04.12.2010, 07:05 Uhr
Eines der beiden authentischen Fotos von Billy the Kid. Seinen Spitznamen trug er wegen seiner schlanken Figur und einem leichten Flaum auf der Oberlippe (Foto: dpa)
Im Wilden Westen war seine Gesetzlosigkeit Legende. Unter den vielen Revolverhelden der damaligen Zeit sticht Billy the Kid heraus: Jung, verwegen und blitzschnell hielt er vor 130 Jahren den Südwesten der USA in Atem. Bis heute sorgt er für Streit. Im Bundesstaat New Mexico läuft eine Debatte, ob der Wildwest-Mythos und Serienmörder posthum begnadigt werden soll. In dem Duell stehen sich gegenüber: die selbsternannten Nachkommen von Billy the Kid, sowie die Nachfahren von Sheriff Pat Garrett, der ihn erschossen hat.
Im Juli 1881 hörte Billys Herz nach einer Schussverwundung auf zu schlagen, doch seine Legende wird bis heute in dutzenden Filmen und Büchern weitergestrickt. New Mexicos Gouverneur Bill Richardson könnte die Begnadigung aussprechen, und er hat zugesagt, die Angelegenheit ernsthaft zu prüfen. "Der Gouverneur erwägt, eine Anhörung zu dem Fall einzuberufen", sagt sein Sprecher Eric Witt. "Eine Entscheidung gibt es aber noch nicht." Richardson hat sich bereits mit Vertretern beider Parteien getroffen.
Dass Billy the Kid ein Verbrecher war, steht außer Frage. Und doch hat er bis heute eine Fangemeinde, die seine jugendliche Kühnheit bewundert und in ihm eine Art Robin Hood des Wilden Westens sieht, der den Reichen genommen und den Armen gegeben hat. Sein Grabstein in Fort Sumner, wo der 21-Jährige im Juli 1881 erschossen worden ist, wurde mehrfach gestohlen und ist deshalb inzwischen in Metall verankert.
Gegen die Begnadigung machen vor allem die Nachfahren von Sheriff Pat Garrett mobil, der den flüchtigen Billy aller Wahrscheinlichkeit nach erschossen hat. "Dies wäre eine Rechtsverirrung und die Diffamierung eines großen Mannes", schrieben Garretts Enkel Jarvis Patrick Garrett und Susan Floyd Garrett in einem offenen Brief. Ihr Großvater würde in die Nähe des Mordes gerückt, wenn der Revolverheld von damals heute als unschuldig eingestuft werden würde. Für die Begnadigung macht seit vielen Jahren Elbert Garcia aus Santa Rosa mobil, der nach eigenen Angaben der Urenkel von Billy the Kid ist. Er behauptet, viele Vorwürfe gegen seinen Vorfahren seien haltlos.
Bereits im März 1881 hatte Billy the Kid, der als William H. Bonney geboren wurde, aus dem Gefängnis beim damaligen Gebietsgouverneur um Begnadigung nachgesucht. Er könne bei der Aufklärung einiger Mordfälle helfen, wenn dafür die Mordvorwürfe gegen ihn fallengelassen würden. Das Schreiben blieb ohne Antwort. Ein Richter verurteilte Billy the Kid zum Tod durch den Strang, der Verurteilte erschoss daraufhin zwei Gefängnisaufseher und floh. Wenige Wochen später wurde er von Sheriff Garrett gestellt und selbst erschossen.
Quelle: AFP
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