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Dresdner Forscher entwickeln extrem belastbare Rohre aus Holz

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Dresdner Forscher entwickeln extrem belastbare Rohre aus Holz

10.10.2011, 18:49 Uhr

Peer Haller zeigt stabile Rohre aus Holz (Quelle: dapd)

Peer Haller zeigt stabile Rohre aus Holz (Quelle: dapd)

Geht es nach Peer Haller, wird seine Erfindung den Umgang mit Holz revolutionieren. "Seit Menschengedenken war dieser Rohstoff immer nur etwas Statisches. Jetzt können wir Holz aber verformen und es ganz anders nutzen", sagt der 53-Jährige. Mit einer - auf den ersten Blick - simplen Methode hat es der Forscher der Technischen Universität Dresden geschafft, aus Holzplatten Rohre zu machen. Diese sollen nicht nur so stabil wie Beton, sondern in der Herstellung auch ausgesprochen umweltfreundlich und energiesparend sein.

Seit zehn Jahren arbeitet Haller, Inhaber des Lehrstuhls für Ingenieurholzbau und baukonstruktives Entwerfen an der TU Dresden, an seinem Projekt. Mittlerweile ist die Methode so ausgereift, dass auf ihr ein Patent liegt.

Damit aus einem Stück Holz ein Rohr wird, sind mehrere Arbeitsschritte nötig. Zunächst werden aus dem Rohholz Vierkanthölzer geschnitten. Diese werden bei 140 Grad erwärmt und zusammengepresst. Dadurch wird die Luft im Holz, die bis zu zwei Drittel des Volumens ausmacht, entfernt. Danach werden die Platten verleimt und mit Hilfe von Wasserdampf so verformbar gemacht, dass sie ganz einfach zu Rohren umgewandelt werden können.

Viel geringere Kohlendioxid-Belastung

Was diese Methode bewirken kann, zeigt Haller im Eingangsbereich des Instituts. Dort lehnen an der Wand mehrere Formholzrohre aus Fichtenholz - 2,50 Meter hoch und ein Durchmesser von 30 Zentimeter. In seiner Stimme schwingt eine gewisse Portion Stolz mit, wenn der Ingenieur erklärt, mit wie viel Gewicht das 30 Kilogramm schwere Rohr belastet werden kann: "60 Tonnen. Unglaublich, oder?" Werde das Rohr noch mit einer zwei Kilo schweren Carbonschicht verstärkt, verdopple sich die Belastbarkeit sogar.

Um die Vorzüge seiner Erfindung deutlich zu machen, zieht der Professor gerne noch weitere Zahlen heran. So würden für eine Stütze, die 50 Tonnen Gewicht auszuhalten habe, 154,5 Kilogramm Stahlbeton benötigt - aber nur 28,2 Kilogramm Formholz. "Was das allein für den Transport auf der Straße bedeutet!", sagt Haller. Zur Herstellung der Holzrohre seien 140,7 Megajoule Energie nötig - für Stahl hingegen 723 Megajoule. Und während bei der Produktion von Stahl und Stahlbeton mehr als 32 Kilogramm CO2 frei würden, käme das Formholz nur auf 0,4 Kilogramm.

Darauf, wo die Formholzrohre zukünftig in der Praxis Anwendung finden können, will sich Haller nicht festlegen. Ihm geht es viel mehr darum, die Bedeutung des Holzes zu steigern. "Durch die Profilbildung kann aus der Ressource Holz viel mehr rausgeholt werden als bisher", sagt der Forscher. So könne er sich vorstellen, dass Holz irgendwann in Bereichen eingesetzt werde, an die heutzutage noch niemand denke - weil sie von anderen Materialien dominiert werden.

Holzrohre tragen Windkraftanlage

Als Beweis dafür verweist Haller auf einen Freiburger Architekten. Dieser habe einen Entwurf vorgelegt, in dem ein riesiges Glasdach mit Photovoltaikanlagen von Formholzrohren getragen werde. Und in Chemnitz stehe schon jetzt eine zehn Meter hohe Windkraftanlage mit einem Turm aus Holzrohren. "Das Holz dämpft sogar die durch Rotorblätter entstandenen Geräusche", sagt Haller.

Beim Bundesverband Säge- und Holzindustrie stößt die Dresdner Erfindung auf großes Interesse. "Wir halten diesen neuen Baustoff aus Holz für eine echte Innovation und sind überzeugt, dass Formholz einiges Zukunftspotenzial besitzt", sagt der Geschäftsführer des Bereiches Markt & Produkte, Norbert Buddendick. Zur Zeit stehe das Produkt aber noch am Anfang der wirtschaftlichen Anwendbarkeit und müsse weiterentwickelt werden.

Bis Ende des Jahres werde die bisher einzige Maschine zur Herstellung von Formholzrohren erweitert. An eine Serienfertigung sei trotzdem noch nicht zu denken. "Bis die Rohre im großen Stil gebaut werden, dauert es bestimmt noch fünf bis zehn Jahre", wagt Haller eine Prognose.


Quelle: dapd

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Kommentare (3)

zum Forum

Thema: "Dresdner Forscher entwickeln extrem belastbare Rohre aus Holz "

Dieter / he schrieb: am 10. Oktober 2011 um 21:20:43
(36) (3) Rohre aus Holz
es gibt schon andere belastbare Beispiele für den Holzbaustoff in der Natur, Bambus als Beispiel, oder den Strohhalm, allein
schon die Idee fachlich umzusetzen ist grandios...wenn nur die allmächtige Beton und Stahllobby nicht wäre, würden auch hier schnell mehr Forschungsgelder fließen, siehe Biogas als Erneuerbare, dann die Einsparung an Transportkosten, die Bearbeitungsmöglichkeiten an der Baustelle, neue Berufsbilder..usw
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Gerd schrieb: am 10. Oktober 2011 um 20:49:25
(38) (11) Dresdner Forscher
Wenn ich sehe, daß die alten Segelschiffe aus dem 16.bis 18.Jahrh. mit teils 100 Kanonen und 800 Mann über 100 Jahre
ihren Dienst im Meerwasser taten, stellt sich keine Frage der Haltbarkeit. Die Frage stellt sich vielmehr bezüglich der Beschaffung eines sehr langsam wachsenden Rohstoffes. Die alten Seemächte haben ganze Länder wegen deren Schiffe abgeholzt. Siehe Portugal, Spanien, Inalien und England u. v.m. Hallo Wach!
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Lele schrieb: am 10. Oktober 2011 um 18:28:59
(18) (2) Nice
Das ist in der Tat ein Fortschritt, der in der Tat gewisse Bereiche revolutionieren wird! Was man da an Gewicht beim Transport spart ist beachtlich!

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