehr hoch sein - kein gutes Zeichen für Sauerland.
Dieser hofft offenbar darauf, dass die Wahlbeteiligung so gering ausfällt, dass das notwendige Quorum nicht geschafft wird. Für eine Abwahl reicht eine einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen aus, allerdings muss mindestens ein Viertel der stimmberechtigten Bürger gegen Sauerland votieren. Das wären nach Angaben der Stadtverwaltung rund 91.250 Stimmen.
Nach Ansicht des Vereins Mehr Demokratie ist das eine hohe Hürde. Damit müssten am Sonntag mehr Menschen für eine Abwahl stimmen als Sauerland bei der Kommunalwahl im August 2009 gewählt hatten, sagt Sprecher Thorsten Sterk. Der Verein plädiert deshalb dafür, dass das Quorum abgeschafft wird. Selbst wenn Sauerland aus dem Amt gewählt würde, erwartet der Verein "keine Inflation von Abwahlbegehren". Dazu seien die Hürden aus Bürgerbegehren und Bürgerentscheid derzeit einfach noch zu hoch, erklärt Sterk.
Mit einem Ergebnis des Bürgerentscheids wird gegen 19.30 Uhr gerechnet. Sollte Sauerland abgewählt werden, müsste der umstrittene Verwaltungschef schon einige Tage nach dem Bürgerentscheid seinen Stuhl räumen. Der Stadtrat müsste dann über einen neuen Wahltermin entscheiden.
Quelle: dapd , dpa
Hotte schrieb:
am 10. Februar 2012 um 20:36:09
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Knast statt Pensionen
Zurücktreten?, nee, Eingesperrt gehört der Herr genauo wie die anderen Verantwortlichen für das Debakel, das war
nicht Fahrlässig, sondern Mutwillig, das Konzept der Veranstaltung war von Anfang an zum Scheitern veruteilt. Aber die Politik wollte sich im Prestige sonnen, das wurde mit Menchenleben bezahlt, schamlos wie danach die Verantwortung einfach anderen in die Schuhe geschoben wurde, wieo werden diese Nieten dafür noch mit Lebenslangen Pensionen bedacht?
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Christian Bauer schrieb:
am 10. Februar 2012 um 20:33:01
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Love-Parade
Sorry, ich würde auch den Teufel tun und zurücktreten.
Weil ein paar Tanzwürtige nicht in der Lage sind sich an normale
Vorgaben zu halten.
Komisch das niemand den Veranstalter verantwortlich macht. Heutzutage sind immer die Politiker bzw. die Beamten oder sonst wer schuldig. Nur diejenigen die "Veranstalten" sind unschuldig. Wieder so ein Beispiel warum ich nie ein öffentliches Amt übernehmen würde.
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Jochen schrieb:
am 10. Februar 2012 um 20:26:19
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Wulff und Sauerland
Was ist der Unterschied zwischen Wulff und Sauerland,der Eine hat Pattex auf dem Stuhl und der Andere Holzleim, das
Ergebnis bleibt sich geleich,jeder klebt an seinem Stuhl. Warum Sauerland nicht zurück getreten ist ganz einfach der sönde Mamon,wäre erselbst zurückgetreten hätte es nur 1,99 € gegeben,bei der Abwahl die Grundlage von einer B-Besoldung macht dann mal 1000,2000 oder 300߀ aus,es kann auch "ein bisschen mehr sein.
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